Accenture Banking Blog

Morgen wird das Europäische Parlament die zweite Fassung der Zahlungsdiensterichtlinie (PSD II) verabschieden. Die einzelnen Mitgliedsstaaten haben dann zwar noch bis zu zwei Jahre Zeit, die Regelungen in nationales Recht zu überführen. Eines jedoch bereits jetzt ab: PSD II wird den Zahlungsverkehrs- und Kontomarkt in Europa nachhaltig verändern.

Neue Dienstleistungsarten erfasst

So werden sich Banken und Sparkassen in Bereichen der Kontoführung und des Zahlungsverkehrs neuen Wettbewerbern gegenüber weiter öffnen müssen – denn die PSD II führt zwei neue Dienstleisterarten ein, die bislang nicht in der Regulierung auftauchten:

  1. Zahlungsauslösedienste, die im Auftrag des Kunden Zahlungen unmittelbar ausführen können. Banken und Sparkassen müssen hierfür die notwendigen Schnittstellen bereitstellen, damit diese Dienstleister unmittelbar Zahlungen vom Kundenkonto veranlassen können.
  1. Kontoinformationsdienste, die Kontoinformationen im Auftrage des Kunden vom kontoführenden Institut abrufen können, um diese mit anderen Informationen zusammenzuführen oder zu veredeln. Auch hier müssen Institute entsprechende Schnittstellen zu ihren kontoführenden Systemen bereitstellen.

Ende des Graubereichs und neue Innovationsdynamik

In Deutschland, wo mit der institutsübergreifenden Schnittstelle FinTS schon heute eine interoperable Infrastruktur für solche Dienste zur Verfügung steht, sind entsprechende Dienstleistungen zwar nichts Neues; doch hebt die PSD II für Sofortüberweisung & Co. nun endgültig den rechtlichen Graubereich auf, in dem sich entsprechende Anbieter bislang bewegt haben. Die kontoführenden Institute dürfen sich einem Zugriff auf die Konten durch solche Dienstleister nicht mehr verwehren. Und da dies nun auf gesamteuropäischer Ebene erfolgt, wird die Innovationsdynamik hier noch einmal deutlich zunehmen.

Die Zeit wird knapp

Auch wenn bis zur Verankerung von PSD II in nationales Recht noch einige Zeit vergehen wird: Banken sollten schleunigst handeln und bereits jetzt anfangen, über ihre Positionierung und die damit verbundenen Operationsmodelle nachzudenken. Andernfalls droht nicht nur ein immenser neuer Wettbewerb – die Branche vergibt auch die enormen Chancen, die mit der neuen Regulatorik einhergehen. Worin liegen diese Chancen? Darauf werde ich in meinem nächsten Blogbeitrag zur Zahlungsdiensterichtlinie schon bald näher eingehen.

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