Accenture Banking Blog
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Der disruptive, digitale Wandel hat die Bankenlandschaft längst auch auf ihren ureigenen Feldern erreicht. Wir alle wissen, die Zeit ist reif für ein zukunftsorientiertes Private Banking und Wealth Management. Doch wie sehen die Stellschrauben des Wandels konkret aus, vom Neuaufbau der Wertschöpfungskette bis hin zur Anpassung der Kostenstruktur?

Nehmen wir beispielsweise den Return on Equity (ROE): Sicherlich sind die Anforderungen an systemisch relevante Institute weit höher als an kleine Wealth Management Boutiquen. Doch gerade für international aufgestellte Institute sehe ich im Geschäft mit Ultra- und High-net-worth Individuals (HNWI) enorme Chancen. Denn genau diese Institute verfügen über das notwendige Kapital, um exzellente digitale Services einerseits und anspruchsvolle, grenzüberschreitende Produkte und Services für ihre international verkehrenden Kunden aus dem Feld der HNWI und UHNWI andererseits zu kreieren. Dabei wird es im Kern auch darum gehen, die Kostenreduktion weiter voranzutreiben und die Struktur der Risk Weighted Assets (RWA) zu optimieren.

Ein Schlüsselfaktor für das Wealth Management ist dahingehend die Anzahl der Kunden pro Berater. Hier bieten etliche Benchmarks Orientierung. So setzt BBVA Contigo mit der digitalen Aufrüstung ihrer Berater bei vermögenderen Kunden zu 98% auf Self Servicing und bietet papierlose Kundeninteraktionen in Echtzeit. Damit konnte die Arbeitsbelastung der Berater radikal reduziert werden, bei gleichzeitiger Steigerung der Qualität im Kundenkontakt über die Nutzung von Echtzeit-Analytics. Diesen Weg verfolgen inzwischen auch weitere Institute wie HANA Bank und Nykredyt, die mit automatisierten Verfahren für Kundenkredite und Hypotheken 50 Prozent des Personalaufwandes einsparen und damit die Vertriebskosten um ein sattes Viertel reduzieren konnten. Auch im Wealth Management ist dies ein gangbarer Weg, denn schließlich benötigen Kunden ihren Berater bisweilen nur wenige Minuten im Monat. Mit Analytics-Werkzeugen und modernen Banking-Systemen wird der Kundenbetreuer zudem einen Bruchteil der Zeit für die Beratungsvorbereitung und der Umsetzung von Maßnahmen im Nachgang benötigen.

Und nicht zuletzt kann zudem die Kreditvergabe im Bereich der vermögenden Privatkunden einen wesentlichen Effektivitätstreiber darstellen, einhergehend mit dem Einlagen- und Sicherheiten-Management. Natürlich handelt es sich bei der Kundengruppe nicht um Massengeschäft. Und dennoch können Banken auch im Wealth Management und Private Banking von industrialisierten Strukturen in der Kreditbearbeitung profitieren. Damit wird nicht nur die Effektivität der Bank gesteigert, schließlich weiß der Mitarbeiter Dank digitaler Tools, welche Informationen, Garantien und Sicherheiten zum Abschluss eines Deals benötigt werden. Für den Kunden werden auch modulare, hochindividuelle Kreditstrukturen mit verschiedenen Absicherungsformen möglich – vom Fremdwährungsdarlehen als Hedging-Instrument bis hin zu Carry-Trade Produkten. Beispielsweise mittels iPad-App können sie so in die Lage versetzt werden, verschiedene Finanzierungsszenarien und Strukturierungen für sich und ihre ganz persönliche Situation durchzurechnen. Zudem resultiert aus der Prozessautomatisierung eine höhere Bearbeitungsgeschwindigkeit, da schon innerhalb des Kreditantrags sämtliche Daten für die Entscheidungsträger der Bank aufbereitet werden können.

Eine virtuelle Bilanz für jeden einzelnen Kunden, auch unter Einbindung der Geschäftsebene: Genau das sollte das Ziel sein. Schließlich sind viele der High-net-worth Individuals auch erfolgreiche Unternehmer mit Vermögenswerten, Verbindlichkeiten und Assets under Management über alle Bankbeziehungen hinweg. Dies ermöglicht nicht nur ein maßgeschneidertes Servicepaket für Kunden, sondern bietet auch der Bank die Chance, Effektivitätspotenziale zu heben, sich agiler aufzustellen und wesentliche Kennziffern wie RWA und Eigenkapitalhinterlegung zu verbessern. Das digitalisierte, global agierende und hocheffektive Wealth Management für eine dynamische, internationale Top-Kundengruppe kennt damit eigentlich nur Gewinner.

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