Accenture Banking Blog

Bitcoin & Co. waren erst der Anfang. Die Blockchain wird über kurz oder lang ganze Geschäftsfelder der Finanzindustrie verändern. Doch wie reagiert man jetzt strategisch am besten darauf? Abwarten? Sicher nicht!

Klar, technologisch ist die Blockchain nichts anderes als ein Distributed Ledger. Doch gerade für Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf zentralisierten Ledger-Strukturen fußt, ist das eine konkrete Gefahr – ganz gleich ob Börsen oder andere Clearinghäuser. Nicht ohne Grund denken fast all diese Marktteilnehmer darüber nach, welchen Effekt die neue Technologie für die bestehende Marktlogik und die eigenen Business-Modelle haben oder wie sie sich die Technologie zu eigen machen können.

Eine Basis, viele Spielarten, etliche Herausforderungen

Aber gibt es die eine Technologie überhaupt? Jein. Die Grundstruktur ist natürlich ähnlich, aber wir sehen hier jede Menge Spielarten. So ist die originäre Blockchain unveränderbar. Alle hinterlegten Transaktionen und durchaus auch weitere Informationen bleiben für immer erhalten. So schlummern im Gedächtnis der Bitcoin-Währung durchaus auch pornografische Inhalte oder die geleakten Informationen aus der US-Diplomatie – und dies solange Bitcoins existieren. Und diese Form der Blockchain ist auch für jeden einsehbar. Beide Aspekte sind für Finanzinstitute jedoch absolut impraktikabel – denn menschliche Fehler passieren nun mal und verlangen nach Eingriffsmöglichkeiten. Gleiches gilt für Cyberkriminalität. Aber auch die Offenlegung von Gegenpositionen oder das Recht auf Vergessen und andere Datenschutzanforderungen sind hochproblematisch. Wer passt die Technologien also so an, dass sie für Banken verwendbar sind?

Blockchain im Reality-Check

Mit einem Blockchain-Patent, das genau dieses Problem adressiert, sind wir bei Accenture zuletzt einen wichtigen Schritt weitergekommen. In sogenannten „Permissioned“-Systemen, die zentral gesteuert werden, kann damit nach festgelegten Regeln durch Administratoren bei menschlichen Fehlern, Missbrauch oder kriminellen Handlungen in die Transaktionskette eingegriffen werden. Weitere Maßnahmen müssen hier jedoch folgen, um die Blockchain in der geschäftlichen Realität nutzen zu können, ohne ihre Stärken wie die Kryptographie anzutasten. Dies betrifft im Wesentlichen die Unternehmen selbst. Und hier komme ich zu einer weiteren Schlüsselfrage: Wie sieht der Zeitrahmen aus? Wie finden Unternehmen hier Business Value und an welcher Stelle steigen sie am besten ein?

Plug & Play gibt es nicht bei Innovationen

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Den einen richtigen Zeitpunkt wird es hier nicht geben und genau hier liegt das Problem – nämlich auf einer Skala von „zu viel zu früh alles auf eine Karte setzen“ bis hin zu „alles verpassen“. Das Hauptproblem ist die Technologiefrage. Hier brauchen wir rasch marktgängige Modelle und Lösungen. Etliche Konsortien arbeiten daran. Kurzfristig werden wir hier aber keine Plug & Play-Ansätze sehen, denn bis sich dutzende Spieler auf eine Variante verständigt haben, vergeht schlichtweg Zeit. Zeit, in der eine kleine Fin-Tech-Nischenlösung womöglich längst den Markt erobert hat. Was also bleibt ist, sich selbst aktiv mit dem enormen Potenzial der Blockchain auseinanderzusetzen, Prototypen zu bauen (so wie es die ReiseBank jüngst auf Ripple-Basis gezeigt hat) und zu lernen. Auch die Blockchain verlangt von Finanzdienstleistern endlich mehr Mut zum Entrepreneurship. Packen wir es an!