Instant Payments ist auf der Vormarsch…

Weltweit ist Instant Payments in vielen Ländern bereits Realität und in Europa drängen immer mehr  nationale Lösungen auf den Markt. Die pan-europäische Initiative mit SEPA Instant Payments entwickelt sich Schritt für Schritt und ermöglicht Überweisungen, auch grenzüberschreitend, von einem Bankkonto zum anderen in Echtzeit – inklusive Clearing und Settlement. Die Zahlung ist nach wenigen Sekunden abgeschlossen und der Empfänger erhält eine Zahlungsgarantie ähnlich einer Kartenzahlung. Einige Banken in Europa nehmen bereits am SEPA Instant Payments Scheme teil und bieten es ihren Kunden, gegen eine Gebühr, an. Dennoch herrscht bei vielen Banken weiterhin Uneinigkeit darüber, welches die interessanten Use-Cases für Instant Payments sein werden.

Sie sollten nicht ausser Betracht lassen, dass Retailkunden wenig Verständnis haben, weshalb sie mit WhatsApp kostenlos in Echtzeit kommunizieren können, Überweisungen jedoch zeitaufwendig und häufig kostenpflichtig sind. Die Kunst ist es, neue, monetarisierbare Geschäftsmodelle um Instant Payments herum zu bauen.

…und wird durch Open Banking ergänzt

Gleichzeitig werden durch Open Banking Regulierungen – wie PSD2 oder Open Banking UK – Banken zur Öffnung ihrer Zahlungsverkehrsysteme bewegt. Drittanbieter dürfen nach Erlaubnis des Kunden kostenfrei Kontoinformationen abrufen und Zahlungen am Kundenkonto auslösen. Damit lässt sich für Banken kein Geld verdienen – das Credo lautet auch hier, über die Regulierung hinauszugehen und neue Geschäftsmodelle sowie Erlösquellen durch den Aufbau von monetarisierbaren APIs und Ökosystemen zu generieren.

Die Kombination von Instant Payments und Open Banking entfesselt das wahre Potenzial

PSD2 und Instant Payments wurden von den europäischen Regulierern als unabhängige Initiativen betrachtet und wenig verzahnt. Doch während die isolierte Betrachtung von Instant Payments oder API Banking für viele Marktteilnehmer nur einen beschränkten Mehrwert erkennen lässt, führt das Zusammenspiel beider zu einer Explosion neuer Möglichkeiten.

Der Händler – sei es im Laden oder im Online-Shop – hat die unmittelbare Zahlungsgarantie und benötigt keine Anbindung an die Karteninfrastruktur mehr. Kein Zufall also, dass auch auf der letzten SIBOS im Oktober 2018 die mehrheitliche Einschätzung war, dass sich die wesentliche Relevanz von Instant-Payments neben den Peer-to-Peer-Payments am Point-of-Sale abspielen wird, z.B. in Form von Push-Payments.

Für die Kombination aus Instant Payments und API Banking gibt es bereits erste Beispiele in Europa: IATA hat den Aufbau einer komplett neuen Payment Plattform für Flugtickets gestartet, welche bestehende Kartenlösungen ersetzen soll, u.a. zusammen mit der Deutschen Bank.

Der Blick nach Asien lohnt

In China sind die beschriebenen Entwicklungen mit Direktzugang auf Kundenkonten weitverbreitete Realität. Dort wird nahezu ausschliesslich mobil und ohne Karte, mit z.B. QR Codes und P2P privat bezahlt. Wallet-Anbieter kommen neben der Zahlungsfunktion mit Ökosystemen daher. Beispielsweise kann mit der Alipay Wallet direkt ein Taxi bestellt und bezahlt werden.

In Hong Kong wurde Faster Payments im September 2018 eingeführt und erste Wallets wie Alipay HK und Octopus umgehen Karten damit komplett. Hier kann die Wallet per Echtzeitzahlung aufgeladen und zum Bezahlen am POS, im eCommerce oder für P2P genutzt werden. Die Zahlungsgarantie ist gegeben und die Kosten liegen wesentlich unter den hohen Gebühren bei Kartenzahlungen.

Doch es gibt große Herausforderungen …

Bevor sich die Kombination aus Instant Payments und API Banking Inform von Push-Payments zu einer echten Zahlungsalternative auch in Europa entwickeln kann, sehe ich folgende Herausforderungen im Hinblick auf User Experience, Standardisierung und Sicherheit:

·       SEPA Instant Payments eignet sich mit seiner 10-Sekunden-Regel nur bedingt als Alternative zur viel schnelleren Kartenzahlung am POS und ist für den Onlinehandel eher geeignet momentan.

·       API-Standardisierungen im Rahmen von PSD2 sind weiterhin fragmentiert. Zwar versuchen Initiativen wie die Berlin Group mit dem NextGenPSD2 Standard die Harmonisierung voranzubringen, doch es werden weiterhin Derivate dieser und andere unterschiedliche Standards auf dem Markt im Umlauf sein. Dies führt zu höherem Aggregations-Aufwand, um  einheitlichen Zugriff auf Konten zu ermöglichen.

·       Unterschiedliche Methoden der «starken Kundenauthentifizierung» (SCA) bei den Banken, führen zu inkonsistenter Kundenerfahrung. Banken bieten unterschiedliche SCA-Methoden mit unterschiedlichen SCA-Regeln im Rahmen der PSD2 an (z.B. SMS-TAN, photoTAN). Hier sehe ich die Notwendigkeit der Harmonisierung aller Sicherheitsverfahren im Rahmen von übergreifenden Identitiy-Services.

Das Einsparpotenzial für Händler ist gigantisch

Ich halte es für denkbar, dass Kartenzahlungen in ihrer bisherigen Form auf lange Sicht bedeutungslos und die hoch entwickelten Kartenbezahlsysteme und Netzwerke überflüssig werden – die neue Alternative benötigt diese nicht mehr. Für Händler würde dies ein signifikantes Einsparpotenzial bedeuten, wenn man bedenkt, dass die Gebühren – je nach Karte – mehrere Prozent des gesamten Zahlungsbetrags ausmachen.

No-click statt one-click

Langfristig erwarte ich, dass nicht nur die eine oder andere Bezahlmethode verschwindet und neue hinzukommen, sondern dass das Bezahlen als expliziter und sichtbarer Prozessschritt im Alltag gänzlich verschwindet. Der Checkout im Retailstore (z.B. Amazon Go) oder bei der Nutzung von einer Taxi-App (z.B. Uber) läuft friktionslos und unsichtbar im Hintergrund: No-Click statt One-Click. Weitere Use-Cases werden folgen und ein neues Ökosystem formen, in dem Payments nur noch ein meist unsichtbarer Teil einer viel grösseren Wertschöpfungskette sein werden werden.