In meinem letzten Blogartikel habe ich das Potenzial von Non-Bankable Assets (NBAs) am Beispiel von Immobilien veranschaulicht. Im folgenden Blogartikel möchte ich mich einer weiteren NBA-Kategorie widmen – den Luxusgütern -, um zu zeigen, dass Banken durch Digital Assets un DLT einen Mehrwert für Investoren generieren können.

NBAs sind Vermögenswerte, welche sich schwer kurzfristig in liquide Mittel umwandeln lassen, weswegen sie von der Bankenwelt bislang wenig Beachtung erhielten. Bei den Luxusgütern spricht man u.a. von Vermögenswerten wie Luxusfahrzeuge, Oldtimer oder auch von Kunstgegenständen, Jachten, Juwelen oder Schmuck. Diese Vermögenswerte waren traditionell eher den sehr Vermögenden vorenthalten. Mithilfe der Distributed Ledger Technologie (DLT) können diese Vermögenswerte digitalisiert und die Rechte auf ihren Besitz und ihre Wertsteigerung somit beliebig klein gestückelt werden. Gleichzeitig wird so auch der Handel dieser Werte erleichtert.

Tokenisierte Luxusgüter

Bewegungen im Markt zeigen klar auf, dass auch bei den Anlegern ein erhöhtes Interesse an solchen neuen Finanzvehikeln besteht. Bedingt durch das länger anhaltende Negativzinsumfeld suchen Investoren vermehrt nach alternativen Instrumenten, welche attraktivere Renditen im Gegensatz zu traditionellen Anlagen versprechen. Gerade im Bereich der Vermögensverwaltung erlaubt eine Erfassung von NBAs ein holistisches Bild über das Gesamtvermögen eines Kunden. Dies kann Anlageberatern dabei helfen, ein besseres Verständnis für die Interessen der Kunden zu erlangen und daraus adäquate Kundenbedürfnisse abzuleiten. Anlageentscheidungen könnten damit stets aus einer Betrachtung des Gesamtvermögens erfolgen, was optimierte Beratungsdienstleistungen und Diversifikation nach sich ziehen würde.

Investitionsentscheidungen für NBAs können auch über gewöhnlichen Risk-Return-Überlegungen hinausgehen: Sie erlauben es den Anlegern, Investitionsentscheidungen aufgrund bestehender Interessen und Leidenschaften vorzunehmen (man spricht dabei von «Passion Investments»). Ein Investor, der eine grosse Leidenschaft für Kunst zeigt, findet verschiedene Plattformen, welche ihm den Zugang und die Suche nach passenden Angeboten erleichtern (dazu später mehr). Die Tokenisierung erlaubt zudem höhere Flexibilität beim Handeln dieser Instrumente und im Gegensatz zu heutigen Auktionshäusern sind die Kosten dabei um ein Vielfaches geringer.

Die gewählte Token-Art eröffnet wiederum verschiedene Nutzungsmöglichkeiten. Bei einem non fungible token (NFT) handelt es sich zum Beispiel um eine einmalige und nicht replizierbare digitale Einheit auf der Blockchain. Dies bedeutet, dass der Besitz eines solchen NFT als Eigentumsnachweis, auch für physische Gegenstände, verwendet werden könnte. Diese Technologie gibt es schon länger,  bereits 2017 wurden digitale Charaktere erschaffen (CryptoPunks und CryptoKitties), welche dann vor allem im Sekundärmarkt hohe Wellen schlugen. Dieser Trend hat sich in den vergangenen Jahren fortgesetzt. Gerade der Krypto-Kunstmarkt rund um NFT erlebt eine Blütezeit: So wurde im März 2021 das Bild «Everydays: The First 5,000 Days» vom Künstler Beeple für ca. 69 Millionen US-Dollar verkauft. In unserer digitalen Tagesordnung werden digitale Kunstobjekte eine höhere Bedeutung bekommen; vielleicht wird sogar ein neuer Markt etabliert. NFTs bieten einiges an Funktionalität, die verwendet werden kann, um Urheberrechte zu schützen sowie interessante Dealshapes beim Weiterverkauf der Tokens aufzusetzen. Auf der einen Seite also Reponsible Investing, auf der anderen Seite Wertgenerierung für die NBA-Besitzer-Kunden oder mögliche Investoren.

In der Gesellschaft werden Forderungen nach einer Demokratisierung der Finanzwelt lauter. Anlageklassen, welche sich bisher auf eine kleinere, privilegierte Gruppe beschränkten, sollen nun auch der breiten Masse zugänglich gemacht werden. Die Tokenisierung von NBAs erlaubt dabei das anteilige Investieren in diese Vermögenswerte.  Damit erhalten auch Retail-Investoren Zugang zu solchen high-end Investitionskategorien. In anderen Worten: Das Halten und Partizipieren an Wertsteigerungen von NBAs muss nicht mehr zwingend an den physischen Besitz gebunden sein, was eine Flexibilisierung des Investitionshorizonts in solche Assets bringt.

NBA Ökosystem

Um das Potenzial von NBAs vollumfänglich auszuschöpfen, ist die Involvierung verschiedener Anspruchsgruppen und Dienstleistern notwendig – ein «NBA Ökosystem». Wie bereits im vergangenen Blogartikel erwähnt, müssen NBAs zunächst in einem internen Buchungssystem oder auf einer DLT erfasst werden. Verschiedene aktuelle Beispiele arbeiten bereits mit DLT-basierten Lösungen. Im Bereich der Luxusgüter bietet beispielsweise Maecenas eine Blockchain-basierte Plattform zum Handeln von Anteilen an Kunstobjekten. CurioInvest hingegen bietet eine Plattform, auf welcher Tokens von «investment-grade» Luxusfahrzeugen und Oldtimern erworben und veräussert werden können, wobei die Besitzer von einer (allfälligen) Wertsteigerung der Luxusfahrzeuge profitieren können.

Die adäquate Erfassung dieser Vermögenswerte in einem Buchungssystem verlangt eine initiale Bewertung. Gerade die Bewertung von Einzelstücken kann Tücken aufweisen, weswegen bei der Bewertung von NBAs oftmals der Einbezug externer spezialisierter Dienstleister stattfindet. Maecenas beispielsweise kooperiert mit Kunstexperten, welche den Wert der Kunstgegenstände in Abhängigkeit verschiedener Kriterien festlegen. Darauf folgt eine Abstimmung mit der eigenen internen Schätzung. CuroInvest wiederum kooperiert mit Chainlink, um Benchmark-Preise für die tokenisierten Luxusfahrzeug zu erhalten.

Ein Ökosystem um das Thema NBAs aufzubauen, kann ein vielversprechendes Geschäftsmodell für Banken sein, die Dienstleistungen an vermögende Kunden anbieten. Wie Banken so ein Geschäftsmodell aufsetzen können, wie Sie ein Ökosystem etablieren können und wie dabei die verschiedenen Akteure miteinander agieren könnten, werde ich in meinem nächsten Blog Eintrag genauer beleuchten. Sollten Sie in der Zwischenzeit Fragen haben oder mehr über einzelne Themen wissen wollen, zögern Sie nicht, mich oder meine TeamkollegInnen zu kontaktieren.