Accenture Banking Blog

Wenn Banken Verfehlungen begehen, gehen wir mit ihnen hart ins Gericht. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich möchte die Fehltritte einzelner Finanzhäuser oder Manager keinesfalls entschuldigen. Doch unsere Banken stehen ohnehin unter massivem Druck und mir fehlt im gesellschaftlichen Diskurs einfach manchmal die notwendige Sachlichkeit. Und ich wundere mich schon ab und an darüber, dass man sich nach wie vor tendenziell eher über unsere Bankhäuser als über einige Automobilhersteller aufregt.

Banken werden schnell zur Zielscheibe des allgemeinen Unmuts

Unsere Finanzinstitute unterliegen immer schärferen Regularien, Eigenkapitalvorschriften und Compliance-Vorgaben. Dazu kommen noch historisch niedrige Zinsen. Dennoch sollen sie wie jedes andere Unternehmen satte Gewinne erwirtschaften und sich ganz nebenbei den Herausforderungen der Digitalisierung stellen, interne Strukturen modernisieren, ihre Belegschaft neu formen und sich zu großen Teilen digital neu erfinden. Und alles am besten schon gestern – keine leichte Aufgabe für eine Branche mit historisch gewachsenen Strukturen, welcher der Schaden der Finanz- und Bankenkrise bis heute nachhängt und die es bis heute nicht geschafft hat trotz echter Kehrtwendungen ihr Image wieder positiver zu gestalten.

Banken sind für die Exportnation Deutschland wichtig

Ich finde, Medien, Politik und Gesellschaft urteilen manchmal zu voreilig und vergessen neben einer ganzheitlichen Betrachtung des Gesamtbildes gerne wichtige Details: Natürlich verändert sich die Rolle unserer Banken, denn sie müssen gerade im Zahlungsverkehr einen großen Teil des Kuchens an FinTech, GAFA und Co. abgeben. Doch mit Blick auf die fortschreitende Globalisierung, spielen sie schon allein aufgrund ihrer internationalen Erfahrung für uns als Exportnation heute und auch künftig eine unverzichtbare Rolle. Für mich sind sie daher im positiven Sinne systemrelevant, auch wenn dies beispielsweise eine Leserin meines vergangenen Blogbeitrags in Frage stellte. Aber Volkswirtschaft ist auch immer Psychologie. Unsere Banken haben ihre hauseigenen Herausforderungen und wissen sehr genau, dass zum Beispiel KMUs – wie im Fall der oben erwähnten Leserin – auf alternative Angebote zurückgreifen. Der Markt formiert sich neu. Und das ist auch gar nicht schlimm, bedeutet es doch, dass sich alle Player um ihre Geschäftspartner und um uns Kunden stärker bemühen. Wie hilfreich ist es also für alle Beteiligten, wenn große Boulevard-Blätter den Banken weiterhin den Schwarzen Peter zuschieben? Und dies obwohl die Bankenlandschaft mittlerweile der am stärksten beobachtete und regulierte Markt ist! Den Schiedsrichtern auf dem Spielfeld der Meinungsmacher müsste klar sein: Das ist kein Fairplay.

Starke Banken für eine starke Volkswirtschaft

Ich bleibe dabei, eine starke Volkswirtschaft – so wie wir sie heute kennen und vielleicht auch in Zukunft haben wollen – braucht starke und integre Banken. Denn sie ebnen unserem Mittelstand den Weg in die Welt und ermöglichen internationalen Wettbewerb. Es ist fraglich, ob ausländische Banken langfristig die Interessen unserer mittelständischen Unternehmen, die oft „hidden champions“ sind, ebenso unterstützen werden wie unsere eigenen Banken.  Außerdem ermöglichen sie Investitionsgeschäfte, an denen FinTech & Co. vielleicht gar kein Interesse haben, schon allein, weil ihnen die finanziellen Mittel fehlen. Bei den Big Deals dieser Welt steht nicht nur Technologie, sondern eben auch Finanzkraft, im Vordergrund. Und damit sich das auch psychologisch widerspiegelt, müssen wir wieder damit beginnen, die Bedeutung und den Wert der Banken für unsere Volkswirtschaft hervorheben und erklären, welche zentrale Rolle unsere Banken für die deutsche Wirtschaft spielen oder welche Folgen es hätte, wenn unsere traditionellen Finanzhäuser endgültig von der Bildfläche verschwinden.

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