Accenture Banking Blog

Was hat es eigentlich mit PSD2 genau auf sich? Diese Frage ist mir im vergangenen Jahr häufiger gestellt worden. Meine Antwort ist im Grunde einfach: Aus Sicht der Verbraucher wird das Banking bequemer, sicherer und auch günstiger – denn es entfallen beispielsweise Gebühren, die bisher bei einigen bargeldlosen Zahlungsmethoden im Internet, aber auch offline, fällig wurden. Und unsere Banken? Sie müssen sich seit dem 13. Januar gegenüber Drittanbietern öffnen. Im Detail sollte man sich jedoch einige Punkte genauer ansehen. Meine Zusammenfassung in fünf Punkten:

1. Der Wettbewerb wird beflügelt! FinTechs, Banken und Tech-Giganten werden sich hoffentlich gegenseitig überbieten, aus langweiligen Kontoauszügen und einfachen Zahlungsmitteln echten Mehrwert zu entwickeln. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, da z.B. der Einsatz von Zahlungsauslöse-Diensten vieles erlaubt: der Kiosk um die Ecke könnte zum Bankautomat werden, oder Zahlungen können über Siri, Alex oder Echo ausgelöst werden basierend auf einer biometrischen Stimmerkennung und eines Passworts. Ein anderes Beispiel sind eine Vielzahl von Optimierungsservices basierend auf dem Kontoauszug, von der Optimierung der Zinsbelastung über die Analyse des Kaufverhaltens bis ihn zur Analyse von Abos für Strom oder Heizung oder auch nur Zeitschriften.

Die Kehrseite der Medaille: Bankdaten und Informationen zum Zahlungsverhalten sind ein wertvolles Gut. Vielfältige Wettbewerber werden innovative Angebote entwickeln, die Kunden zum Hinterlegen ihrer sensiblen Bank- und Zugangsdaten bewegen sollen. Für Kunden, aber auch für Banken wird es schwieriger, seriöse Drittanbieter zu erkennen und betrügerische Handlungen rechtzeitig zu identifizieren. Das bedeutet Inhaber eines Bankkontos müssen weiterhin höchst kritisch bleiben, wem sie dazu Zugang zum Konto gewähren!

2. PSD2 ist für deutsche Banken nichts Neues: FinTS und sein Vorläufer gibt es hierzulande schon seit rund 20 Jahren. Deshalb sind deutsche Banken in Sachen Schnittstellen innerhalb Europas am Weitesten entwickelt. PSD2 zwingt nun aber alle Institute in Europa in die Zukunft zu investieren, und die Zukunft heisst Open Banking. Diesen Wissensvorsprung und ihre Erfahrung mit Regularien, die sensible Kundendaten betreffen, müssen deutsche Bankhäuser jetzt ausspielen!

3. Banken werden zu Drittanbietern. Keiner hat mehr Erfahrung mit seinen Kunden und den strengen regulatorischen Anforderungen als die Bankhäuser selbst! Da ist es nur logisch, dass die Banken sich nun verstärkt um optimierte Serviceprodukte bemühen und an neuen Technologien arbeiten, wenn ihnen innovative FinTechs oder GAFA nicht mit kreativen, nutzerorientieren Services Kunden abspenstig machen sollen. Dazu aber braucht es eine digitale Innovationskultur in den Banken ähnlich wie bei einem Startup ohne Kompromisse

4. Sicherheitstechnik wird besser! Ein netter Nebeneffekt der allgemeinen Bemühungen um das beste Kundenerlebnis beim Einkauf ist eine erhöhte Sicherheit. Hier arbeiten alle Beteiligten mit Hochdruck an neuen Lösungen, neue Authentifizierungsmethoden entstehen wie z.B. Gesichtserkennung, Fingerabdruck oder sogar Stimmenabgleich. Bequem und gleichzeitig sehr sicher.

5. Zusätzlich zu PSD2: Die Instant-Payments sind schon da! Und in der Kombination von PSD2 und Instant Payments können gerade im Online-Handel bessere Angebote entstehen, die gleichzeitig günstiger für die Konsumenten sind und weniger Risiko für die Händler bedeuten. Jede innovative Lösung für Zahlungsauslösedienste wird sicherlich die Möglichkeiten von Instant Payments berücksichtigen müssen.

Mit PSD2 und Instant Payments gibt es Veränderungen, die nicht nur den Finanzsektor zu neuen Innovationsschüben verhelfen wird, sondern deren Auswirkungen auch der Bankkunde ganz plastisch im Alltag spüren wird. Spannende Zeiten also für uns und die Bankenwelt.

2 responses:

  1. sehr geehrter Hr. SONTHEIMER!
    Erstmal herzliche Grüße aus Österreich. Meine Frage an Sie … ob es denn bereits eine Institution bzw. Betreiber für PSD2 bereits in Österreich selbst gibt.
    Und wann … wer und wo! Ich wäre Ihnen sehr verbunden wenn Sie mir dbzgl. Info senden würden.
    Herzlichen Dank

    1. Hallo Herr Glatz, herzliche Grüße zurück – ebenfalls aus Österreich. Unseres Wissens nach hat bisher noch keine österreichische Bank ihre APIs online verfügbar. ERSTE Group hat das Portal online, die APIs sind aber nur für die Tschechische Tochter aufrufbar. Die ERSTE AT steht dort aktuell noch auf „coming soon“: https://www.ersteapihub.com/our-api
      Besten Gruß,
      Markus Böhme, Managing Director, Financials Services, Austria

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