Millionen Kunden schenken neuen Fintech-Angeboten ihr Vertrauen. In einigen Märkten wie dem UK-Markt haben die neuen Wettbewerber bereits zweistellige Prozentanteile der Branchenumsätze erobert. Doch ist das schon die beschworene Banken-Disruption?

Sicher, die Erfolgsgeschichten der neuen Angreifer sind beeindruckend. Auch ich bin immer wieder fasziniert von Entwicklungen wie z.B.:

Doch so sehr diese Beispiele auch schillern mögen und eine neue Finanzwelt heraufbeschwören, so wenig entsprechen sie den tatsächlichen Marktanteilsentwicklungen und -prognosen im „Overbanked Germany“. Selbst im Spitzensegment der Konsumentenkredite dürften 2020 lediglich 5,5 Prozent erreicht werden, bei Girokonten gerade 0,5 Prozent. Zudem stellt sich dann noch die große Frage nach dem Cashburn.

Wer verdient Geld?

Die Berliner Smartphone-Bank N26 erwirtschaftet zwar mit jedem ihrer Kunden (vor allem über den Zahlungsverkehr und die Kontoführung) wohl Erträge von bis zu 25 Euro pro Jahr und hält den Cashburn begrenzt, von den Umsätzen und Marktanteilen sowie dem Angebotsspektrum einer traditionellen Retailbank ist sie aber trotz dynamischer Entwicklung noch entfernt. Mal ganz zu schweigen von den doch erheblichen Problemen, die sich hier im Kundenservice und im Datenschutz höchst öffentlichkeitswirksam aufgetan haben –

und die hinsichtlich einer Massenkunden-Kompatibilität des Angebots doch Zweifel aufkommen lassen.

Aber kommen wir zurück zu den grau-roten Zahlen: Der Robo Advisor Scalable Capital hat zwar die Milliardenmarke der Assets under Management durchbrochen und die Kundenanzahl massiv ausgebaut, verbrennt aber ebenfalls noch Kapital (4,8 Millionen Euro im Jahr 2017). Gleichzeitig ist andernorts in der Fintech-Arena der Konsolidierungsdruck spürbar. So sind Figo und Finreach zur B2B-Banking-Plattform verschmolzen und beim Banking-as-a-Service-Provider Fidor war man nach Krise und Rekapitalisierung auf der Suche nach einem Käufer, inzwischen hat die französische Eigentümerin BPCE den Wert der Tochter um 148 Millionen Euro abgeschrieben.

Eines scheint klar: Der Big Bang der Banken-Disruption und die Neudefinition von Finanzdienstleistung werden nicht durch die nächste neu App oder das nächste solitäre Angebot ausgelöst. Nach der Zerlegung des Bankings in seine mehr oder weniger profitablen Bausteine muss nun das Neudenken von Finanzdienstleistungen in ihrer Gesamtheit folgen.

Ich denke, die eigentliche Disruption wird hier von schlagkräftigen Plattform-Playern kommen. In China ist beispielsweise WeChat einschließlich des Payment-Angebots auf der Überholspur, weil Tencent in der App schlichtweg alle Facetten des Nutzeralltags begleitet. Ein Wechsel in eine andere App? Unnötig! Auch Apple würde ich übrigens durchaus der Plattformwelt zuordnen. Die Kalifornier bauen ihr Payment-Angebot mit der eigenen (physischen und virtuellen) Kreditkarte in den USA aus und konkurrieren mit einem Portfolio an perfekt designten und integrierten Services (Zahlungen, Cashback, Kreditfunktion) künftig stärker mit dem Bankensektor. Ich bin gespannt, wie sich die Apple-Welt hier in ihrer Gesamtheit weiterentwickelt.

Mobility – nur eine weitere Phase

Denn Mobility wird auch nur eine Zwischenstation von der stationären Bank der Vergangenheit zur unsichtbaren Bank mit Services rund um unser aller Leben sein. Wir brauchen also nicht die einhundertste App fürs iPhone, um irgendeine Spezialanwendung besser durchführen zu können, sondern Banken oder Anbieter von Finanzdienstleistungen, die sich für den Kunden unsichtbar in dessen Alltag integrieren und sein Leben mit ihren Servicebausteinen angenehmer machen.

Die Zukunft des Bankings gehört den Plattformen. Genau hier liegt die Aufgabe für klassische Banken ebenso wie für deren Herausforderer.