Accenture Banken Blog

Banken werden in der Transformation hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft eine wesentliche Rolle spielen. Dabei geht es nicht um Idealismus, sondern um eine unserer größten Herausforderungen. Wie die Versprechen nun verwirklicht werden, hat unsere spannende Diskussionsrunde beim 22. Deutschen Bankentag gezeigt.

Kaum ein Thema passt so gut zum Aufbruch-Motto des 22. Deutschen Bankentags wie das der Nachhaltigkeit – denn in dem Thema gilt es, keine Zeit zu verlieren. Gemeinsam mit Stefanie Pietsch, Segmentverantwortliche „Nachhaltigkeit“ – Privat- und Unternehmerkunden bei der Commerzbank AG, und Dr. Andreas Wagner,  Sustainable Finance Lead Commercial Banking Western Europe bei der UniCredit, habe ich nach einer kurzen Statusaufnahme einen Blick auf die Kundennachfrage, das Produktspektrum, die aktuellen Handlungsfelder in den Banken sowie die Governance und den Teamaufbau geworfen.

Die Nachhaltigkeitsagenda ist über die Jahre gewachsen

Im Banking hat die Nachhaltigkeit zwei Ebenen: einerseits für die Banken selbst als Unternehmen, andererseits für ihre Kunden. Bei der Commerzbank ist sie Teil der Unternehmensstrategie. Seit 2015 ist die Bank klimaneutral und strebt nun sogar „net-zero“ an – und ist damit als eine von zehn Banken im Corporate Knights Ranking nachhaltig wirtschaftender Unternehmen gelistet. Auf der Kundenseite unterstützt die Commerzbank ihre Kunden nachhaltige Geschäftsmodelle zu bauen und sich nachhaltig auszurichten, um gemeinsam mit ihren Kunden das Thema anzugehen und die Zukunft zu gestalten. Bei der UniCredit, die wie die Commerzbank die Klimaschutz-Selbstverpflichtung des deutschen Finanzsektors unterzeichnet und sich ebenfalls ehrgeizige ESG-Ziele wie etwa den vollständigen Ausstieg aus der Kohlefinanzierung bis 2028 gesetzt hat, gibt es eine Sustainable Finance Taskforce, die das Thema europaweit treibt und gestaltet, verankert und geleitet von einer eigenen Konzern-Vorständin, die das Thema auf allerhöchster Ebene vertritt.

Unternehmen beim Aufbau nachhaltiger Geschäftsmodelle zur Seite zu stehen, das scheint immer mehr zur gelebten Bankenrealität zu werden. Andreas Wagner von UniCredit vernimmt eine Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen inzwischen nicht mehr nur bei den Großkunden, sondern auch bei den Mittelständlern. Das stellt durchaus vor Herausforderungen, schließlich haben nur wenige Kunden einen Überblick über die notwendigen Kennzahlen wie ihre eigene Energiebilanz. Auch deshalb hat die UniCredit mit einem eigenen Sustainable Finance Advisory Team und einem speziellen Nachhaltigkeits-Tool reagiert. Und ja, es gibt auch Skepsis gegenüber dem Thema bei den Kunden, insbesondere bezüglich der Reporting-Anforderungen und einer gewissen Sorge, von der Kreditversorgung abgeschnitten zu werden.

Die Verwirklichung der Versprechen wird sich durch alle Bereiche der Bank ziehen

Von der Stabsstelle im Marketing über einzelne Produkte und erste Reports entwickelt sich die Nachhaltigkeit nun zu einem Thema, das sich in jedem Produkt der Bank, in jedem Prozess, in der Governance, in den Daten und Technologien aber auch in den Unternehmensfunktionen wie HR und Lieferantenmanagement eine Rolle spielt. Die Arbeit an der eigenen „Greeness“ ist wichtig für die Glaubwürdigkeit der Banken. Ergänzt wird sie bei der UniCredit unter anderem mit dem Ziel, bis 2023 papierlos zu sein – Digitalisierung und Nachhaltigkeit gehen hier Hand in Hand. Zudem wird ein Datenhaushalt aufgebaut zur Kategorisierung der Assets, denn ohne zu wissen, was man hat, kann man sich keine Ziele setzen.

Die steigende Kundennachfrage und der Beitrag zur Transformation sollen für die Commerzbank dabei klar im Vordergrund stehen, nicht die Regulatorik. Wichtig ist es, die Mitarbeiter auf diesem Weg mitzunehmen. Denn ohne die Überzeugung und Qualifikation an der Kundenschnittstelle werden wir den Wandel zu einer nachhaltigen Wirtschaft nicht gestalten können. In den Banken sind daher dedizierte Schulungsprogramme aufgesetzt, teils in Kooperation mit Hochschulen. Denn wenn man den heutigen Anteil an grünen Investments mit dem Kundeninteresse vergleicht, ergibt sich ein großer Aufklärungsbedarf. Der Anspruch der Commerzbank ist es, für den Kunden im durchaus komplexen Dschungel der Nachhaltigkeit Transparenz zu schaffen.

Banken gehen aus gutem Grund voran

Doch muss nicht irgendwann jedes Bankprodukt nachhaltig sein? Andreas Wagner von UniCredit ist skeptisch und mahnt zur Vorsicht beim Label „Nachhaltigkeit“. Entscheidend sei der Impact, eine Win-Win-Situation für Wirtschaft und ESG-Nachhaltigkeitsaspekte, weniger die Verpackung. Einen Zielkonflikt zwischen Nachhaltigkeitsanforderungen und Wachstumszielen sehen meine beiden Gesprächspartner jedenfalls nicht. Nach Ansicht von Stefanie Pietsch ist jedoch zunächst die Messbarkeit von entscheidender Bedeutung. Anders lassen sich ambitionierte Wachstums- und Nachhaltigkeitsziele schlicht nicht definieren und erreichen.

Ganz abgesehen von der regulatorischen Compliance und den Anforderungen der Bankenorganisation, die Andreas Wagner ins Spiel brachte: Ohne Zahlen, kein regulatorisches Reporting, keine nachhaltige Gesamtbanksteuerung und kein Einzahlen auf Klimaziele.