Wenn Kunden Kontakt mit Amazon aufnehmen wollen, dann übernimmt diese Aufgabe zunehmend Echo. Sie wissen schon, der kleine Zylinder im Wohnzimmer, mit dem unsere Kinder besser umgehen können als wir selbst. Intelligente Technologien finden wir immer häufiger im eigenen Wohnzimmer. Wenn Echo, Siri und Co. mit uns interagieren, soll damit unser Alltag erleichtert und das Kundenerlebnis von Verbrauchern in den Mittelpunkt gestellt werden. Ich habe mich gefragt, warum soll eine KI nicht auch Mitarbeitern ein verbessertes Erlebnis bieten können?

Die erlernte „Hyper-Relevance“ auf Belegschaft übertragen

Eine wichtige Frage, denn wir übersehen oft, dass sich auf Seiten der Belegschaft in Sachen KI schon einiges tut – und weiter tun muss! Bis 2035 soll ein Großteil der Automatisierungspotenziale von Jobs realisiert werden. Die Art des Arbeitens wird sich also fundamental ändern. Aber: Wie, wann genau, was und in welcher Reihenfolge der Umbau der Belegschaft für die Digitalisierung angegangen werden soll, fühlt sich für viele Unternehmen noch an wie ein unlösbares Sudoku.

Digitale Skills sind der Schlüssel

Das wichtigste zuerst: Es müssen schnellstmöglich relevante, digitale Skills aufgebaut werden – bei allen Mitarbeitern, fortlaufend und stets fokussiert auf die Entwicklung einer schlagkräftigen, zukunftsfähigen Belegschaft, der Future Workforce. Doch diese nötigen Skills zu erkennen, als relevant zu identifizieren und innerhalb der Belegschaft zu fördern, ist die große Herausforderung. Meiner Meinung nach ist es für diesen Auswahlprozess hilfreich, sich auf die eigentlichen Stärken der Mitarbeiter zu besinnen. Denn nicht jeder Arbeitsprozess kann und sollte automatisiert und von virtuellen, intelligenten Technologien – den berühmten „Kollegen Roboter“ – auch übernommen werden.  Sicherlich sind Maschinen in vielen Bereichen unschlagbar, aber der Mensch wird auch auf lange Sicht in vielen Bereichen unersetzlich bleiben. Denn wer zieht aus den Resultaten der künstlichen Kollegen die richtigen Schlüsse? Wer interpretiert letztlich die Ergebnisse und stellt die Informationen der intelligenten Technologien in kreativer Weise neu zusammen?  Für Unternehmen ist es daher empfehlenswert, folgenden Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter besondere Aufmerksamkeit zu widmen – sie könnten den entscheidenden Unterschied machen und erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit massiv, wenn sie richtig gefördert werden.

Der unschlagbare Faktor „Mensch“ muss gefördert werden

  • Nach wie vor können Mitarbeiter aus Fleisch und Blut besser als jede Maschine zum Beispiel Entscheidungen fällen, kreativ denken, neue Arbeitswege ausprobieren, mit anderen Menschen interagieren und improvisieren. Wer diese Skills jetzt zu neuen Rollen in der digitalen Welt konvertieren kann, steigert neben dem Wert des Unternehmens auch seinen eigenen.
  • Gerade in Deutschland gibt es gegenüber neuen Technologien oft Vorbehalte. Daher kommt Mitarbeitern, die KI und seine Möglichkeiten verstanden haben, eine wichtige „Botschafter-Funktion“ zuteil. Sie müssen in der Lage sein, Kollegen die erforderliche Sicherheit und Kompetenz im Umgang mit künstlicher Intelligenz zu vermitteln und können Bedenken auf Kundenseite oder von Geschäftspartnern entgegenwirken. Ein Vertrauen gegenüber intelligenten Technologien muss aufgebaut und immer wieder neu erarbeitet werden: jemand muss unsere digitalen Kollegen aufmerksam begleiten, bei Problemen vorausschauend eingreifen oder die notwendige Entscheidung fällen, wenn der Algorithmus nicht weiter weiß oder gar einen Fehler macht.
  • Hoch im Kurs stehen auch Mitarbeiter, die Ergebnisse automatisierter Prozesse richtig interpretieren können. Dieses Verständnis in Zusammenhang mit der richtigen Auslegung der Ergebnisse ist ein Schlüsselelement der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine.

Die gesamte Finanzbranche setzt sich zurzeit massiv mit dem Thema Future Workforce und einer sinnvollen Kooperation von menschlichen Mitarbeitern und künstlichen Kollegen auseinander. Diese Erkenntnis für die Bedeutung des Themas ist ein guter Anfang, doch die Bereitschaft für KI muss auch in allen Unternehmensbereichen vorhanden sein. Daher empfehle ich, dass wir alles in Frage stellen  – auch die eigenen Fähigkeiten. Die Zukunft wird zeigen, welchen Instituten und Managern dieses Hinterfragen der eigenen Relevanz gelingt. Ein Nebeneffekt von KI, der der Branche sicherlich gut tun wird. Es bleibt spannend.

Wir haben in unserer Studie Neue Schlagkraft für Banken herausgefunden, dass eine riesige Lücke zwischen der Erkenntnis über die Wichtigkeit von KI und den real zur Verfügung stehenden Budgets für KI Re-Skilling in der Finanzbranche klafft. Bis diese geschlossen wird empfehle ich, sich den digitalen Kollegen doch selbst zu suchen und dessen Arbeit vorzugeben oder neu zu erfinden. Relevanzproblem gelöst!