Accenture Banken Blog

Wer mich kennt weiß, dass ich ein großer Fan von allem bin, was mit Künstlicher Intelligenz (KI) in Verbindung steht. KI-Anwendungen begegnen uns tagtäglich in unserem privaten und beruflichen Umfeld. Sie stecken in Sprachassistenten, in Fahrassistenzsystemen oder leisten in Krankenhäusern wertvolle Unterstützung beim Erstellen von Diagnosen. KI steuert unsere Smart-Home-Anwendungen, sie gibt uns gezielt Film- und Musiktipps, die unseren Geschmack treffen und sie bestimmt die Werbung, die wir sehen. Und das sind nur einige wenige Beispiele von dem, was KI tatsächlich leisten kann. Nach anfänglicher Skepsis gegenüber der neuen Technologie haben wir uns inzwischen an ihre unsichtbaren Dienste gewöhnt und erwarten von ihr stets Spitzenleistungen – vor allem, wenn es um unser Geld und Wohlbefinden geht.

Und damit sind wir auch schon bei unseren Vorlieben als Verbraucher:innen. Wir wissen: Mit KI-Anwendungen lassen sich außergewöhnliche Erlebnisse und Erfahrungen kreieren und genau das erwarten wir auch in Branchen, die traditionell und teils aus verständlichen Gründen (die Regulatorik winkt von Weitem) eher zurückhaltend beim Einsatz von neuen Technologien sind.

Unsere Banken zum Beispiel. Lange Zeit haben sie sich schwergetan, neue Technologien wie KI oder Cloud in ihren Alltag zu integrieren. Inzwischen erkennen die Institute jedoch das riesige Innovationspotenzial, das hier schlummert. Und selbst in den traditionellsten Disziplinen des Bankings, der Vermögensverwaltung, hat sich dieses Wissen manifestiert. Wie aus unserer aktuellen Accenture-Studie Wealth investments and advice in Europe: Capturing the next wave of growth hervorgeht, ist die Zukunft des Wealth Managements geprägt von Branchenkonsolidierung, neuen Technologien und dem Mangel an Fachkräften. KI und ihre Vorteile werden hier zum Gamechanger der kommenden Jahre werden, ganz einfach, weil die vermögenden Kunden mit neuen Angeboten auch stärker bereit sein werden, ihr Geld anzulegen. Mit enormen Geschäftspotenzial für Vermögensverwaltungen. Aber der Reihe nach:

Die Branche sieht den Bedarf: 88 Prozent der Studienteilnehmer sind der Meinung, dass neue Technologien die Zukunft der Vermögensverwaltung erheblich beeinflussen werden. Und 92 Prozent der Befragten Wealth Manager erwarten, dass eine bessere organisatorische Agilität der Schlüssel zum zukünftigen Erfolg sein wird. Beides möglich mit neuen Technologien, beides möglich mit dem Einsatz von KI-Anwendungen.

Klarer Trend: Neue Kundenpräferenzen

Kunden haben inzwischen genaue Vorstellungen wie sie ihr Vermögen anlegen wollen. Sie wollen ihr Geld mit gutem Gewissen anlegen und bevorzugen Investments in nachhaltige Geldanlagen. Diese sich verändernden Kundenpräferenzen lassen sich vor allem mit dem Einsatz von KI-Anwendungen und Daten managen. Denn mithilfe künstlicher Intelligenz können den Kund:innen unter anderem zielgenaue Investitionsmöglichkeiten vorgeschlagen werden. Das bleibt nicht ohne Folgen für die Wealth Manager. Um den neuen Herausforderungen zu begegnen, müssen sie gleich an mehreren Baustellen arbeiten.

Auf der einen Seite steht ein Generationenwechsel bei den Anleger:innen an. Die jungen Vermögenden leben digital und erwarten exzellente Kundenerlebnisse von ihren Vermögensverwaltungen. Sie wünschen sich jede Menge Möglichkeiten ihr Portfolio persönlich zu managen, aber auch einen Sparringspartner, der – je nach Anforderung – telefonisch, persönlich oder digital zur Verfügung steht.

Ein ähnlicher Generationswechsel findet auch auf Seiten der Anlage- und Vermögensberater statt. Von den rund 700.000 in Europa tätigen Finanzberater:innen werden sich in den nächsten fünf Jahren bis zu 100.000 in den Ruhestand verabschieden. Dieser drohende Verlust an Fachwissen könnte den Übergang zu digitalen und hybriden Modellen beschleunigen und heizt den Mangel an qualifizierten Beratern zusätzlich an. Die Herausforderung ist hier also nicht nur Qualifikationslücken – wie zum Beispiel mangelnde KI- und Cloud-Fähigkeiten – der aktiven Wealth Manager zu schließen. Es müssen auch Mittel und Wege gefunden werden, um neue Talente für das Wealth Management mit all seinen technologischen Möglichkeiten zu begeistern.

Neue Kundenpräferenzen, digitales Arbeiten, neue Technologien und Automatisierung – all das setzt den Umbau der Workforce in den Vermögensverwaltungen sowie ein neues digital ausgerichtetes Skill-Set voraus – die nächste Großbaustelle im Wealth Management.

70 % der Wealth Manager sehen im Fachkräftemangel erhebliche Auswirkungen auf die Branche

Vermögensverwaltungen müssen es endlich auch schaffen, für vielversprechende Absolventen attraktiver zu werden. Ihnen muss bewusstwerden, mit wem sie hier eigentlich konkurrieren – nämlich mit den Googles, Amazons und Teslas dieser Welt – und entsprechende Strategien entwickeln. Zwar beschäftigen sie sich laut der Studie bereits damit, wie sie für die nächste Generation der Vermögensberater anziehender werden können, und einige Häuser haben auch schon entsprechende Programme aufgelegt. Allerdings sehen sich 67 Prozent der befragten Akteure in dieser Hinsicht definitiv noch im Rückstand. Ein KI-unterstütztes Arbeitsumfeld könnte ein überzeugendes Argument für den Wechsel oder den Verbleib in der Vermögensberatung sein.

Die Verschmelzung von digitalen Prozessen und menschlicher Beratung wird immer weiter voranschreiten. Immer häufiger arbeiten Wealth Manager beispielsweise mit datengesteuerten Cockpits, die Echtzeit-Erkenntnisse für gezielte und personalisierte Angebote für die Kund:innen bereitstellen. Damit erreichen wir eine neue Dimension der Vermögensverwaltung. Um den künftigen Marktanforderungen gerecht zu werden, müssen 71 Prozent der Vermögensverwaltungen die Qualifizierung ihrer Berater bis 2025 beschleunigen. Die „Wunschberater der Zukunft“ sind jung, vielseitig und in der Lage, über ein breites Spektrum neuer Anlageklassen (z.B. digitale und tokenisierte Vermögenswerte) hinweg zu beraten. Sie sind in der Lage, mit KI-Unterstützung fundierte Beratung zu ESG-Investments anzubieten und haben das Talent und die Mittel neue Kunden zu finden und zu gewinnen.

Ist der Aufbau einer Elite-Einheit an Beratern und Kundenbetreuern bzw. das Up-Skilling der bestehenden Workforce kurzfristig nicht oder nur in Teilen umsetzbar, sind eventuell Partnerschaften und Kooperationen mit Technologie- bzw. Beratungsunternehmen eine sinnvolle Alternative, um den Talentmangel zu umgehen bzw. zu überbrücken.

Noch gehören Banken und Vermögensverwaltungen nicht zur Top-Ten-Liste der beliebtesten Arbeitgeber von IT-affinen Top-Absolventen. Sie möchten am liebsten bei großen Technologie- und Plattformunternehmen arbeiten. Vor allem sollen es Unternehmen sein, deren Werte und Ziele sie teilen und die eine dynamische Kultur haben, die sie selbst beeinflussen können.

Die Anwerbung von qualifiziertem Personal bleibt für Vermögensverwaltungen eine der größten unternehmerischen Herausforderungen der Zukunft. Mit der Öffnung der Finanzhäuser für neue Technologien und neue Formen der Arbeit kann sich dies perspektivisch aber verändern. Die potenziellen Vorteile für die Vermögensverwaltungen sind auf jeden Fall enorm: Vermögende europäische Anleger:innen verfügen über ein investierbares Vermögen von mehr als 23 Billionen Euro. Rund 14 Billionen Euro davon werden in Bar vorgehalten. Wenn es den Vermögensberatern gelingt, auch nur zehn Prozent des investierbaren Barvermögens zu akquirieren, entspräche dies einem zusätzlichen verwalteten Vermögen von 1,4 Billionen Euro. Dank einer besser aufgestellten Workforce und dem Einsatz innovativer Technologien könnte dies möglich werden.