Obwohl die weltweiten Umsätze im Zahlungsverkehr wachsen – von 1.500 Mrd. US-Dollar in 2019 auf geschätzte 2.100 Mrd. US-Dollar in 2025 – verdienen Banken pro Transaktion immer weniger und müssen zunehmend um Marktanteile bangen. Dies belegt die aktuelle „Global Payments Pulse Survey 2019“ von Accenture, wonach Banken bis 2025 weltweit bis zu 280 Milliarden US-Dollar im Zahlungsverkehr verlieren könnten. Lediglich Finanzhäuser mit innovativen Geschäftsmodellen dürften vom boomenden digitalen Zahlungsverkehr profitieren – sowie Finanzhäuser, die über die notwendige Größe verfügen, um Skalen- und Netzwerkeffekte zu nutzen.

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In den vergangenen drei Jahren mussten Banken erhebliche Gewinneinbußen hinnehmen.

  • So schrumpften die globalen Umsätze pro Transaktion im Consumer Segment um rund 14 Prozent bei Kreditkarten- und um 11 Prozent bei Debitkartenzahlungen.
  • Im Firmenkundenbereich sind die Kreditkartenerträge pro Transaktion um mehr als 30 Prozent zurückgegangen. Damit bringen ehemals verlässliche Gewinnbringer immer weniger Marge und setzen Banken unter Druck.

Verantwortlich für diese Umsatzrückgänge sind vor allem Technologie-Unternehmen und Fintechs, die sich auf attraktive Teile der Wertschöpfungskette und die Kundenschnittstelle stürzen.

Banken könnten zu Infrastruktur-Anbietern degradiert werden

Ein zusätzliches Problem: Banken müssen weiterhin für das aufwendige Prozessieren der Zahlungen im Hintergrund sorgen – gebührenfrei und ohne sichtbaren Mehrwert für den Kunden. Diese Prozesskette unterliegt hohen regulatorischen Anforderungen und erfordert eine laufende Anpassung an neue Standards und Technologien. Ich frage mich deshalb, warum Banken hier nicht Prozesse auslagern oder selbst als Utility-Provider auftreten, um Skaleneffekte zu nutzen. Das würde Kosten sparen und Investitionen in digitalen Bereichen näher am Endkunden ermöglichen.

Von Bankenvertretern rund um die Welt erhalte ich hier breite Zustimmung. Jedoch haben viele Institute Befürchtungen, diesen Weg zu beschreiten. Die Rede ist von „the known pain is better than the unknown pain“ – vergleichbar mit einem Patienten, der Angst vor einer (lebensrettenden) Operation hat.

Zwei Wege, in Payments zu gewinnen: Volumen und Differenzierung

Hohes Transaktionsvolumen ist eine Möglichkeit, im mittlerweile übersättigten Payments-Markt profitabel zu bleiben – einerseits durch Nutzung von Skaleneffekten, um Kosten schneller zu senken, als Umsätze pro Transaktion nach unten gehen – andererseits durch eine breite technologische Basis, um z.B. künstliche Intelligenz umfassend zu nutzen. Nicht zuletzt sind Netzwerkeffekte wichtig, die für die meisten Marktteilnehmer nur durch Interoperabilität erreicht werden können.

Eine weitere Option sind differenzierende Services, die Endkunden einen Mehrwert bieten. Im Geschäftskundenbereich besteht hier ein enormes Potenzial. Firmenkunden haben großes Interesse daran, die End-to-End-Kette in der Payments-Verarbeitung zu optimieren, z.B. um eingehende Zahlungen ohne manuellen Aufwand zuordnen zu können oder ihr Cash-Management und Cashflow-Forecasting zu verbessern. Banken können diese Services ihren Kunden zusätzlich anbieten – oder spezialisierte Einzellösungen, die es bereits am Markt gibt, über Open Banking einbinden.

Im Retailbereich müssen Banken im Kampf um die Zahlungsauslösung viel entschiedener digitale Angebote schaffen. Sie verfügen über Zahlungs- und Kundendaten, die in Mehrwert für den Kunden, z.B. bessere User Experience, umgewandelt werden können. So ist es z.B. nicht mehr zeitgemäß, dass Kunden im Online Banking oder der App Eingaben tätigen müssen, welche die Bank bereits wissen oder antizipieren könnte.

Die Relevanz von Zahlungsdaten zeigte sich auch auf der diesjährigen SIBOS in London. Dort war allerorts vom neuen Branchenstandard ISO20022 zu hören, einem Nachrichtenformat, das die strukturierte Übertragung zusätzlicher Zahlungsinformationen ermöglicht und sich sukzessive als Branchenstandard manifestiert.

Um künftig im Zahlungsverkehr relevant zu bleiben, sollten Banken analysieren, wo ihre Stärken liegen und strategisch entscheiden, auf welche Teile der Wertschöpfungskette sie sich fokussieren. Denn nur die wenigsten Banken werden zukünftig die komplette Kette bei sich selbst abbilden können. In jedem Fall müssen die Banken technologisch aufrüsten. Denn nur wenn sie die digitalen Weichen für eine erfolgreiche Zukunft stellen, bereit sind, zum offenen Ökosystem zu werden, global agieren und neue Services via Open Banking und APIs anbieten bzw. konsumieren, werden traditionelle Banken langfristig die Chance haben, im Wettbewerb zu bestehen.

Das wichtigste Gut, um dieses Ziel zu erreichen, ist das Kundenvertrauen in einen sicheren und zuverlässigen Zahlungsverkehr der Banken. Zeit, es zu nutzen!