Accenture Banken Blog

Es ist erst wenige Jahre her, als „die Cloud“ zum richtig heißen Eisen unter den neuen Technologien wurde. Recht schnell war auch den Finanzdienstleistern klar, dass „die Cloud“ kein kurzzeitiger Hype, sondern für sie die Zukunftstechnologie schlechthin ist. Seitdem ist auf dem Weg in die Cloud viel passiert. Für den einen mag sich sein „Cloud-Projekt“ wie eine niemals endende Odyssee mit immer neuen Irrfahrten darstellen, für den anderen ist es eine spannende Abenteuerreise mit einer absehbaren Zieleinfahrt am Horizont. Doch egal an welchem Punkt der Reise man sich befindet, unter dem Eindruck der derzeitigen COVID-19-Pandemie lohnt es sich, kurz inne zu halten und „die Cloud“ unter die nötige Lupe mit geschärftem Blick zu nehmen.

Zu Beginn der Journey to Cloud wurden immer wieder die Vorteile und Möglichkeiten der Cloud dargestellt und erklärt: Kostenreduzierung, Skalierbarkeit, Agilität, Innovation, Wettbewerbsfähigkeit. Inzwischen sind diese Nutzentreiber weitgehend verstanden und entsprechende Initiativen zur Nutzung von Cloud-Services aufgesetzt. So haben wir Ende 2018 noch anhand unseres Cloud Readiness Survey for Banking festgestellt, dass 43% der Banken weltweit noch keine Cloud-Strategie für sich entwickelt hatten oder gerade erst damit begannen, die Cloud in kleineren Projekten einzuführen. Zwei Jahre später sehen wir, dass 95% der Banken weltweit bereits Public Cloud in irgendeiner Form für ihr Unternehmen nutzen. Neue Prozessabläufe, Produktentwicklungen und Dienstleistungen laufen in weiten Teilen mit und über die Cloud. So sehen wir auch bei unseren Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz inzwischen viele Cloud-native Entwicklungen und Innovationen bei Geschäftsmodellen und Dienstleistungen, die auf der Cloud im Zusammenspiel mit anderen neuen Technologien wie AI und Blockchain basieren. Eine neuere Accenture-Umfrage aus diesem Sommer zeigt weiter, dass im Schnitt 58% der Workloads einer Bank bereits in der Cloud liegen, jedoch mehrheitlich îmmer noch einer Private Cloud, die wenn überhaupt nur eingeschränkten Zugriff auf die Werthebel Skalierbarkeit, Agilität und Innovation erlaubt. Vermehrt macht sich Enttäuschung über die existierenden Cloud-Migrationsprojekte in den Unternehmen breit: Obwohl das Interesse an Public Cloud-Lösungen wächst, sind 65% der jüngst befragten Banken mit ihrer Ausschöpfung der Cloud-Potenziale nicht zufrieden. Die Gründe dafür sind auch hier die altbekannten: Die weiterhin bestehende Skepsis und Unsicherheit bezüglich Regulatorik und Cloud-Security, das Fehlen wichtiger Skills und Mitarbeiterkapazitäten sowie die Kernherausforderung, den enormen Bestand an Altanwendungen mit der Cloud in Einklang zu bringen.

Innovationskraft der Cloud voraus

Hatte man Ende letzten, Anfang diesen Jahres den Eindruck, dass den Banken beim Thema Cloud ein wenig die Luft ausgeht, wurde im März mit dem Beginn der COVID-19-Pandemie zwangsläufig der Reset-Knopf gedrückt. In kürzester Zeit mussten auch die Banken sowohl die Arbeitsfähigkeit ihrer Mitarbeiter als auch digitale Zugangsmöglichkeiten ihrer Kunden z. B. zu Corona-Hilfskrediten der KfW sicherstellen. Die Public Cloud mit ihrer Ausfallsicherheit, Flexibilität und insbesondere Skalierbarkeit wurde für viele Banken deutlich attraktiver und als Stresstest unter den gegebenen pandemischen Bedingungen die Möglichkeiten und Leistungen von Public Cloud-Technologien mit denen von Private Cloud und Legacy-Plattformen verglichen. Was wir in den letzten Monaten dann an Aktivitäten und Ergebnissen rund um die Cloud gesehen haben, ist nichts anderes als eine beschleunigte Wiederaufnahme der Journey to Cloud. Die Reise geht weiter – mit deutlich mehr Zugkraft.

Weiterhin haben Agilität und Innovationskraft der Cloud oberste Priorität bei den Accenture Kunden – so hat die Deutsche Bank eine vielbeachtete Kooperation mit Google Cloud mit dem Ziel der gemeinsamen Entwicklung Cloud-basierter Finanzdienstleistungen angekündigt. Auch andere Häuser haben inzwischen Partnerschaften mit einem oder mehreren Anbietern geschlossen, wobei die meisten eine hybride Multicloud-Strategie verfolgen, ihre Workloads also auf Private Cloud- und Public Cloud-Services von mehreren Anbietern verteilen wollen. Hiermit liegen sie im Trend der Accenture Top 20-Banken, von denen 60% genau diesen Ansatz fahren. Die nächsten Schritte nach erfolgreicher Cloud-Pilotierung sind dann in der Regel die Entwicklung Cloud-nativer Applikationen mit einem Fokus auf „Data on Cloud“ (d.h. Nutzung von Big Data & AI Technologien aus der Cloud für höhere Kundenzentrierung, Beratung und Vertrieb) sowie die Migration der Bestandsanwendungen in die Cloud. Perspektivisch schließt sich die Entwicklung Cloud-basierter digitaler Plattformen und Ökosysteme für teils sogar industrieübergreifende neue Geschäftsmodelle an.

Cloud-Transformationsprojekte, die letztlich in alle Unternehmensbereiche einwirken, sind auf mehrere Jahre ausgelegt und benötigen Zeit. Gleichzeitig entwickelt sich die Cloud-Technologie weiter, sodass immer wieder Anpassungen vorgenommen werden sollten. Welchen Nutzen die Cloud den Banken bringt, hat die COVID-19-Pandemie verdeutlicht, ebenso die Dringlichkeit, sich weiter auf die Reise in die Cloud zu begeben. Auf lange Sicht ist das definitiv ein sich lohnender Weg.