Accenture Banken Blog

Die Distributed Ledger Technologie (DLT) erfreut sich seit geraumer Zeit grossem Interesse in den Medien. Häufig wird dabei ein besonderes Augenmerk auf das Anwendungsbeispiel der Kryptowährungen gelegt, wobei die DLT noch viele weitere spannende Möglichkeiten eröffnet. Eines dieser Beispiele ist die viel gepriesene Funktionalität des Instant Settlements: Was dies genau ist, die Vor- und Nachteile davon und wofür es geeignet ist, lesen Sie im nachfolgenden Beitrag.

Der heutige langwierige Abwicklungsprozess

Auch wenn in den letzten Jahren Effizienzsteigerungen im Bereich der Abwicklung des Wertschriftenhandels zu vermerken waren, so zieht sich die vollständige Abwicklung (Settlement) noch immer über mehrere Tage (besonders im grenzübergreifenden Handel). Dies ist vor allem historisch gewachsener Strukturen und Prozessen geschuldet, die im jetzigen Finanzökosystem durchaus gerechtfertigt sind. So vereinfachen sie zum Beispiel den Handel zwischen Parteien in unterschiedlichen Zeitzonen oder mit anderen Verbuchungszeiten. Damit ein Handel reibungslos abläuft, sind verschiedene Intermediäre in diesem Handelssystem involviert. Neben dem Käufer und Verkäufer sowie deren Banken sind dies meist auch eine Zentrale Gegenpartei (CCP), die Börse selbst und ein Zentralverwahrer  (CSD) (siehe Grafik). Letzterer sorgt dabei dafür, dass zum Beispiel physische Aktien nicht mehr vom Tresor eines Instituts zum anderen geliefert werden müssen: Ein Handel wird zentral beim CSD vermerkt und im Namen des entsprechenden Marktteilnehmers verbucht. Die CCP tritt als zentrale Gegenpartei zwischen den Handelsparteien auf und hat neben dem Absichern des Gegenparteienrisikos auch eine andere elementare Aufgabe: das sogenannte Netting. Durch das Netting wird nicht jeder einzelne Handel zwischen den Parteien abgerechnet, sondern es wird nach einer bestimmten Zeit das Handelsvolumen untereinander verrechnet. Ein typischer (Retail-)Kunde bekommt von dieser gemeinsamen Leistung nur wenig mit, im Gegenteil, beispielsweise ist der Erlös eines Aktienverkaufs meist in kürzester Zeit auf dem Konto ersichtlich. Andererseits verursacht dieses komplexe Intermediärsystem auch einige Kosten, welche wiederum primär auf die Endinvestoren abgewälzt werden.

Vorhang auf für Instant Settlement

Ganz anders sieht dieser Prozess bei einem Trade auf der DLT aus, da ein Handel nur vonstattengehen kann, sofern der Geldwert und das Wertpapier zum Zeitpunkt des Handels vorhanden sind. Sprich, verfügt eine der Handelsparteien nicht über den benötigten Vermögenswert, kommt der Handel auf der DLT nicht zustande. Darunter versteht man allgemein Instant Settlement: Der sofortige und finale Austausch von Geld gegen Wertpapier zum Handelszeitpunkt.

Wie ich in einem früheren Blogartikel ausgeführt habe, schafft die Schweiz mit der Einführung des neuen DLT-Gesetzes zurzeit eine rechtliche Grundlage für eben solch ein DLT-basiertes Handelssystem, welches Instant Settlement im regulierten Wertschriftenhandel einführen könnte. Das Gesetz wird es ermöglichen, dass sowohl das Wertpapier als auch die Zahlungskomponente (z. B. ein digitaler Schweizer Franken) auf die DLT gebracht werden kann. Das erlaubt es, Wertschriften in Echtzeit und nicht mehr innerhalb von Tagen abzuwickeln.

Auswirkungen auf den Handel und Handelsteilnehmer

Die grösste Implikation ist natürlich, dass sowohl die Zeit als auch der Aufwand für das Settlement auf ein Minimum reduziert werden. Zudem entfällt durch den sofortigen Tausch das Gegenparteirisiko komplett, was konsequenterweise die Institution einer CCP überflüssig macht. Weiter könnte eine DLT-Plattform unabhängig von heutigen Intermediären funktionieren, was den Handel nicht mehr an Zeitzonen und Büroöffnungszeiten bindet, sondern theoretisch 24/7 verfügbar macht.

Jedoch bringt das Instant Settlement besonders für institutionelle Marktteilnehmer auch negative Seiten mit sich. Erstens müsste jeder Trade vorfinanziert sein, was einen erhöhten Liquiditätsbedarf nach sich zieht. Zweitens ist das Shortselling nicht mehr ohne weiteres möglich, da das Wertpapier zum Handelszeitpunkt ebenfalls im Besitz sein muss. Zu guter Letzt und vor allem für Marktteilnehmer mit hohen Handelsvolumina von Interesse, das Netting von Trades fällt weg, da jeder einzelne Trade einzeln verbucht werden muss.

Aus diesen Gründen sehen wir zurzeit die Anwendung einer DLT-Handelsplattform mit Instant Settlement vor allem in illiquiden Assets mit niedrigem Handelsvolumen. So zum Beispiel in Privatmarkt- oder auch gewissen OTC-Transaktionen. Einen Einsatz im klassischen Bluechip Equity Market sehen wir bisher noch nicht, da der Wegfall von Netting und Shortselling Möglichkeiten die Effizienz der Märkte und involvierten Institutionen wohl stark schmälern könnte. In den kommenden Wochen, werden wir hier bestimmte Beispiele von möglichen Use Cases teilen und die Diskussion über zukünftige Geschäftsmodelle und Opportunitäten anstossen.

Sollten Sie Fragen haben oder dieses Thema näher mit uns beleuchten wollen, dann kontaktieren Sie mich gerne. Ich und mein Team stehen Ihnen jederzeit für ein Gespräch zur Verfügung.