Accenture Banken Blog

Ein großer Bedarf zum Handeln

Wie nachhaltig ist der Traum vom Eigenheim?“ hatte ich im letzten Blog gefragt und darauf geschaut, inwieweit Nachhaltigkeitskriterien schon in die Entscheidung zur Baufinanzierung Einzug gehalten haben. In der umfassenden Betrachtung des Themas darf man nicht bei den Neubauten aufhören, sondern muss sich bei dem großen Immobilienbestand ebenso mit dem Thema der energetischen Sanierung befassen. Denn hier liegt ein weiterer großer Hebel, mit dem die Banken über die Lenkungen der Kapitalflüsse an der Transformation hin zu einer nachhaltigeren Gesellschaft teilhaben sollen. Klimaschutz und Kostensparen gehen hier Hand in Hand, denn der „Effekt für Energieeinsparung und Klimaschutz liegt bei der energetischen Gebäudesanierung rund um das 4,5fache höher als im Neubau“ fomuliert es Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz. EU-Taxonomie, Klimaschutzgesetz und die definierten Umweltziele schließen Neubauten ebenso ein wie die Sanierung von Bestandsobjekten und geben damit ein enges Rahmenwerk vor, in dem nun rasch gehandelt werden soll.

Für Immobilienbesitzer dürfte die Werterhaltung der Objekte im Vordergrund stehen, während Banken auch auf die damit verbunden Risiken sowie die Einhaltung ihrer Versprechen zu Net Zero schauen werden. In den monatlichen Nebenkosten einer Immobilie nehmen Energieaufwendungen einen großen Anteil ein, verstärkt durch den aktuell hohen Anstieg und die Volatilität bei den Preisen von Öl, Gas und Strom. Allerdings kommen auch drei Faktoren zusammen, die die Umsetzung bremsen: Steigende Zinsen verteuern Kredite derzeit meist bei der Prolongation, Preisinflation erhöht die Kosten für notwendige Handwerker und Materialien und benötigte Gutachter/Sachverständige sowie Hardware sind knapp – steigende Lebenshaltungskosten lassen zudem weniger Kreditkapazität zu.

Blick in den Markt zeigt bereits viele Ideen

Die Banken haben sich des Themas angenommen und erste Produkte lanciert. Dies beginnt mit Aufklärungsarbeit zum Thema energetische Sanierung auf den öffentlichen Homepages und das Aufzeigen der typischen Anknüpfungspunkte wie die Fassaden- und Dachdämmung, Heizung oder Photovoltaik. Hinzu kommt der Hinweis auf die (reformierten) Förderprogramme bspw. der KfW, die in Form eines Zuschusses oder Kredits die finanzielle Last der Sanierung verringern können. Mit einem Gesamtvolumen von 13 bis 14 Mrd. Euro für energetische Gebäudeförderung liegt der Fokus auf Sanierung statt Neubau, und abgesenkte Fördersätze sollen den Beitrag in die Breite tragen. Modernisierungsrechner sollen Transparenz in die finanzielle Be- und Entlastung bringen und erste, zweckgebundene Modernisierungskredite von Banken greifen das Thema gezielt auf, auch ohne die Immobilie als Sicherheit in den Büchern zu haben.

Die Umsetzung wird uns viele Jahre begleiten

Während der Bedarf weitestgehend identifiziert, akzeptiert und hier eher Beschleunigung als Abwarten nötig ist, wird sich die Umsetzung dennoch über viele Jahre erstrecken – viele der gesetzlichen und regulatorischen Rahmen sind mit klaren Fristen versehen, um das Handeln zu beschleunigen. Dies erfordert jedoch auch, dass die Voraussetzungen zur Umsetzung geschaffen werden, damit Finanzdienstleister an den richtigen Stellen ansetzen können:

  1. Erhöhung der Transparenz und Information: Schaffung einer klaren Ausgangsbasis in Bezug auf bspw. Net Zero Kurve, Green Asset Ratio und CO2-Fußabdruck was das heutige Bestandsbuch angeht und Einbeziehung einer Simulation dieser Werte in die Kreditentscheidungen. Damit einher geht der Aufbau der Datenbasis, die zukünftig für diese Bewertungen immer relevanter wird, ebenso wie der Wissensaufbau bei den Mitarbeitern und dem Ausbau ihrer Beratungskompetenz.
  2. Verständnis der Entscheidungswege: Während Einfamilienhausbesitzer weitestgehend selbständig entscheiden können, wann und wie sie energetisch sanieren, braucht es bei Wohneigentum in der Regel Beschlüsse der Eigentümerversammlungen, die nur einmal jährlich stattfinden. Dies gilt selbst für Mini-Solaranlagen an den Balkonen, wenn dadurch das äußere Erscheinungsbild oder die Bausubstanz verändert wird. Hier ist eine frühzeitige Sensibilisierung der Einzeleigentümer für die anstehenden Themen wichtig, zumal die Finanzierungen meist über eine Vielzahl von Einzelbanken laufen, um den längeren Entscheidungszeiten Rechnung zu tragen.
  3. Einbindung in das Finanzierungsprodukt (mit Sicherheit): Entscheidet sich der Kunde, eine Bestandsimmobilie zu kaufen oder eine bestehende Baufinanzierung zu prolongieren, müssen die Aufwendungen für energetische Sanierung transparent gemacht und mitberechnet werden. Denn Immobiliensicherheiten sind meist lange in den Büchern der Banken und die gesetzlichen Fristen damit schlagend während der Laufzeit. Ein Immobiliendarlehen besteht dann gedanklich aus der Finanzierung wie bisher, gekoppelt an Auflagen zur energetischen Sanierung.
  4. Verstärkung digitale Modernisierungskredite (ohne Sicherheit): Ausweitung des Angebots für zweckgebundene Modernisierungskredite, bei denen die Immobilienfinanzierung an sich bei einer anderen Bank mit enger Koppelung an die Förderprogramme liegt. Die Nutzung von Erfahrungen aus der Digitalisierung bspw. des Ratenkredits sowie Online-Antragsstrecken zu den Förderbanken helfen, das Kundenerlebnis einfach, transparent und zielgerichtet zu gestalten.
  5. Zusammenarbeit im Ökosystem: Banken müssen ein Netzwerk an Partnern aufbauen für die Umsetzung, wo immer möglich und erlaubt. Während Gutachter/Sachverständige in großen Teilen unabhängig sind und bleiben sollen, können insbesondere in der Aufklärungsarbeit und Immobilienbewertung, im Durchführen von Kampagnen und in den einzelnen Bauvorhaben sowohl Energieberater als auch Handwerker aus dem Ökosystem der Bank zum Einsatz kommen. Dies sollte die zeitliche Planungssicherheit für Kunden und Bank erhöhen.

Nicht länger warten sondern starten

Wichtig wird nun sein, die bestehenden Ideen zu skalieren und damit in die Breite zu tragen. Als wesentlicher Bestandteil am Kreditbuch vieler Banken muss in der Vielzahl der aktuellen Projekte die Finanzierung der energetischen Sanierung priorisiert werden – insbesondere auch in einer Abwägung zum weiteren digitalen Ausbau des Baufinanzierungsneugeschäfts. Denn berücksichtig man die Tatsache, dass nicht jedes Objekt renovierungsfähig ist bis zur GAR-Kompatibilität, ist es umso wichtiger, bei denen anzusetzen, die das Potenzial dazu bieten und bei den Kreditnehmern trotz Steigerung der Lebenshaltungskosten genügend finanzieller Spielraum verbleibt. Kommen hier Kosteneinsparungen und Klimaschutz zusammen, entsteht eine Win-Win-Situation.