Alle reden über digitales Zentralbankengeld (DZBG) – doch man hört in diesem Zusammenhang relativ wenig über die künftige Rolle der Banken. Wird die Einführung von DZBG nicht erheblichen Einfluss auf einige der wesentlichen Geschäftsmodelle unserer Banken nehmen? Verändern sich nicht ganze Geschäftsfelder oder verschwinden womöglich sogar vollständig? Meine Antwort dazu: ein klares “Jein“.

Noch ist nirgendwo auf der Welt digitales Zentralbankgeld in der Breite verfügbar. Doch das globale Interesse steigt und derzeit führt China im Rennen um den flächendeckenden Roll-out. Auch in Europa blicken viele gespannt auf eine mögliche Einführung von DZBG und in einigen Ländern laufen bereits erste Piloten – schließlich will man gegenüber dem Reich der Mitte und den USA den Anschluss nicht verlieren. Unsere Banken sind deshalb gut beraten, frühzeitig Optionen zu entwickeln, Chancen und Risiken abzuwägen sowie Handlungsnotwendigkeiten zu definieren.

Ein- vs. zweistufiges Modell

Zwei Denkmodelle werden diskutiert: Die Einführung eines einstufigen Modells und einer zweistufigen Variante.

  • Beim einstufigen Modell wird DZBG direkt und ohne die Zwischenstufe „Geschäftsbank“ für Endkunden wie Privathaushalte, Unternehmen und Behörden zugänglich sein. Das bedeutet, dass Endkunden über ein eigenes Konto bei der Zentralbank digitales Zentralbankgeld halten und verwenden können, ohne dass Geschäftsbanken involviert sind. Dieser direkte Zugang der Zentralbanken zum Endkunden hätte natürlich umfassende Auswirkungen für unsere Geschäftsbanken und würde einige grundlegende Prinzipien verändern.
  • Beim zweistufigen Modell wird DZBG ausschließlich von der Zentralbank über Geschäftsbanken an die Endkunden ausgegeben – genauso wie derzeit auch das Bargeld. Damit ließe sich nicht nur eine Disintermediation der Geschäftsbanken verhindern, perspektivisch eröffnen sich auch Chancen auf neue Geschäftsmodelle und frisches Wachstum für den gesamten Sektor.

Ich bin mir deshalb recht sicher, dass das zweistufige Modell die naheliegendere Option ist.

So können Banken das Potenzial von DZBG heben

Der Markt für Bargeld verändert sich bereits und wird sich in den nächsten Jahren noch ein ganzes Stück weiter verändern. Signifikante Ertragspotenziale brechen weg, alleine schon durch den Rückgang der Bargeldnutzung. Auch dies ist keine gute Nachricht für unsere Banken. Auf der anderen Seiten werden durch DZBG neue Wachstumsfelder entstehen. Welche das genau sein werden, gleicht für viele Institute noch einem Blick in die Kristallkugel.

Neues Geschäftspotenzial bieten beispielsweise die digitalen Wallets, die Banken ihren Kunden zur Ausgabe des DZBG zur Verfügung stellen müssten. Diese sind die Voraussetzung, um DZBG auf unterschiedliche Kunden-Endgeräte – etwa auf ein Mobiltelefon – zu transferieren, um einen Bezahlvorgang auslösen zu können. Hier sind neue, kundenfreundliche Lösungen gefragt. Auch eine Übertragung auf Karten oder andere Träger ist durchaus denkbar. Das Bezahlen geschieht dann ganz ohne Beteiligung der aktuellen Zahlungsverkehrssysteme über eine neue (Blockchain-)Plattform. Welche Funktionalitäten das DZBG erhält, hängt von der jeweiligen Ausgestaltung ab. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten, beispielsweise die Einführung von Obergrenzen, Zinszahlungen, Geldwäschekontrollen oder unterschiedliche Stufen der Anonymität.

In diesem Spielfeld wird es sicher neue Serviceleistungen und Ertragsquellen geben, man denke nur an verschiedene Endgeräte z.B. Einmalkarten, Wechselbörsen, Infrastruktur- und Sicherheitsdienstleistungen. Ich bin mir sicher, dass Institute, die schnell und vorausschauend agieren, diese neuen Geschäftspotenziale für sich erobern können. Sie müssen nur damit beginnen. Denn wie so oft kommt es darauf an, frühzeitig Ideen und Partnerschaften zu entwickeln, im Markt zu testen und schließlich zu skalieren.

Banken müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie mit der Einführung von DZBG jede Menge neue Chancen haben, aber auch ein hohes Maß an Integrationsarbeit leisten müssen. Und bei all ihren Bemühungen, müssen sie stets den Kunden in den Mittelpunkt stellen, dessen Erwartungen und Wünsche sich mit der Einführung von DZBG sicher verändern werden. Welche Wünsche Kunden und Banken mit DZBG verbinden, ist Thema des nächsten Beitrags meiner DZBG-Blogserie, der sich mit den Designprinzipien von digitalem Zentralbankgeld beschäftigen wird.

Retail CBDC – Client insights and recent developments, design principles and technology considerations.