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Immer wieder geraten Banken aufgrund ihrer Compliance in die Negativ-Schlagzeilen. Oft werden ihnen dabei mangelnde Anti-Geldwäsche Maßnahmen vorgeworfen. Obwohl die meisten Häuser ihren regulatorischen Pflichten nachkommen, mussten Banken weltweit zwischen 2008 und 2019 mehr als $350 Milliarden an Strafzahlungen für Compliance-Verfehlungen zahlen.

Auch die Kosten explodieren. Banken können noch immer ganze Fußballstadien mit Compliance-Mitarbeitern füllen. Ganze zwei bis vier Prozent aller Bankmitarbeiter sind in Compliance-Funktionen tätig – Arbeitsaufwände in IT, Operations und in den Geschäftsbereichen nicht eingerechnet. So kommen je nach Größe der Bank noch einmal zwei- bis dreistellige Millionenbeträge pro Jahr zusammen, die in die operative Lieferfähigkeit dieser Bereiche investiert werden müssen. Hinzu kommen Kosten, um regulatorische Anforderungen wie neue Richtlinien zur Geldwäsche, dek Transparenzgesetz oder zum Datenschutz umzusetzen.

Die Zeit für technologisierte Compliance ist gekommen

Die Optimierung der Compliance-Funktion ist daher Gegenstand vieler Innovationsmaßnahmen der Banken.  Um für die Zukunft gewappnet zu sein, müssen alte Denkweisen wie Personenzahl x Arbeitsleistung über Bord geworfen und der Weg frei für innovative Ansätze und neue digitale Technologien gemacht werden. Gleichzeitig muss die Workforce umstrukturiert werden. Ein Compliance-to-go Rezept gibt es allerdings leider noch nicht. Denn  die Risikoprofile der Banken sind je nach Größe der jeweiligen Häuser sehr unterschiedlich. Die Herkulesaufgabe der Geldinstitute ist die Zusammenführung der verschiedenen regulatorischen Anforderungen und deren Überführung in eine einheitliche Strategie, die genau auf die individuellen Anforderungen zugeschnitten ist.

Auf dem Weg zum datengestützten Risikomanager

Compliance Führungskräfte haben meist einen juristischen Hintergrund. In Zukunft müssen sie aber vor allem auch Kommunikationsfähigkeiten mitbringen, um die Vorgaben und Richtlinien innerhalb ihrer Organisation allen Mitarbeitern verständlich mitteilen zu können. Sie müssen außerdem Technologie- und Datenaffin sein und die Compliance vom reinen Kostenfaktor zum Innovationstreiber entwickeln.  Um dafür die richtigen Voraussetzungen zu schaffen, sollten Banken folgende vier Kernbereiche im Blick haben:

  1. Strategische Sicht auf Regulierung

Anstatt Regulierungen und Gesetzesänderungen hinterher zu hetzen, sollte eine strategische Sicht auf die wichtigsten Themen und Risiken, wie z.B. Geldwäsche durch organisierte Kriminalität, entwickelt werden. Wer diese im Kern versteht und frühzeitig im Liniengeschäft berücksichtigt, ist auf kurzfristige regulatorische Anforderungen bestens vorbereitet.

  1. Mehr Daten für Compliance nutzen

Große Mengen an Transaktions- und Kundendaten müssen sinnvoll verarbeitet und mit externen Informationen angereichert werden. Die neue Kerndisziplin heutiger Compliance-Prozesse ist es, aus den vielen Daten richtige Schlüsse zu ziehen und diese mit allen relevanten Anspruchsgruppen zu teilen.

  1. Innovative Technologielösungen skalierbar machen

Banksysteme von morgen müssen skalierbar und modular, im Sinne einer Applikationslandschaft, konzipiert werden. Dabei geht es natürlich auch um die Unterstützung robuster Compliance-Prozesse durch einen möglichst hohen Automatisierungs- und Digitalisierungsgrad, interne Innovationskraft und die punktuelle Anbindung externer Lösungen.

  1. Risikobereitschaft sicherstellen

Ohne Risiko, kein Ertrag: Banken muss es wieder erlaubt sein, kalkulierte Risiken einzugehen. Nur so können sie auch Werte schaffen und langfristig profitabel bleiben. Die Erkenntnisse aus der Finanzkrise zeigen, dass es niemals ein System geben wird, das alle Risiken abfängt. Daher muss schlauer mit aufkommenden Risiken umgegangen werden, anstatt diese permanent zu vermeiden.

Wenn Banken es schaffen, Innovation in ihre Compliance-Funktion zu implementieren, werden sie nicht nur in der Lage sein, Kosten zu senken. Sie können auch ihre wertschöpfenden Bereiche besser schützen und entwickeln.