Die Nachhaltigkeit hat sich vom „nice to have“ zu einem „must have“ entwickelt. Das drückt sich in der veränderten Kundenerwartung ebenso wie in der Regulatorik, in neuen Rahmenwerken ebenso wie in zahlreichen Selbstverpflichtungen aus – und das für alle drei Aspekte von ESG, nicht nur das „E“ und dem vorherrschenden Fokus der Umweltaspekte. In den Zeiten der verstärkten Digitalisierung von Banken durch COVID-19 ist es dabei zentral zu verstehen, dass digitale Transformation und Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele eine symbiotische Beziehung haben.

Genau diese Verbindung haben wir in unserer Studie The European Double Up: A Twin Strategy That Will Strengthen Competitiveness analysiert. Denn für die Unternehmen, die Digitalisierung und Nachhaltigkeit gemeinsam angehen, steigt die Wahrscheinlichkeit unter den erfolgreichen Unternehmen der Zukunft zu sein, um das 2,5-fache. Dennoch verfolgen noch zu wenige Unternehmen diese Twin-Transformation und verpassen damit die Chance, eine integrierte Lösung zu finden. International haben wir über 4.000 Führungskräfte aus 13 Ländern und 19 Industrien im November 2020 für die Studie befragt: Mit 34% ist Asia Pacific führend in der Twin-Transformation, während in Europa nur 22% die Verbindung der Themen bereits für zukünftige Wettbewerbsfähigkeit nutzen.

Nachhaltigkeit hat den gleichen Stellenwert wie Investitionen in Digitalisierung

Schaut man sich die Daten für Deutschland an, fällt auf: Nachhaltigkeit hat für deutsche Unternehmen mittlerweile den gleichen Stellenwert für die Erreichung der kurzfristigen Ziele in den nächsten sechs Monaten wie Stärkung der Finanzen und Investitionen in Digitalisierung. Für die langfristigere Strategie ist es sogar noch deutlicher: Nachhaltigkeit ist für die Strategie in den nächsten 3 Jahren für 45% der Entscheider wichtiger als Digitalisierung. Bei den deutschen Banken sieht es nicht anders aus. Die Stärkung der Nachhaltigkeit (36%) nennen die Führungskräfte als Faktor zur Erreichung der 2021 Ziele noch vor den Investitionen in digitale Technologien (32%). Dazu passt, dass beispielsweise die CEOs von Deutsche Bank und Commerzbank die Verantwortlichkeit für Nachhaltigkeit in ihr Ressort geholt haben.

Dieser Fokus ist auch wichtig, wollen deutsche Unternehmen und Banken nicht von der Konkurrenz in Asien abgehängt werden. Während in Asia Pacific Nachhaltigkeit als Chance für das Geschäft im Sinne von Umsatzwachstum (34%) gesehen wird, werden hierzulande verstärkt regulatorische Anforderungen (35%) und physische Risiken (37%) als Treiber der Veränderung genannt. Dabei sind wir Europäer in einer guten Startposition, um führend in dem Thema zu sein. Wichtig dafür ist, die beiden Themen zu vereinen in eine tech-getriebene Nachhaltigkeitsagenda. Denn die Operationalisierung der Nachhaltigkeit kann einiges von den Erfahrungen der Digitalisierung lernen – neben der benötigten Technologie inkl. Datenmodell ebenso in Bezug auf Governance und Change Management.

Wer treibt die Transformation? Die Banken oder die Unternehmen als deren Kunden?

Banken kommt neben dem eigenen Wandel die Aufgabe zu, die Transition der Realwirtschaft hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft zu finanzieren. In vielen Fragen antworten Unternehmer und Finanzinstitute ähnlich – dies unterstreicht, dass Unternehmen sich nicht für ein paar Basispunkte wandeln werden, sondern die nachhaltig-orientierten Finanzprodukte von genau den Unternehmen angefragt werden, die sich der Wichtigkeit dieses Themas bereits bewusst sind und es sich zum Wettbewerbsvorteil machen. In einigen Aspekten übersteigt die Nachfrage nach nachhaltigen Finanzprodukten bereits das Angebot.

Unter dem Strich konkurrieren Digitalisierung und Nachhaltigkeit um dieselben Ressourcen: Veränderungsbudgets und Mitarbeiterkapazitäten. Wer heute nur in Digitalisierung investiert, hat zwar in Zukunft ein digitales Kundenerlebnis, aber dafür vielleicht kein Produkt mehr, das er anbieten kann – oder Produkte, die nicht nachgefragt werden. Auch hier zeigt sich die Notwendigkeit, die Themen integriert zu denken und durch kontinuierliche Investitionen aufeinander einzahlen zu lassen, indem man

  • die Teile des Geschäftsmodells identifiziert und ausbaut, die auf Nachhaltigkeit und Technologie basieren – und die Nachhaltigkeit in die entsprechenden Backlogs aufnimmt.
  • die Verantwortlichkeit im gesamten Unternehmen aufhängt und mehr als finanzielle Kennzahlen misst – also Datenmodell und Digitalisierung nutzt, um Nachhaltigkeit transparent und nachvollziehbar zu machen.
  • Talente ausbildet und fördert, in dem frühzeitig wie in der Digitalisierung die zukünftigen Skills identifiziert und im Unternehmen aufgebaut werden.

In der Twin-Transformation werden Digitalisierung und nachhaltige Geschäftsmodelle gemeinsam betrachtet. Denn digitale Technologien sind wichtig für den Aufsatz und Betrieb nachhaltiger Geschäftsmodelle. Heute denken nur 10% der deutschen Unternehmen, dass digitale Technologien eine große Hilfe für nachhaltige Geschäftsmodelle seien werden. Im Rest Europas aber auch in Asien ist das Vertrauen in Technologie deutlich ausgeprägter. 17% der Unternehmen im UK, 20% in Spanien und sogar 24% in Asien sehen in Technologie einen sehr starken Hebel. Hier sollte ein Umdenken stattfinden, um mit einer größeren Anzahl an Twin-Transformern den Wandel voranzubringen.