Accenture Banking Blog
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Die Digitalisierung ist inzwischen bald schon mehr als ein Jahrzehnt ein Dauerbrenner auf den Agenden des Banken-Managements. Zwischen 2015 und 2018 haben die international führenden Institute rund eine Billion US-Dollar in die Transformation ihrer IT und die Digitalisierung gesteckt. Im Fokus standen dabei die Modernisierung der Infrastrukturen und des Front-Ends, auf der Technologieseite lag der Schwerpunkt auf Cloud und AI-basierte Analytics. Riesige Sprünge haben wir trotz des enormen Investments bei den traditionellen Finanzinstituten aber kaum wahrnehmen können. Doch gilt das für alle gleichermaßen?

Lesen Sie unsere Studie

Große Unterschiede bei der digitalen Reife, starker Ergebniseinfluss

Es gibt einige Ausreißer, wie unsere aktuelle Accenture-Analyse zeigt, für die wir die wirtschaftliche Performance von 161 großen traditionellen Geldhäusern untersucht haben. In unserer Studie konnten wir drei verschiedene Gruppen von Banken identifizieren, die sich in ihrem digitalen Reifegrad erheblich unterscheiden:

  • 50 Prozent der Banken sind kaum nennenswert bei der digitalen Transformation vorangekommen. Sie spielen noch mit dem Gedanken, wo ihre Reise hingehen könnte, einen koordinierten Prozess gibt es jedoch nicht.
  • Weitere 38 Prozent sind als digital aktive Banken in den Veränderungsprozess aufgebrochen. Ein stimmiges Gesamtbild und Bekenntnis zur Veränderung will sich hier jedoch trotz zahlreicher singulärer Initiativen noch nicht einstellen.
  • Und dann gibt es noch 12 Prozent digital fokussierter Banken, die sich ganz der digitalen Transformation und der Veränderung des Bankings verschrieben haben – mit messbarem Erfolg.

Trotz des schwierigen Marktumfelds in der Branche wird genau dieses starke Engagement der veränderungswilligen Institute in Form verbesserter Leistungsdaten belohnt. Bei wachsenden Erträgen stiegen ihre Betriebskosten – Stichwort Skalierbarkeit – nur halb so stark. Sie konnten erhebliche Kosteneffizienzsteigerungen erzielen. Das schlägt sich auch in den Marktbewertungen dieser digital fokussierten Banken nieder. Die Gruppe ist die einzige, die mit einem Wert von durchschnittlich 1,18 ein Börsenkurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) von größer als „1“ aufweist. Die Lücke zu den Branchenkollegen, deren Aktien auf dem Handelsparkett mit erheblichen Abschlägen behandelt werden (bei KBV-Werten von 0,98 (digital aktive Banken) und 0,83 (restliche Institute)) ist deutlich.

Zwischenschritt erreicht, keine Zeit für Selbstgefälligkeit

Doch dieser Erfolg kann natürlich nur ein erster Schritt auf dem Weg aus der alten Bankenwelt ins neue digitale Banking-Zeitalter sein. Nach dem notwendigen internen Veränderungsprozess (den die Hälfte der Banken am Markt noch vor sich haben) wartet nun die Herausforderung der Erschließung neuer Ertragspools.

Folgende Handlungsfelder, welche unsere globale Studie aufzeigt, halte ich dabei für besonders relevant:

1. Dem „Neuen“ verpflichtet: Banken müssen sich und ihre Services neu erfinden, um neue Erträge zu erzielen. Die digitale „Customer Journey“ wird scheitern, wenn sie letztlich wieder nur in ein bestehendes Bankprodukt mündet.

2. Die Oberhand behalten: Banken dürfen nie die Kontrolle und die Orchestrierung ihrer digitalen (Plattform-)Services aus der Hand geben. Andernfalls sind die neuen Ertragsquellen auch ganz schnell wieder bedroht.

3. Das Geschäftsmodell weiterentwickeln: Die Stärkung der Innovationsfunktion wird allein nicht dauerhaft erfolgversprechend sein. Banken sollten auch ihr Geschäftsmodell in den Fokus rücken. Der Aufbau digitaler Fabriken sowie neuer Prozesse für Beschaffung, Talentmanagement und Risikokontrolle kann hier hilfreich sein.

Unter dem Titel „Banken zwischen Skylla und Charybdis“ habe ich dem Zusammenspiel dieser Themen in den letzten Monaten auch mit Blick auf die Bedeutung für unseren europäischen Markt besondere Aufmerksamkeit gewidmet.  Fazit: Traditionelle Banken sollten alles daransetzen, sowohl auf Kosten-, als auch auf Ertragsseite digitale Reife aufzubauen. Sie entscheidet letztlich darüber, wer nach der aktuellen Phase der Volatilität und des industriellen Wandels zu den Gewinnern oder Verlierern gehören wird. Erfahren Sie mehr in der Analyse unserer internationalen Kollegen.