Accenture Banking Blog
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Das Jahr 2019 war kein leichtes für die Automobilindustrie – nach schrumpfenden Märkten und rückläufigen Absatzzahlen, mussten einige Automobilhersteller einschneidende Maßnahmen ergreifen und sich strategisch neu aufstellen. Dies ging auch an den zugehörigen Automobilbanken nicht spurlos vorüber. Vor wenigen Wochen hatte ich die Gelegenheit, den Auto Finance Summit in Las Vegas zu besuchen und mich mit anderen Experten der Auto-Finanzbranche zu den aktuellen Herausforderungen und Trends auszutauschen. Dabei bin ich in einem zentralen Thema wieder bekräftigt worden: „Customer centricity“ ist und bleibt auch in Zukunft ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Nur wer sich schnell anpasst, wird in einem immer härter umkämpften Marktumfeld mit sich weiter verändernden Kunden- und Risikoanforderungen sowie neuen Wettbewerbern, auch Erfolg haben. Sehen wir uns das genauer an:

  • Vom Auto als Statussymbol hin zur Mobilitätsnutzung

Bei Kunden lässt sich eine Veränderung im Mobilitätsverhalten erkennen. Ständige Mobilität wird nicht mehr nur durch den Besitz eines Autos definiert, sondern immer häufiger auch durch bedarfsweise Nutzung von anderen Mobilitätsangeboten. Hierdurch steigt der Druck auf aktuelle Absatzzahlen der Automobilhersteller und damit auch auf die Marktdurchdringung von Automobilbanken stetig. In China wurden im Jahr 2019 zwar ca. 420.000 Autos mehr produziert als im Vorjahr, in den USA und in Europa sinken die Produktionsvolumina allerdings bereits deutlich. Hier zeigt sich hingegen ein kontinuierliches Wachstum neuer digitaler Mobilitätslösungen, primär durch Nutzung von Shared Services. Kunden erwarten über alle Industrien hinweg gesteigerte Flexibilität bei Produkten und Dienstleistungen. Dies bedeutet auch für die Autobanken eine Notwendigkeit, ihre Produkte dahingehend zu gestalten.

  • Nachfrage nach nahtlosem Omnikanalvertrieb

Darüber hinaus zeigt eine aktuelle Umfrage von Accenture, dass 47% aller Automobilkunden gerne online kaufen würden, aber 79% der Hersteller noch keinen Online-Store haben. Allerdings wird auch deutlich, dass ein Online-Store alleine noch nicht die Lösung ist, denn Kunden möchten sich meist nicht ausschließlich auf diesen beschränken, sondern den Informations- und Vertriebskanal während des Beratungs- und Kaufprozesses mehrmals wechseln. Während dieser sogenannten Journey, haben die Kunden dementsprechend hohe Anforderungen, beispielsweise in Bezug auf Verfügbarkeit der Ansprechpartner und Datenaustausch zwischen den Kanälen in Echtzeit. Um die Kundenbedürfnisse an jedem möglichen Interaktionspunkt zu erfüllen, werden die etablierten Vertriebskanäle also vor die Herausforderung gestellt, einen neuartigen Omnikanalvertriebsansatz mit einer nahtlosen Kombination aus stationärem sowie Online-Erlebnis zu schaffen.

  • Kontinuierlicher Druck auf die Margenkalkulation

Der dritte große Trend ist die Preistransparenz. Die Verbraucher beziehen ihren Finanzdienstleistungsbedarf unabhängig vom Automobilhersteller von verschiedenen Anbietern aus unterschiedlichen Industrien und setzen damit Umsatz und Margen in einem ohnehin schon schwierigen Niedrigzinsumfeld unter Druck. Dies wird besonders deutlich, wenn man sich die Entwicklung des Return on Equity von Automobilbanken anschaut, der seit 2017 um insgesamt 5 Prozentpunkte gesunken ist.

  • Gestiegene Konkurrenz durch neue Marktteilnehmer

Auf veränderte Kundenanforderungen reagieren natürlich nicht nur Automobilbanken, sondern auch etablierte Retailbanken erweitern ihr Produktportfolio (Stichwort: full service provider) und treten damit teilweise in direkte Konkurrenz mit Automobilbanken. In der Zwischenzeit erschließen Autobanken neue Geschäftsfelder (zum Beispiel Marktplätze oder Großhandel) und führen neue Dienstleistungen für Fremdmarken ein, um ihre Diversifizierung voranzutreiben und neue Wachstumschancen zu erschließen. Die Konkurrenz durch Retailbanken ist jedoch nicht die einzige Herausforderung: Auch neue digitale Mobilitätsanbieter treten in den Markt ein und sind durch ein schnelles Wachstum eine ernst zu nehmende Konkurrenz für Automobilbanken.

  • Steigende Risiko- und Compliance-Anforderungen

Neben veränderten Kundenanforderungen und neuen Wettbewerbern am Markt, erhöhen sich für Automobilbanken – genauso wie für Retailbanken – die Risiko- und Compliance- Anforderungen stetig. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat die regulatorischen Anforderungen an Cyberkriminalität, Identitäts- und Zugangsmanagement sowie Risikomanagement in den letzten Jahren deutlich erhöht und damit einen erheblichen Druck auf die Anpassung der Compliance hinsichtlich Prozesse und Systeme ausgeübt. Eine adäquate Planung zur Umsetzung der Anforderungen wird daher auch in den nächsten Jahren eine der Herausforderungen für Autobanken bleiben.

Aktuell suchen Autobanken sowie Dienstleitungsanbieter und neue Marktteilnehmer häufig auch industrieübergreifend nach Lösungen. Gerade die GAFAs werden in puncto Kundeninteraktion häufig zum Vorbild genommen. Doch das reicht als Antwort auf die starken Veränderungen des Markts nicht aus. Die Neugestaltung der Produkte und die Kunst neue Möglichkeiten der alternativen Wertschöpfung zu finden – bis hin zum Aufbau eines gesamten Mobilitätsökosystems – wird meiner Meinung nach zentraler Stellhebel für Autobanken sein, um ihr Geschäft weiterhin zu sichern und zu erweitern.