Accenture Banking Blog

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts erkannte der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter in seiner „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ die Bedeutung unternehmerischer Innovation. Der erste Anbieter profitiert noch von seinem Monopolgewinn. Doch der Erfolg ruft recht bald (innovativere und agilere) Nachahmer auf den Plan, sodass die Gewinnspanne mit der Zeit dem Wettbewerb zum Opfer fällt. Die Folge: Marktführer sind gezwungen sich neu zu erfinden, wollen sie nicht über kurz oder lang aus ihren Märkten verdrängt werden. Doch was hat das mit Banking zu tun? Viel, das Ganze gilt insbesondere auch für den internationalen Zahlungsverkehr. Über Jahrzehnte konnten sich traditionelle Finanzdienstleister in dem Segment auf ihrem Geschäftserfolg ausruhen. Konkurrenz? Fehlanzeige! Doch das Blatt hat sich radikal gewendet.

Die Schumpeter-Theorie gilt auch für den internationalen Zahlungsverkehr

Der Wettbewerb in dem hochprofitablen Geschäft intensiviert sich zunehmend. Neben den globalen Transaktionsbanken, die immer weitere Teile des Zahlungsverkehrs im eigenen Haus halten können, gibt es neue Wettbewerber aus dem Fintech- und Technologieumfeld wie Transferwise und Ripple. Hinzu kommen disruptive Technologien wie Distributed Ledgers oder Kryptowährungen. Die Disruption der Banken in dem Segment ist in vollem Gange. Banken werden dieses Geschäft ohne größere Veränderungen und Investitionen nicht halten können, wenn sie nicht mit konkreten Schritten reagieren:

  • Digitalisierung: Der internationale Zahlungsverkehr entzieht sich nicht der Digitalisierung des Alltags. Google, Amazon, Apple & Co. haben die Messlatte für Dienstleistungen in den letzten Jahren weit höher gelegt. Auch Firmenkunden wünschen inzwischen eine exzellente Nutzererfahrung, die durch Transparenz, Geschwindigkeit und geringe Kosten gekennzeichnet ist.
  • Neue Markt-Infrastrukturen: Rund um die Welt entstehen gerade viele neue Markt-Infrastrukturen, hauptsächlich um Echtzeit-Zahlungen zu ermöglichen oder um ISO 20022 umzusetzen. Damit verbessern sich die Möglichkeiten, globale Zahlungen schnell und transparent auszuführen.
  • Adaption neuer Geschäftsmodelle und Technologien: Distributed Ledgers, PSD2, Open APIs, biometrische Authentifikation, Plattformen und Kryptowährungen sind Themen, mit denen sich Banken dringend auseinandersetzen müssen. Die Technologien sind die Taktgeber des Wandels. Werden sie ignoriert, droht mittel- bis langfristig die Bedeutungslosigkeit.

User Experience und End-to-End Digitalisierung als Antwort

Sicher, Finanzinstitute haben in ihrem Corporate Banking ein überragendes Verständnis für die Bedürfnisse und Probleme ihrer Firmenkunden. Sie sind dabei auch sehr gut in der Lage, komplexe Prozesse zu managen, zu optimieren und zu automatisieren. Um daraus eine begeisternde Nutzererfahrung für Bankkunden zu kreieren, braucht es aber zunächst neues Denken, beispielsweise in Form von Design Thinking. Hinzu kommt die Digitalisierung der komplexen Prozesskette innerhalb des internationalen Zahlungsverkehrs in der Interaktion zwischen Kunde und Bank. Zudem sollten die Institute im Interbank-Geschäft innovative Möglichkeiten und Fähigkeiten ausschöpfen – von einfachen Aufgaben wie der Nutzung von Swift GPI über das Angebot von APIs gegenüber Korrespondenzbanken bis hin zur Einbindung von Distributed Ledger-Lösungen und Kryptowährungen.

Es liegt auf der Hand: Sobald Unternehmen einfachere, billigere und schnellere Methoden für den internationalen Zahlungsverkehr haben, werden sie diese auch nutzen. Banken werden sich hier keinen Stillstand leisten können. Sie müssen diejenigen sein, die proaktiv Verbesserungen anbieten und den Markt neu erfinden. Und damit kommen Digitalisierung und klassische Innovationslehre wieder zusammen.

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