Accenture Banking Blog

In einigen Tagen öffnet die SIBOS 2016 ihre Tore. Was mich besonders freut: In diesem Jahr findet sie in Genf in der Schweiz statt, also ein Katzensprung für alle Europäer. Aber was hat sich eigentlich seit der letzten SIBOS mit Blick auf die Top-Themen der Finanzbranche getan – also FinTech, Blockchain und vor allem Zahlungsverkehr?

In den vergangenen Monaten hat sich bestätigt: Der radikale Umbruch im Payments-Geschäft schreitet immer schneller voran. Neue Technologien setzen entlang der gesamten Wertschöpfungskette nahezu alle klassischen Marktteilnehmer unter Druck. Vor allem Instant Payments werden den Markt nachhaltig verändern. Doch wo stehen wir und wohin geht die Reise? Schon am Beispiel der Kartenzahlungsanbieter wird der mit Instant Payments aufziehende disruptive Sturm deutlich.

Ende eines beispiellosen Siegeszugs?

Sicher, Kreditkarten sind aus unserer heutigen Zeit kaum wegzudenken. Ihr Siegeszug im Zahlungsverkehr seit den 1950er Jahren war beispiellos. Mit globaler Akzeptanz und Transaktionssicherheit konnte sich die Kreditkarte als attraktives Zahlungsinstrument international durchsetzen – in den vergangenen Jahren auch mit dominanter Position im E-Commerce. Doch die goldene Ära sprudelnder Gewinne für Kreditkartenunternehmen und kartenausgebende Banken dank Interchange-Gebühren ist spätestens seit dem letzten Regulierungsschritt und dem neuerlichen Cut-Down Ende 2015 vorbei. Hinzu kommt die zunehmende Digitalisierung des Kundenalltags. Damit haben sich längst auch die Erwartungen der Nutzer an Zahlungssysteme radikal verändert. Niemandem ist mehr ernsthaft plausibel zu machen, warum bei Finanztransaktionen immer noch mehrere Tage zwischen Auslösung und Gutschrift vergehen müssen. Nicht ohne Grund verzeichnen Instant Payments, bei denen Transaktionen in Echtzeit gutgeschrieben werden, in zahlreichen europäischen Ländern enorme Wachstumsraten.

Vorreiter UK

Der britische Markt war hier mit der Einführung von Faster Payments im Jahr 2008 Vorreiter. Auch in Schweden, Polen und Dänemark sind in den letzten Jahren erfolgreiche Systeme entstanden. In der Schweiz können Massenzahlungen bereits seit einigen Jahren auch über SIC, das nationale RTGS-System, in near realtime abgewickelt werden. Es ist insofern nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Echtzeitzahlung auch im individuellen Zahlungsverkehr in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchsetzt. Darüber hinaus bieten Instant Payments nicht nur für Privatkunden und Unternehmen Vorteile gegenüber der Kreditkarte. Auch die Akzeptanzstellen bzw. Händler profitieren – dank geringerer Gebühren, der sofortigen Gutschrift von Zahlungen und einer Verbesserung ihres Liquiditätsmanagements. Die bisherige Zahlungsgarantie der Kreditkartenanbieter wird durch die Unmittelbarkeit der Transaktion abgelöst – und die ist ungleich effizienter.

Neue Rolle für Banken

Ich gehe fest davon aus, dass die Karten bald neu gemischt werden. Über kurz oder lang werden Instant Payments erhebliche Transaktionsvolumina an sich binden. Allein die entsprechenden Skaleneffekte und Effizienzvorteile dürften einen Migrationssog mit Blick auf Kartenzahlungen und Lastschriften nach sich ziehen. Die eigentliche Frage lautet also: Welche Rolle werden Banken in diesem Umfeld spielen? Instant Payments bieten die Möglichkeit, elektronische Zahlungen in Bereiche auszudehnen, die heute noch bargelddominiert sind. Sie minimieren die Kosten der Bargeldversorgung, lösen ineffiziente Prozesse ab und drängen die Rolle teurer Intermediäre wie bspw. internationaler Kartengesellschaften zurück. Für Banken bietet sich durch Instant Payments zugleich die Chance, die Hoheit über die Wertschöpfungskette wiederzuerlangen. Sie sollten daher schnellstmöglich ihre Zahlungsverkehrs- und Digitalstrategie für Instant Payments überarbeiten. Eine rasche Pilotierung von Instant Payments ist dabei essenziell.

Ich freue mich schon jetzt auf einen spannenden Austausch zu diesem und zu anderen Themen auf der SIBOS in Genf. Besuchen Sie hierzu unsere Webseite.

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