Accenture Banking Blog

Die „We Economy“: eine digitale Welt, in der Unternehmen, Kunden und sogar Alltagsobjekte ganz selbstverständlich vernetzt sind und miteinander interagieren. In erster Linie denke ich in diesem Zusammenhang an Konsumgüter, das vernetzte Auto, intelligentes Energiemanagement für das private Zuhause oder ein perfektes Gesundheitssystem. Ich stelle mir eine Welt vor, in der manches einfach viel einfacher geworden ist, weil logische Punkte meines Lebens automatisch ineinandergreifen, ohne dass ich der Mittler sein muss. Was aber hat das Ganze mit Banken zu tun? Oder warum hat es noch viel zu wenig mit Banken zu tun?

Doch gehen wir einen Schritt zurück: Was steckt eigentlich hinter der „We Economy“? Sie bedeutet die nachhaltige Veränderung von Geschäftsmodellen. Nicht die einzelne Geschäftsidee, Technologie und auch Organisation ist der Schlüssel zum Erfolg. Spitzenleistungen werden nur im Zusammenspiel in einem ganzen Ökosystem aus verschiedensten Spielern erreicht. Und hier kommen ganz selbstverständlich die Banken ins Spiel: Bestehende Branchengrenzen lösen sich rasant auf und müssen auch in der Finanzwirtschaft auf den Prüfstand. Denn Kundenzentriertheit nimmt keine Rücksicht auf gewachsene Strukturen und verlangt neben Kooperationen ein ganz neues Serviceverständnis. Für künftiges Wachstum müssen sich Institute zwingend im Zentrum digitaler Servicenetzwerke positionieren und mit zahlreichen Partnern zusammenarbeiten.

Führende Beispiele aus anderen Branchen zeigen, wie es geht. Homedepot setzt zum Beispiel voll auf den Trend des vernetzten Zuhauses. Alle smarten Produkte im Sortiment können ganz einfach in das System „Wink“ integriert werden und machen damit ganz neue Dienste für den Nutzer daheim möglich. Oder betrachten wir die offene Datenplattform von Philips und Salesforce im Bereich Healthcare: Aus den Daten von Millionen vernetzter Devices – von den eigenen Medizintechnikgeräten bis hin zum AppleWatch – können ganz neue Gesundheitsanwendungen kreiert werden. Solche Lösungen verändern nicht nur die Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten fundamental, die Effizienz des gesamten Gesundheitssystems kann damit erheblich verbessert werden.

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Auch die Grenzen in der Bankindustrie lösen sich zunehmend auf, allerdings von außen. Fintech-Start-ups drängen in den Markt und gehen mit ihren kundenzentrierten Angeboten ganz natürlich über bestehende Sektorbarrieren hinweg. So verbindet Simple – inzwischen Teil von BBVA – die Angebote ganz verschiedener Finanzdienstleister auf einer benutzerfreundlichen Oberfläche. Statt mit Bank A oder Kreditkartenanbieter B zahlen Kunden hier nur noch mit einer eigens herausgegebenen Kreditkarte. Der eigentliche Kundenkontakt findet nur noch zwischen Simple und seinen Nutzern statt. Banken werden hier ausgesperrt und fungieren nur noch als Infrastrukturanbieter im Hintergrund. Sie werden beliebig ersetzbar. In die gleiche Kerbe schlägt übrigens auch Numbrs als weiteres FinTech-Start-ups. Oder betrachten wir die zahlreichen Payments- und Lendingplattformen – von Flattr und Paypal bis Lendico, die Stück für Stück den Banken Marktanteile mit alternativen Geschäftsmodellen streitig machen. All das zeigt: Werden Banken nicht Teil eines Netzes rund um die Lebenssituation ihrer Kunden, steigt das Risiko, von FinTechs angegriffen zu werden.

Die neuen Wettbewerber können vor allem eines besser: Sie orientieren sich unmittelbar am Kunden und bauen ihre Strukturen, gemeinsam mit allen notwendigen Partnern, um ihn und seine Bedürfnisse herum. Genau das ist We Economy in Reinform. Auch Banken sollten daher schleunigst selbst aktiver Teil neuer Finanz-Ökosysteme rund um ihre Kunden werden. Wer seinen digitalen Vorsprung hinter den Mauern des eigenen Institutes erarbeitet, ohne sich dabei ein Netzwerk an Partnern aufzubauen, für den wird es höchste Zeit umzudenken.

Was die „We Economy“ im Detail ausmacht und welche einzelnen Schlüsseltrends dahinter stehen, darauf werde ich demnächst noch einmal detailliert eingehen. Bis dahin kann ich Ihnen unsere Technology Vision 2015 für den Bankensektor zur Lektüre empfehlen. Sie können diese hier herunterladen.

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