Accenture Banking Blog
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Zu Beginn dieses Jahres mussten die global systemrelevanten Banken (G-SIBs) die Anforderungen von BCBS 239 vollständig umgesetzt haben. Zeit Bilanz zu ziehen, wie es um die Umsetzung derzeit bei den europäischen Banken steht und welche Implikationen für andere Institute abgeleitet werden können. Denn es ist abzusehen, dass die Prinzipien in die MaRisk aufgenommen werden – und somit für alle deutschen Institute relevant werden, nicht nur für die national systemrelevanten Banken (D-SIBs).

Doch was können die kleineren Banken von den globalen Vorreitern lernen? Was sind die wesentlichen Herausforderungen und Lösungsansätze für erfolgreiche BCBS 239 Projekte? Ich sehe vier Bereiche, hinter denen sich die Antwort verbirgt.

1. Komplexität annehmen

Die größten Herausforderungen, die sich aus den vom Baseler Ausschuss formulierten Grundsätzen ergeben, sind deren unklarer Umfang und die unzureichende Konkretisierung. BCBS 239 greift einerseits weitreichend in die Risikosteuerung und das Reporting der Banken ein, bleibt aber andererseits sehr ungenau bei der Definition bzgl. Umsetzung und Erfüllung der Anforderungen. Schon vor Beginn der eigentlichen Umsetzung sollten sich Banken daher dem Zuschnitt des entsprechenden Projekts ebenso zuwenden wie der Identifikation der steuerungsrelevanten Kennzahlen, Reportings und betroffenen Systeme. Das in den BCBS Grundsätzen definierte Materialitätskonzept sollte hierbei immer im Vordergrund stehen.

2. Anforderungen mit eigenen Zielen verbinden

Trotz der großen Herausforderungen bietet BCBS 239 den Banken aber zugleich auch Chancen – über die reine Compliance hinaus. Vorteile ergeben sich besonders dann, wenn eine Bank sich nicht nur die Umsetzung der definierten Minimalanforderungen als Ziel setzt, sondern ein Umsetzungsprogramm mit weitreichenden Veränderungen der IT-Infrastruktur bzw. –Architektur und der Reporting-Prozesse startet. Indem dieses Programm mit weiteren Initiativen zur Modernisierung und Optimierung verbunden wird, lässt sich das eigene Haus noch zukunftsfähiger aufstellen. Auch viele unserer Kunden prüfen bspw. eine weitreichende Integration der Finanz- und Risikoarchitektur oder auch den Einsatz neuer Technologien wie Data Analytics oder Big Data. Solche grundlegenden Veränderungen sind der richtige Weg, um bei zukünftigen regulatorischen Anfragen und neuen internen Anforderungen an das Risikocontrolling besser aufgestellt zu sein – insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung der Europäischen Zentralbank hin zu granulareren Erhebungsverfahren und Mikrodatenbanken (Stichwort AnaCredit).

3. Tools nutzen, Zuständigkeiten definieren, manuelle Workarounds abschaffen

Die Anforderungen von BCBS 239 in Bezug auf Datenqualität und das interne Berichtswesen machen oftmals tiefe Eingriffe in die IT-Architektur und -Prozesse der Banken notwendig. Das bietet auch die Gelegenheit, über Jahre gewachsene Systeme und Strukturen auf den Prüfstand zu stellen. Dabei sollten Wissensmonopole bei einzelnen Mitarbeitern bzw. Abteilungen abgebaut und Management Overwrites eingeschränkt werden. Gleichzeitig gilt es, die Automatisierung von Datenverarbeitung und -bereinigung sowie Reportingprozessen zu erhöhen, indem manuelle Workarounds reduziert, also individuelle Datenverarbeitungslösungen (IDVs) abgebaut werden.

Um das grundsätzliche Ziel, eine Verbesserung der Datenqualität, zu erreichen, müssen Data Quality und Data Governance eng miteinander verzahnt werden. Risikodaten und Reports benötigen eine Data Governance mit klar definierten Berichtswegen, Aufgaben, Zugriffsrechten und Verantwortlichkeiten bis auf die höchste Ebene. Durch den Einsatz von Data Quality und Data Governance Tools können die end-to-end-Übermittlung von Daten vereinfacht, Fehler vermieden und Daten bereinigt werden.

4. Bereits gemachte Erfahrungen der Branche nutzen

BCBS 239 ist eine weitere von vielen Anforderungen der Aufseher und Regulatoren an die Bankenbranche. Die passgenaue Umsetzung für das jeweilige Institut ist dabei sehr wichtig. Gleichzeitig zeigen unsere Erfahrungen bei der Begleitung regulatorischer Umsetzungsprojekte aber immer wieder, dass der Austausch unter den Häusern und die Verwendung von Best-Practice-Ansätzen erfolgskritisch sind.

Kurzum – mit BCBS 239 sind die Themen Governance, Infrastruktur, Qualität der Risikodaten und Reporting in den Fokus der Bankenaufseher gerückt. Die großen haben den Weg bereitet, das Pflichtenheft liegt nun in den Händen der nächstkleineren Institutsvertreter. Übrigens wird das Thema auch auf der diesjährigen „Gesamtbanksteuerung 2016“ am 26. Februar eine wichtige Rolle spielen, mein Kollege Karsten Ebersbach wird dort persönlich zu Erfahrungen aus Projekten berichten

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