Accenture Banking Blog

Anknüpfend an meinen letzten Blockbeitrag zu den Geschäftsvorfällen und Anlageklassen, die bereits heute für den Einsatz der Blockchain geeignet sind, geht es beim heutigen Beitrag unter anderem um Fragestellungen zu möglichen Einsatzrisiken, die Skalierbarkeit der Basistechnologie und die Rolle von Konsortien.

1. Wie kann ein Finanzinstitut den Einstieg ohne Risiko wagen?

Erste Erfahrungen mit Blockchain können Investmentbanken in Bezug auf nicht liquide Anlageklassen sammeln, ohne ein zu hohes Risiko einzugehen. Fehler und Verzögerungen in deren Abwicklung können, wenn nötig, manuell behoben werden oder man wickelt diese Geschäfte alternativ ab. Wenn Dokumente und Tabellen im Einsatz sind, die im heutigen Prozess noch per Email ausgetauscht werden, dann sind das genau die Geschäfte, für die sich eine Migration auf Blockchain ohne Risiko anbietet.

2. Ist die aktuell verfügbare Technologie in der Lage, das Volumen des Kapitalmarkts zu unterstützen?

Je komplexer die Sicherheitsvorkehrungen sind, desto stärker wird die Performanz unter dem hohen Volumen leiden. Die Nutzung von „proof-of-work“[1] Algorithmen in öffentlichen Blockchains (wie in Bitcoin) ist für den Kapitalmarkt nach aktuellem Stand nicht leistungsfähig genug. Aufgrund der bekannten Kontrahenten im Kapitalmarkt, sind in privaten Blockchains „proof-of-stake“[2] Ansätze wesentlich performanter. Die Anwendung von „private/public key“ Infrastrukturen, die bereits seit Jahren im Einsatz sind, stellt in diesen privaten Blockchains auf eine bewährte und leistungsstarke Art sicher, dass nur die berechtigten Kontrahenten den Zugriff auf die geschützten Daten und Transaktionen haben.

3. Welche Rolle nehmen Konsortien bei der Verbreitung der Blockchain-Technologie ein? Welche werden sich durchsetzen?

Ein gemeinsames Interesse der etablierten Finanzdienstleister, IT-Technologieunternehmen und vieler FinTechs ist die Etablierung von Standards, die die Akzeptanz und Durchsetzung der Blockchain-Technologie im Markt wesentlich fördern und beschleunigen würden. Diese gemeinsame Zielsetzung hat in den letzten Monaten zur Bildung einiger großer Kooperationen und Konsortien geführt. Zwei unterschiedliche Ansätze werden hierbei verfolgt:

  • Die beschleunigte Weiterentwicklung der Blockchain-Basistechnologie, die Definition und Verbreitung eines akzeptierten Technologiestandards
  • Die Entwicklung konkreter Anwendungsfälle unter Nutzung der Blockchain-Technologie und deren Entwicklung bis zum marktreifen Einsatz

Beispiele hierfür sind die Hyperledger Kollaboration und R3 CEV. Hyperledger nutzt bewährte Methoden und Organisationsformen der Open Source Gemeinschaft und hat sich als Kernziel die Weiterentwicklung der Blockchain-Technologie zu einem offenen, robusten und unternehmenstauglichen Framework definiert. R3 CEV dagegen legt den Fokus stärker auf konkrete Anwendungsfälle und kommuniziert bereits offensiv erste Erfolge im Markt. Im Anschluss an die Gründung wurde der erfolgreich durchgeführte end-to-end Test auf der Basis eines Blockchain-Prototypen veröffentlicht. Besonders interessant hieran ist die Nutzung der von Microsoft entwickelten und cloudbasierten Blockchain-as-a-Service (BaaS) Azure Plattform.

4. Und nicht zuletzt: Wie lange wird der Hype andauern?

Entgegen einiger skeptischer Aussagen von Marktteilnehmern, die eine langsamere Durchsetzung der Blockchain-Technologie prognostizieren, erwarte ich zeitnah die Pilotierung konkreter Plattformen am Markt die sich in den nächsten zwei Jahren rasant in alternative Marktplätze entwickeln werden. Hierfür müssen einige Erfolgsfaktoren erfüllt werden:

  • Entwicklung überzeugender Anwendungsfälle (z.B. im Collateral Management, Wertpapierleihe, Kapitalmaßnahmen)
  • Akzeptanz des Partnerschaft Modells unter den Teilnehmern.
  • Erreichen einer kritischen Masse (gemessen an der Anzahl „Teilnehmer einer Plattform“ oder den abgewickelten Geschäftsvorfällen)
  • Integrierbarkeit in die bestehenden Legacy-Anwendungslandschaften
  • Erfüllung regulatorischer Anforderungen
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Welche Handlungsoptionen haben die etablierten Finanzdienstleiter?

Die Unternehmen werden sich bewusst für eine angemessene Strategie entscheiden, die Leitlinien für die Auseinandersetzung mit der Blockchain vorgibt. Je nach Unternehmenskultur und Innovationsfreude werden sie sich für eine schnelle und aktive Pilotierung und Implementierung entscheiden. Denn bereits heute kann in den internen Geschäftsprozessen und IT-Plattformen die systematische Suche und Auswahl geeigneter Geschäftsvorfälle (use-cases) vorangetrieben werden. Die IT-Abteilungen sind aufgefordert sich mit den technologischen Grundlagen, den bereits heute am Markt verfügbaren kommerziellen Lösungen und der Integrierbarkeit zu beschäftigen.

Wenn Sie mehr zu Blockchain und FinTechs erfahren möchten, dann besuchen Sie uns auf unserer Website „Impulse für Finanzdienstleister“ und lesen Sie unseren neusten Point-of-View „Wenn der Blockchain-Nebel sich lichtet“.

[1] „proof of work“: Zu seiner Legitimierung muss der Requester einer Transaktion eine bestimmte Aufgabe erfüllen.

[2] „proof of stake“: Die Teilnehmer oder Nodes werden aufgefordert den Besitz (Stake) eines anderen Teilnehmers zu bestätigen.

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