Accenture Banking Blog

Peer-to-peer Lending oder auch Crowdlending gilt aktuell nicht ohne Grund als die erfolgversprechendste FinTech-Innovation. Kreditgeber und -nehmer treten hier über Plattformen in direkten Kontakt – klassische Disintermediation. Angesichts jährlicher Zuwachsraten von über 100% geraten traditionelle Banken durch die Plattformen in den Ursprungsländern Großbritannien und USA zunehmend unter Druck. Diese Welle erreicht nun auch den deutschsprachigen Raum. Spätestens seit den letzten zwei Jahren gewinnt Peer-to-peer Lending auch hier an Fahrt, mit jährlichen Zuwachsraten von ebenfalls knapp 100%. Neben dem Privatkundengeschäft rückt dabei zunehmend auch die Kreditvergabe an Unternehmen in den Fokus.

Doch wie können traditionelle Banken auf die zunehmende Ausbreitung von Peer-to-peer Lending reagieren? Banken stehen dabei an der Weggabelung und müssen wählen: Zur Disposition steht einerseits die Entwicklung einer eigenen Peer-to-peer Lending-Lösung, andererseits ist auch die Kooperation mit bestehenden Anbietern eine attraktive Option.

Über die Entwicklung einer eigenen Peer-to-Peer Plattform kann sich die Bank im digitalen Wettbewerb als Innovator positionieren. Zudem sorgt dieser Wettbewerb aus den eigenen Reihen dafür, dass die Kundengelder in der Unternehmensgruppe gehalten werden, statt zu alternativen Finanzanbietern abzuwandern. Bei der Umsetzung stellt sich dennoch die Frage, ob das Rad tatsächlich neu erfunden werden muss. Und wie können die Entscheidungsprozesse innerhalb einer Bank so angepasst werden, dass sie mit der Agilität der Peer-to-peer Plattformen im Wettbewerb mithalten können?

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Genau hier kommt die zweite Option ins Spiel: die Kooperation zwischen Banken und P2P-Spielern im Markt. Schließlich ist der Aufbau eigener Ressourcen für Kreditinstitute mit erheblichen Kosten verbunden. Die Zusammenarbeit bietet in gewisser Weise das Beste aus beiden Welten. Denn bei den meisten Peer-to-peer Startups sind vor allem drei Ressourcen knapp: Kundenvertrauen, ergänzendes Kapital für die Kreditvergabe und attraktive Kreditnehmer. Gerade etablierte Banken sind besonders gut in der Lage, diese Lücke zu schließen. Dass genau dies ein erfolgversprechendes Modell sein kann, zeigt sich in Grossbritannien und den USA, wo Finanzinstitute vermehrt mit den Größen der Peer-to-peer Lending Szene zusammenkommen. So ist jüngst die traditionell konservative US-amerikanische Union Bank mit dem lokalen Peer-to-peer Lending-Platzhirsch Lending Club eine Allianz zur Schaffung neuer Kreditprodukte eingegangen. Gleiches gilt für die Zusammenarbeit von Metrobank und Zopa in Großbritannien. Es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis ähnliche Modelle in den deutschsprachigen Märkten auftreten werden.

Neben der Geschäftsrelevanz von Peer-to-peer Lending zeigt diese Entwicklung aber noch etwas anderes. Die anfänglichen Prognosen einer Entmachtung der Banken durch innovative Kreditanbieter waren voreilig. Anstelle einer Disruption des Kreditwesens sehen wir hier eher eine Evolution, bei der Peer-to-peer Anbieter und Banken gemeinsam die Kostenvorteile einer Co-Produktion des Kreditprodukts mit dem Endkunden heben – und zugleich die Banken die benötigte Nachfrage nach Krediten einbringen können. Für eine holistische Sicht auf den Finanzbedarf verbleibt die Kundenbeziehung bei der Bank, während die Peer-to-peer Plattformen bei Krediten dedizierte Produkte zuliefern.

Dieser Prozess ist fast schon exemplarisch. Erst die Innovationskraft junger Unternehmen, gepaart mit der Markt- und Markenmacht etablierter Player, sorgt für ein Neudenken der bestehenden Geschäftspraktiken in der Breite. Berührungsängste sind also fehl am Platze. Gerade bei komplementären Angeboten sollten die Finanz-Platzhirsche weit mutiger auf die New Kids on the Block zugehen. Denn wenn jeder seine Stärken einbringt, kann ein enormes Wachstum für beide entstehen.

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