Accenture Banking Blog

In meinem letzten Blogpost bin ich auf die Auswirkungen von MiFID II auf die Gestaltung und Vermarktung von Finanzprodukten eingegangen. Das neue Regelwerk greift jedoch besonders in den Vertrieb ein. Gerade hier lohnt ein weiterer Blick auf die Auswirkungen für Verbraucher, die ja im Kern durch die Richtlinie besser geschützt werden sollen.

Noch mehr Papier und umfangreiche Aufzeichnungen

Dem Verbraucherschutz dienen auch die umfänglichen Informationspflichten, die bei der Anlageberatung und dem Abschluss von Geschäften zu erstellen sind. Bereits heute wird dem Verbraucher ein umfängliches Paket an die Hand gegeben, um ihn in die Lage zu versetzen, die Empfehlungen des Anlageberaters vor seiner Entscheidung zu verifizieren. Nach neuem Recht wird dieser Ansatz mit zunehmenden Dokumentations- und Materialumfang weiter ausgebaut. Dass dies zu einer besseren Anlageentscheidung führt, darf nach den bisherigen Erfahrungen allerdings bezweifelt werden. Die Überfrachtung des Kunden dürfte eher dazu führen, dass er die gegebenen Informationen noch seltener gründlich studiert. Allerdings kann der Verbraucher durch neue Aufzeichnungspflichten mit einer Stärkung seiner rechtlichen Position rechnen. Schließlich wird das Recht auf Zugang zu Aufzeichnungen ausgeweitet, einschließlich der gespeicherten Telefonate oder der in elektronischer Form dokumentierten Geschäftsabschlüsse.

Vertriebszuwendungen nicht nachvollziehbar geregelt

Der Umgang mit materiellen oder immateriellen Zuwendungen durch Produktemittenten für den Vertrieb von Finanzprodukten ist bereits in der Vergangenheit intensiv diskutiert worden. Am grundsätzlichen regulatorischen Ansatz wird sich auch mit Einführung der MiFID II nichts ändern. Allerdings werden die geltenden Anforderungen verschärft: Zuwendungen, die im Zuge der Kundengeschäfte vereinnahmt werden, müssen nun unmissverständlich dazu bestimmt sein, die Qualität der dem Kunden angebotenen Dienstleistung zu erhöhen. Interessanterweise wird im Vorhalten eines Filialnetzes, das insbesondere für die dezentral organisierten Sparkassen- und Genossenschaftsbanken typisch ist, eine Qualitätsverbesserung vermutet. Diesen Banken wird zugestanden, dass sie aus den Zuwendungen ihre extensive Präsenz in der Fläche finanzieren. Das dürfte den Kunden über die vor Ort angebotenen Beratungsleistungen zu Gute kommen. Anders ist es hingegen beim Angebot von Research-Dienstleistungen (z. B. Branchen- und Aktienanalysen). Diese werden künftig nicht mehr kostenfrei angeboten, womit die Nachfrage durch die Kunden sinkt und das Informationsangebot ausgedünnt wird. Kritiker befürchten daher weitere negative Folgen für die in Deutschland ohnehin schwach ausgeprägte Aktienkultur und das politische Ziel, auch private Anleger an die Aktienanlage heranzuführen.

Hohe Kostentransparenz

Neue Wege beschreitet der Gesetzgeber mit Blick auf die Kostentransparenz für den Kunden. Er darf künftig eine Information über Kosten und Nebenkosten sowohl der ihm angedienten Finanzinstrumente als auch der ihm erbrachten Dienstleistung erwarten. Auch Zuwendungen sind aufzuführen. Dabei sind dem Kunden sowohl die Gesamtkosten zu vermitteln. Zudem muss dargestellt werden, wie die Kosten die Rendite beeinflussen. Auf Verlangen des Kunden sind sogar die einzelnen Posten aufzugliedern. Neben den Transaktionskosten zählen hierzu auch Kostenbestandteile, die über die Haltedauer des Produkts hinweg anfallen, wie etwa Verwahrkosten. Insoweit muss mit pauschalen Annahmen gearbeitet werden. Gerade bei einer Ordererteilung am Telefon ist dabei nicht praktikabel, dass diese Informationen schon vor der Ordererteilung dem Kunden zur Verfügung zu stellen sind.

MiFID II beinhaltet aus Verbrauchersicht viele sinnvolle Maßnahmen, die seine rechtliche Position stärken. Zugleich brockt die Neuregelung der Finanzbranche und dem Kunden zusätzliche Bürokratie ein und verbaut möglicherweise Chancen in der Geldanlage. Außerdem widerspricht die mit der Regulierung einhergehende Standardisierung im Produkt- und Dienstleistungsangebot dem zunehmenden Bedürfnis der Verbraucher nach individuellen Leistungen. Die Herausforderung für die Institute wird daher sein, einen sinnvollen Umgang mit den neuen Anforderungen zu finden. Nur so werden sie dem eigenen Anspruch gerecht werden können, auch künftig als Geschäftspartner für die breite Masse der Verbraucher zu fungieren.

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