Accenture Banking Blog

In meinem letzten Blogpost bin ich ja bereits auf die zögerliche Haltung der Banken gegenüber der Cloud eingegangen. Angesichts der bestehenden tatsächlichen oder vermeintlichen Hürden konnten sich die meisten Entscheider trotz eindeutiger Kostenvorteile bislang ja nicht wirklich für die Technologie begeistern. Doch spätestens die Digitalisierung erhöht nun massiv den Handlungsdruck. Schließlich erfordert die Digitale Transformation ein ganz neues Niveau der Flexibilität. Neue digitale Services sind mit systemischen Altlasten schlichtweg nicht lieferbar.

Plug&Play statt Warteschleife in der Entwicklung von Services

Bei vielen meiner Kunden kann der Aufbau einer Entwicklungs- oder Testumgebung für Digitale Neuentwicklungen gerne mal drei Monate und mehr in Anspruch nehmen, und dann sind häufig wesentliche Fragen immer noch ungeklärt – wie z. B. die Verantwortung für dringend benötigte Tools, die in der Bank nicht vorhanden sind. In vergleichbarer Zeit haben FinTechs bereits erste Prototypen am Markt und können entstandene Nischen besetzen. In der Cloud können Umgebungen quasi auf Knopfdruck inklusive integrierter Toolchain bereitgestellt und ebenso schnell wieder eingeklappt werden. Binnen Minuten werden hier die infrastrukturellen Grundlagen geschaffen, quasi im Plug&Play-Modus, um die Entwicklung neuer Lösungen direkt zu starten. Das spart enorm Zeit und Kosten.

Neue Funktionalitäten „Ready to Fly“

Angesichts des Erfolgs von Cloud-Lösungen im Markt gehen viele Anbieter dazu über, ihre Lösungen bevorzugt oder gar exklusiv in der Cloud anzubieten. Hierzu gehören nicht nur einschlägige Player wie Salesforce oder ServiceNow, sondern auch Schwergewichte wie SAP oder auf spezielle Fachlichkeit spezialisierte SaaS-Anbieter wie Workday für HR. Und so manche (Cognitive) Analytics Lösung wird erst dann richtig smart, wenn die Bankdaten mit öffentlich verfügbaren Daten in Bezug gesetzt werden können – ein solcher Abgleich mit enormen externen Datenmengen ist mit den beschränkten Ressourcen im eigenen Rechenzentrum gar nicht möglich. Banken, die Cloud-Modelle weiterhin ignorieren, drohen also den funktionalen Anschluss an wesentliche Treiber der Digitalisierung zu verlieren.

Frischzellenkur für die IT-Legacy

Die Cloud adressiert aber längst nicht nur die Entwicklung neuer Lösungen. Sie kann auch zur Frischzellenkur für die veralteten Systeme, die spezifischen Anwendungen und die IT-Architektur werden. Hier besteht bei vielen Banken bekanntlich ein erheblicher Sanierungsstau, kombiniert mit einer starken Zerfaserung der IT, unzähligen redundanten Systemen, jenseits des Lebenszyklus und den immer kritischeren Fragen der Regulatoren. Über Jahre wurden Maßnahmen mit Blick auf den Lebenszyklus von IT-Anwendungen und die Pflege der Systeme vernachlässigt – mit ihnen war schlichtweg kein Business-Case verknüpft. Cloud Services können einen wichtigen wenn nicht entscheidenden Beitrag zur kostengünstigen und schnellen Ablösung von Altsystemen leisten und sollten daher bei anstehenden Ablösungen immer zuerst evaluiert werden („Cloud First“).

Kernbanksysteme werden handhabbar

In der Cloud diszipliniert der Zwang zur Standardisierung die Anwenderseite. Die gleichzeitige Unterstützung von in der Regel nur zwei Versionen lässt einen Rückstau gar nicht erst entstehen. Damit wird die Cloud zugleich zu einem wichtigen Treiber der Regulatory Compliance in diesem Bereich. Auch die Renovierung von Kernbankensystemen lässt sich somit anpacken. Einerseits lassen sich diese „Kronjuwelen“ der Institute durch die schrittweise „Cloudifizierung“ von Umsystemen deutlich verschlanken, was die Neuentwicklung und Migration des verbleibenden Kerns wesentlich erleichtern kann. Andererseits ermöglichen Cloud-Plattformen aber auch den Neuaufbau dieses Bankenmotors auf der grünen Wiese, um so das „dunkle Erbe“ hinter sich zu lassen – erste Beispiele sind im europäischen Bankenmarkt bereits produktiv.

Mit der Cloud sparen Banken also nicht nur mittel- bis langfristig Geld. Sie können sich mit der Technologie auch weit agiler am Markt aufstellen und den FinTech-Speedbooten mit ihren kundenzentrierten Angeboten etwas entgegensetzen. All dies wird die gemeinsame Adressierung der Herausforderungen Compliance und Security und damit den Weg der Finanzspieler in die Datenwolke in den nächsten Monaten deutlich beschleunigen. Die Aufholjagd hat begonnen.

 

 

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