Accenture Banking Blog

Die Revolution im Zahlungsverkehr rückt unaufhaltsam näher. Was Mobile Payments versprochen haben, werden künftig Instant Payments einlösen. Solche unmittelbar ausgelösten und gutgeschriebenen Zahlungen – ob im Privatkundengeschäft oder als neuer Ansatz im Cash Management von Unternehmen – werden die Art wie Privatkunden oder Unternehmen Geld transferieren radikal verändern. Kreditkarte, Bargeld, selbst SEPA-Zahlungen – Instant-Verfahren könnten sie alle ersetzen. Und gleichzeitig kann das über die vorhandene Banken-Infrastruktur abgewickelten Instant Payment das Mittel zur Bindung der Konsumenten, Händler und Firmen an ihre Banken sein. Schließlich verspricht diese Form des Zahlungsverkehrs für alle Beteiligten wesentliche Vorteile durch Schnelligkeit, Sicherheit und günstigste Abwicklung. Bereits ab Ende 2017 stehen die zugrundliegenden Clearingmechanismen zur Verfügung. Banken müssen daher schnellstmöglich ihre Zahlungsverkehrs- und Digitalstrategie für Instant Payments überarbeiten und in die Pilotierung von Instant Payments starten.

Countdown läuft

Die Gründe für die Eile liegen auf der Hand. Einerseits ist schon jetzt ein intensiver Wettbewerb rund um dieses neue Produkt absehbar, unter den Banken aber auch von Bank-fremden Wettbewerbern. Dies wird zudem erleichtert durch PSD2, die nicht-Banken den Zugang zur Bankinfrastruktur deutlich erleichtert. Andererseits zeigen auch die Erfahrungen aus der Einführung von SEPA, dass der Zeitplan äußerst ambitioniert ist. Mitunter sind seinerzeit bis zu zwei Jahre vergangen, bis entsprechende Lösungen standen. Bezogen auf die Generation der Instant Payments bleiben damit – wenn wir ehrlich sind – gerade einmal 18 Monate, bevor die Systeme testbereit sein müssen. Daran ändert auch nichts, für welche strategische Positionierung sich Kreditinstitute im Kontext von Instant Payments entscheiden mögen [Lesen Sie dazu auch meinen letzten Beitrag zu Instant Payments].

SEPA-Musterschüler punkten auch bei Instant Payments

Sicherlich sind gerade Banken, die bereits bei SEPA auf eigene Verarbeitungsstrecken gesetzt haben, hier klar im Vorteil. Denn diese werden Instant Payments als quasi-Derivat im SEPA-System verarbeiten können. Problematischer sieht es allerdings bei Instituten aus, die bereits bei der Einführung des einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrssystems mit Konvertierungs-Lösungen eher improvisiert haben. Zudem arbeiteten manche Bankinfrastrukturen noch nicht mit Realtime fähigen Kernsystemen und müssen damit wiederum improvisieren, da die Zeit und die Budgets für teure, komplexe und langwierige Kernbankprojekte nicht vorhanden sind.

Clearingfrage klären

Hier steht auch im Mittelpunkt der Debatte, für welche Clearingmechanismen sich die Kreditinstitute entscheiden wollen. Sind lokale Strukturen besser als internationale Spieler? Wie effizient ist der Settlement-Mechanismus? Und welche Services bringt der sogenannte Service-Layer der Clearing-Lösungen? Wer kann beispielsweise eine europaweite Adressierung von Empfängern über Mobil-Telefonnummern statt der umständlichen IBAN anbieten?

UK als Blaupause

Dass Instant Payments all die Mühe wert ist, zeigt allein der Blick nach UK. Nachdem die Einführung der (durchaus vergleichbaren) Faster Payments 2008 recht langsam gestartet ist, verzeichnet das System inzwischen ein exponentielles Wachstum. 2013 gab es bereits knapp eine Milliarde Transaktionen mit einem Volumen mehr als 770 Milliarden Pfund. Das satte zweistellige Wachstum der vergangenen Jahre wird sich wohl auch künftig weiter fortsetzen. Die Erwartungen für SEPA Instant Payments sind sogar deutlich grösser, unter anderem aufgrund der Verbreitung moderner, mobiler Endgeräte, des Onlinehandels und des Internetbankings. Die starken Wachstumsraten in Dänemark seit der dortigen Einführung 2014 unterstützen diese Erwartung.

Mit der Einführung von Instant Payments in Deutschland, Österreich und der Schweiz können insofern auch unsere Banken auf neue Ertragsquellen hoffen. Doch dafür müssen, wie schon beschrieben, zunächst die notwendigen Hausaufgaben gemacht werden.

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