Accenture Banking Blog
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Wollen Bankkunden tatsächlich Bankprodukte nutzen? Oder ist eine Bankdienstleistung nicht eher ein Mittel zum Zweck – ein Vehikel, um ein spezifisches Bedürfnis zu decken? Ich denke, beides. Die Digitalisierung rückt den Fokus allerdings unaufhaltsam auf Letzteres.

Wer teilt, gewinnt!

Ein Autokäufer will nämlich in erster Linie keine Finanzierung von einer Bank, sondern Mobilität, der Baukreditnehmer die eigenen vier Wände statt nur Geld. Kreditinstitute sollten daher aufhören, nur in ihren bestehenden Produktkategorien zu denken, die von darauf spezialisierten Organisationseinheiten erdacht werden. Und sie sollten sich von dem Gedanken verabschieden, bei der Bedienung ihrer Kunden immer exklusiv in der ersten Reihe zu stehen. Schließlich sind die heutigen Bedürfnisse der Menschen häufig nicht mehr innerhalb klassischer Branchengrenzen adressierbar. Nur wer teilt, kann gewinnen. Das bringt mich auch schon zu einem der Schlüsseltrends unserer diesjährigen Tech Vision für Banken: der Platform Economy.

Netzwerke sind Grundlage der Digitalwirtschaft

Warum ist dieser Trend so wichtig und wo liegt konkret die Stärke der Kooperation? Sie setzt eben nicht bei einem spezifischen Produkt oder Service für den Kunden an. Wertschöpfungsnetzwerke nehmen den Kunden als das wahr, was er ist: ein komplexes Wesen mit höchst unterschiedlichen, sich wandelnden Bedürfnissen in einem hochdynamischen Umfeld. Insofern geht es in Ökosystemen aus Banken, Fintechs, Technologieunternehmen und zahlreichen weiteren, auch branchenfremden Partnern darum, die jeweils eigenen Services nicht nur den eigenen Kunden, sondern auch zahlreichen potenziellen Partnern zur Verfügung zu stellen. Dafür braucht man nicht zuletzt eine digitale Plattform, über die man seine Services einfach und sicher anbieten kann. 84 Prozent der Banken sehen digitale Plattformen daher nicht umsonst als Schlüsselelement der digitalen Wirtschaft.

Bankservices in andere Branchenlösungen integrieren

Gerade im Angebot von Bausteinen, die es anderen Netzwerkpartnern ermöglichen, neue Services anzubieten, steckt enormes Potenzial. Warum soll eine Finanzierung heute nicht ganz natürlich und nahtlos eingebettet sein in den digitalen Prozess zum Erwerb eines Produkts – vom neuen Fernseher bis zur Urlaubsreise? Über die richtigen Schnittstellen ist dies technisch längst kein Problem mehr. Telefónica macht das aktuell mit einem eigenen mobilen Bankkonto über die Kooperation mit der Fidor Bank vor. Kunden erhalten auf ihr Guthaben keine klassischen Zinsen, sondern im Gegenzug Freiminuten und Datenvolumen. Gerade für jüngere, Smartphone-begeisterte Kunden ist dies wahrscheinlich die bessere „Währung“. Oder denken wir an die Aspekte Sicherheit und Vertrauen. Banken unterliegen starker Regulierung, auch was die Authentifizierung der Kunden anbetrifft. Warum sollten die Institute den regulatorischen Druck dahingehend also nicht als Chance begreifen? Als Anbieter verifizierter IDs im digitalen Handel zum Beispiel können sie allen Beteiligten im E-Commerce Sicherheit geben.

Eigene Plattformen für Add-On-Geschäft

Was in die eine Richtung funktioniert, sprich: die Einbindung von Banking Services in Dienste und Produkte Dritter, ist aber auch umgekehrt denkbar. Kreditinstitute können selbst eigene Plattformen rund um ihre Kunden und deren Alltag entwickeln und Partnern den Zugang zu ihnen ermöglichen. So bietet die spanische BBVA ihren Kunden über ihre Plattform Servicios längst auch Smartphones und Reisen an. Auch wenn dies vielleicht nicht in die Strategie aller deutschen Bankingspieler passen mag: Interessant ist dieser Schritt, das eigene Servicespektrum um immer weitere relevante Dienste für den Kundenalltag zu erweitern, allemal.

Klar ist: Die Branchengrenzen verschwinden. Hier setzen fast alle disruptiven Geschäftsmodelle an. Sie stellen das Kundenerlebnis in den Vordergrund. Daran können sich auch Banken orientieren und Optionen für netzwerkbasierte Geschäftsmodelle rund um den Menschen in Erwägung ziehen.

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