Accenture Banking Blog

Dass die Kernbankensysteme der Finanzinstitute in die Jahre gekommen sind, ist sicherlich kein Geheimnis mehr. Doch mit dem massiven Einzug digitaler Front-End-Anwendungen gerät das ohnehin schon fragile System zusehends an seine Grenzen. Der Kern wird den Anforderungen der neuen User Interfaces schlichtweg nicht mehr gerecht. Doch wie können Banken damit umgehen. Ein neuer Kern?

Den Monolithen entlasten

Eine erste symptomatische Antwort könnte so lauten. Einige Institute versuchen sich auch daran. Doch mit dem Neuaufbau sind erhebliche Unsicherheiten verbunden. Abgesehen von der extremen Komplexität gehen dafür oft Jahre ins Land, und die dafür eingesetzten Mittel fehlen an anderen wichtigen Stellen – etwa bei der notwendigen Digitalisierung rund um den Kunden. Nicht ohne Grund schreckt die Mehrheit der Marktteilnehmer daher vor diesem Schritt zurück.

Der systemische Monolith kann aber auch anders entlastet werden. Hier sehen wir im Markt vielfältige Varianten. Eine Option besteht darin, das Kernbankensystem durch die Vereinfachung von Prozessen und Produkten zu simplifizieren. Um neue digitale Anforderungen und Anwendungen aus dem Business zu berücksichtigen, sollten Banken jedoch noch einen Schritt weiter gehen. So könnte sich ein Layer, eine Zwischenschicht über dem Kernbankensystem mit Echtzeitreplikation aus den Originaldaten speisen und neue Funktionen autark abwickeln – von analytischen Use Cases bis hin zum Personal Finance Management. Prototyping und neue Features finden dann unabhängig auf der eingezogenen Plattform statt, im Kern verbleiben nur noch die klassischen Basisfunktionen wie der Zahlungsverkehr, die mittels Schnittstellen angesteuert werden.

Core-Banking

Schlanker Kern macht wettbewerbsfähig

Bezogen auf die ganze Vielfalt der Bankanwendungen wird damit nicht nur das „alte“ Kernbanksystem von den zahlreichen, im Laufe der letzten Jahre und Jahrzehnte hinzugefügten Anwendungen befreit. Das Finanzinstitut gewinnt auch deutlich an Agilität und verbessert in diesem Zuge die „Time to market“ für neue Anwendungen beim Kunden. In Zeiten, in denen neue Fintech-Spieler, ohne gewachsene IT-Legacy und unter Nutzung der Ressourcen Dritter, leichtfüßig um Wertschöpfungsbestandteile der Banken konkurrieren, ist dieser Aspekt ein wesentlicher Schlüssel für langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Die Verschlankung der Kernbank adressiert jedoch noch einen weiteren wesentlichen Aspekt. Banken können die herausgelösten Funktionen modularisieren. Damit könnten nicht differenzierende Prozesse und Systeme in einem nächsten Schritt ganz ausgelagert werden, um das Institut insgesamt effizienter aufzustellen. Und noch etwas hat dieser Entlastungsakt für sich. Mit reduzierter Kernfunktion dürfte auch ein Neuaufbau des Systems weit weniger komplex und teuer werden.

Banken sollten daher aus der Not eine Tugend machen und den Druck auf ihr IT-System als Chance zur Veränderung begreifen. Ganz gleich für welche Variante sie sich mit Blick auf die Neudefinition des Kernbanksystems entscheiden: Nichtstun ist in keinem Fall eine Option. Anforderungen an die Effizienz, Geschwindigkeit im Markt und nicht zuletzt Regulierung fordern hier konkrete Taten.

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