Accenture Banking Blog

Die Marktbewertungen für Fintechs schießen in die Höhe, immer neue digitale Geschäftsmodelle erfinden ganze Segmente des Finanzmarkts neu – und doch glaube ich fest an die digitale Bank der Zukunft. Warum? Weil unter all dem Applaus und der Aufmerksamkeit für die glänzenden und kreativen neuen Spieler ein wesentlicher Faktor in Vergessenheit zu geraten droht. Unsere Kreditinstitute verfügen mit ihrer breiten Kundenbasis über eine hervorragende Ausgangslage, um künftig ein ganzes Ökosystem digitaler Services anzubieten und sich zum Spielmacher, einem Moderator auf dem digitalen Finanzmarktplatz zu entwickeln.

Kundenbestand in Wissen überführen

Sicher, der Siegeszug der FinTechs hat Banken in eine kurze heftige Schockstarre versetzt. Dies zeigt sich allein schon im Programm der diesjährigen Handelsblatt-Jahrestagung „Banken im Umbruch“ am 31. August und 1. September in Frankfurt. Die Themenfelder Fintech und digitale Bank bzw. digitales Banking sind hier schlichtweg nicht wegzudenken. Doch dieser Schock war ganz offensichtlich äußerst heilsam, denn inzwischen machen viele Finanzinstitute nach meiner Beobachtung größere Digitalisierungsschritte denn je. Wir brauchen hier schließlich weit mehr als die Überführung des Produktportfolios auf digitale Kanäle, so wie dies in der Vergangenheit gelebt wurden. Konkret heißt das:

  • Banken müssen ihr Kern-Asset, die vorhandenen Kundendaten, weit besser nutzen, um künftig Services und Produktbündel rund um die tatsächlichen Bedürfnisse anbieten zu können.
  • Dazu gehören auch weit bessere Analytik-Methoden und neue Möglichkeiten der Mikrosegmentierung.
  • Und Kreditinstitute müssen lernen, dass Finanzökosysteme von der Zusammenarbeit verschiedenster Partner leben. Fintechs sind in der neuen Banking-Normalität eben nicht mehr nur Konkurrenten, sondern mitunter wertvolle Mitstreiter.

Radikaler Strukturwandel statt „weiter wie bisher“

Gelebte Digitalisierung setzt aber auch im Innenleben der Bank an. Viele Kreditinstitute werden nicht müde, darauf zu verweisen, dass Start-ups ja längst nicht derartige IT- und Strukturaltlasten mit sich herumschleppen müssen. Aber wen interessiert das? Den Kunden sicherlich nicht. Um im digitalen Ökosystem eine gestaltende Rolle einzunehmen, sollten Banken daher ganz gezielt an der Agilität ihrer Wertschöpfungsprozesse arbeiten. Das lohnt sich:

  • Ich sehe die Cost-Income-Rate für das Retailbanking in drei Jahren bei 40-45 Prozent.
  • Zusätzlich gehe ich davon aus, dass mehr als 30 Prozent der derzeitigen, traditionellen Jobs in drei Jahren durch neue, wertschöpfende Tätigkeitsprofile ersetzt werden können z.B. Design Thinkers oder Data Scientists.
  • Digitaler Vertrieb und Produktabschlüsse werden darüber hinaus in den nächsten drei Jahren von heute im Schnitt 20 auf 50 Prozent ansteigen.

Erst mit einer agileren internen Aufstellung können neue, kundenzentrierte Services schnell und effizient „ausgerollt“ werden und auch skalieren. Neben Anpassung und Verschlankung von Kostenstrukturen sind hier auch kreative und radikale Schritte hilfreich. Denn wer sagt eigentlich, dass Back-Office-Funktionen nicht auch as a service eingekauft werden können?

Kernmerkmale zu digitalen Assets ausbauen

Doch wo können Banken bei neuen Services ansetzen? Welchen Mehrwert können sie auf den digitalen Marktplätzen und in Finanz-Ecosystemen bieten? Die Lösungen sind oft in fast schon banaler Weise naheliegend und stehen in direkter Verbindung zu den ureigenen Alleinstellungsmerkmalen. Betrachten wir das Beispiel der „digitalen Identität“.

  • Kreditinstitute haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten aufgrund der starken Regulierung riesige Kompetenzen aufgebaut, was die Authentifizierung von Kunden anbetrifft.
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  • Diese regulatorische Bürde wird für die digitale Bank zur Chance. Schließlich gewinnen sogenannte „Trust Based Services“ immer weiter an Bedeutung.
  • Zugleich kennt keiner seinen Kunden so genau wie die Banken. Ähnlich wie Facebook dies für zahlreiche Dienste mit seiner ID anbietet, könnten Banken künftig mit eindeutig identifizierten, nicht-verhandelbaren Sicherheitsstandards zum natürlichen Bindeglied zwischen allen Protagonisten auf dem digitalen Finanzmarktplatzes werden. Vertrauen wird damit zur Serviceleistung der Bank.

Der eigentlich Umbruch liegt in konsequenter Umsetzung

Kreditinstitute und ihre Rolle in neuen Wertschöpfungsnetzwerken: Ich glaube, wir stehen hier erst am Anfang einer langen Erfolgsgeschichte. Allerdings nur dann, wenn die neue Geschäftslogik gemeinsam mit einer neuen digitalen Umsetzungsmentalität rasch verinnerlicht wird. Für die End-to-End-Digitalisierung besteht heute und jetzt Handlungsbedarf. Hier liegt für mich der eigentliche Umbruch für die Bankindustrie. Womit wir wieder bei „Banken im Umbruch“ wären: Ich werde dort in einem Impulsvortrag noch etwas tiefer auf dieses hochspannende Themenfeld eingehen und würde mich freuen, mit Ihnen gemeinsam in intensiven Diskussionen genau die Ideen zu sammeln und die Kontakte zu knüpfen, die das Banking auf eine neue Stufe heben. Bis bald in Frankfurt!

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