Accenture Banking Blog

FinTech! Das scheint fast schon der Begriff der Stunde. In dieser Woche präsentieren in London im Rahmen der FinTech Week die Finalisten des aktuellen Jahresprogrammes ihre Projekte an die Investoren und auch ich warte mit Spannung auf die Ergebnisse.  Neue Entwicklungen – auch im ureigensten Betätigungsfeld der Banken – begegnen auch mir gefühlt fast schon täglich. Doch sind diese wirklich so einschneidend, wie das von Medien und Marktteilnehmern oftmals diskutiert wird? Oder ist es nicht vielmehr eine Art Feenstaub, ein gewisser Glanz, der Startup-Ideen grundsätzlich anhaftet?

Das sympathische Bild des kleinen und frischen Davids, der es mit dem etablierten Goliath der Branche aufnimmt – klar macht das auch FinTech-Entwickler in der Öffentlichkeit attraktiv. Aber oftmals sind dies doch eher schillernde Ideen, ohne dass sich deren Protagonisten bislang einem echten Härtetest am Markt stellen mussten.

Ganz gleich ob Prozesse hinter dem Zahlungsverkehr, das Transaktionsgeschäft selbst oder singuläre Aktivitäten im Privatkundengeschäft der Banken – die neuen Spieler in der Arena der Kreditinstitute sind natürlich da. Das will ich auch gar nicht bestreiten. Sie gehen heute verstärkt in diejenigen Bereiche, wo Institute schlichtweg zu unflexibel sind und neue Möglichkeiten noch nicht wahrgenommen haben. Doch das muss eben nicht gleich den Abgesang auf das gesamte Bankgeschäft bedeuten.

Sicherlich, es mag sein, dass einige Kunden für bestimmte banknahe Dienstleistungen zu „frischen“ FinTech-Unternehmen abwandern – sei es im Zahlungsverkehr Yapital, bei Kleinkrediten Auxmoney und Wonga oder im Bereich der Kapitalanlage Social Trading-Plattformen wie Wikifolio. Die kritische Masse der Privatkunden ist von einer Nutzung solcher Optionen jedoch noch weit entfernt.

Und dennoch sollten wir diese Entwicklungen als eine Art neuen Wettbewerb im Bankenmarkt ansehen. Schließlich scheint es hier – wenn auch zunächst für verhältnismäßig wenige – einen konkreten Bedarf bei den Kunden zu geben. Insofern bieten die FinTech-Spieler zunächst einmal jede Menge Raum zur Inspiration. Das heißt nicht, dass Banken grundsätzlich abwarten können, bis sich eine Idee, ein neues Produkt oder ein Geschäftsmodell durchsetzt. Und es bedeutet auch nicht, dass sich nun jede erdenkliche neue Idee am Markt zu eigen gemacht, schlichtweg kopiert werden sollte. Die Wahrheit wird zwischen diesen beiden Polen liegen. Mitunter kann es sich durchaus lohnen, ähnliche Angebote mit einem vergleichbaren Nutzen für die Kunden zumindest einmal durchzuspielen.

Aus diesem Grund sollten Banken sich nicht scheuen, den zunächst explorativen Überlegungen zu digitalen Angeboten auch Taten folgen zu lassen. Banken sollten die etablierte Kundenbasis nicht kampflos neuen – womöglich branchenfremden – Wettbewerbern überlassen. Denn Banken haben basierend auf dem Vertrauen, das Ihnen ihre Kunden immer noch entgegenbringen eine gute Chance, sich und ihre Value Proposition mit eigenen, frischen Angeboten neu zu definieren. Funktionieren Produkte oder Services als Business Case, dann bieten diese den Kunden letztlich nicht nur Lösungen für existierende Bedürfnisse und damit eine neue Ertragsbasis. Das Ausprobieren solcher neuer Services hilft gleichzeitig im intensivierten Wettbewerb mit neuen Spielern im Markt und generiert neue Kundenbindungskraft und verhindert schlichtweg Disintermediation.

2 responses:

  1. Ja, so sieht es zurzeit wohl aus. Andererseits glaube ich dass einige wenige der heutigen FinTechs in 10 bis 15 Jahren selbst zu Goliaths werden. – So wie die ING*DiBa in den letzten 12 Jahre in Deutschland …

    Die spannende Frage: Wer? Kreditech, Vaamo, Smava, Fidor, finmar oder ein anderes der aktuell 300 FinTechs in Deutschland?

  2. Wie geschrieben, bedeuten Fintechs eine neue Art Wettbewerb. Technologie- und geschäftsmodell getriebene Innovationen verändern dabei rasant die Wettbewerbsbedingungen. Für Banken wird es wohl wichtig sein, einerseits die Innovationen zu erkennen, die für genau ihre Organisation relevant sind und andererseits die organisatorische Agilität mitbringen, um darauf zu reagieren. Fintechs selbst sind im Kern kein Hype, sondern „here to stay“. Foren wie das Innovation Lab von Accenture aber auch Veranstaltungen in Deutschland wie Between-the-Towers vom Commerzbank Main-Incubator oder das Fintech Forum DACH bringen Innovatoren, Investoren und etablierte Finanzinstitute zusammen, um die Relevanz verschiedener Trends zu diskutieren. Vielleicht trifft man ja hier schon die Goliaths von Morgen…

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