Accenture Banking Blog

In den Banken ist Software-Legacy noch immer gelebte Realität. Klar, nicht jede IT-Struktur und jeder Prozessschritt kann oder muss immer „state of the art“ und absolut digital sein. Doch in einem Marktumfeld, geprägt durch disruptive Technologien und Möglichkeiten, massiv gestiegene Erwartungen digitaler Kunden und nicht zuletzt auch neue Wettbewerber, können Kreditinstitute nicht mehr einfach so weiter machen wie bisher. Banken sollten ihre IT-Landschaft dringend überdenken.

Rentner am Ruder?

Zahlreiche Institute „sitzen“ auf Kernsystemen, die auf jahrzehntealter Technologie basieren. In vielen Fällen sind die zugrundliegenden Applikationen und Architekturen älter als viele der Mitarbeiter. Dies führt bisweilen sogar dazu, dass längst pensionierte Entwickler aus dem Ruhestand geholt werden müssen, um Fehler in diesen „Alt-Systemen“ aus den Anfängen des Computerzeitalters zu beheben. Zuletzt haben wir dies etwa bei der SEPA-Umstellung gesehen, wo einige der Banken und Versicherer händeringend nach Cobol-Programmierern suchen mussten, weil heute kaum noch jemand diese Programmiersprache „spricht“. Das ist übrigens nicht nur ein demografisches Problem.

Die bestehenden Systeme sind meist über Jahrzehnte gewachsen. Oft gleichen sie fast schon einem lebenden Organismus, den man lieber nicht anfasst. Doch was haben Kreditinstitute mit einer überalterten Kernstruktur, an die immer neue Anwendungen einfach nur angedockt werden, dem massiven Wandel ihres Geschäfts entgegenzusetzen? Wie können sie sich damit gegen Start-ups durchsetzen, die auf schlanken, völlig neuen IT-Strukturen aufsetzen? Ich weiß, dass viele Institute vor dem Schritt zur massiven Erneuerung zurückschrecken. Schließlich gleicht die Transformation des Kernbankensystems weniger einem kosmetischen Eingriff, sondern eher einer Operation am offenen Herzen. Sie greift im laufenden Betrieb tief in die sensibelsten Strukturen ein und doch soll der Kunde davon rein gar nichts mitbekommen.

Maschinenraum renovieren

Trotz dieser Tragweite ist es dringend an der Zeit, endlich auch das Rückgrat der IT-Struktur in die Gegenwart zu holen. Ganz gleich ob die agile Entwicklung neuer Angebote für individuelle Kundenbedürfnisse, die Einführung standardisierter Produkte, Prozesse und Systeme über alle Funktionen der Bank hinweg oder die operative Exzellenz und Anpassungsfähigkeit des Geschäftsmodells – all diese Herausforderungen werden nur mit einem leistungsfähigen Motor im Maschinenraum zu bewältigen sein.

Doch wie kann dieser Transformationsprozess in der Praxis aussehen? Ein Patentrezept gibt es hier sicherlich nicht. Ebenso wie bei der digitalen Reise ist jede Bank auch im Hinblick auf ihre Struktur sowie Kultur höchst individuell aufgestellt. Auch der Transformationsschritt in Bezug auf das Kernbankensystem sollte diesen Charakteristika entsprechen.

Individuelle Ausgangslage und viele Spielarten der Transformation

Die eine Transformation des Kernbankensystems gibt es also nicht. Wandel ist hier vielmehr als iterativer Prozess zu verstehen. Dabei muss es eben nicht immer gleich der grundlegende Neuaufbau des Kernbanksystems bzw. Einführung von Standardsoftware sein, obgleich dieser die Leistungsfähigkeit der Bank sicher am nachhaltig verbessert. Allerdings ist dieser auch mit entsprechenden Kosten verbunden. Insofern verwundert es nicht, dass die wenigsten Banken bereit sind, eine solche Generalüberholung in der IT anzustoßen. Sie suchen eher nach Alternativen wie einer „Two-Speed-IT“ und schneller Digitalisierung von Teilbereichen bei Beibehaltung der Legacy.

Ganz gleich wie Banken nun die notwendige Veränderung in ihren Maschinenräumen angehen: Wichtig ist, dass sie dies vor allem beherzt und systematisch tun und die Umsetzung einem strategischen Ansatz folgt.

One response:

  1. Das Problem kenne ich auch aus der Windows Welt, hier wurden für teures Geld Systeme angeschafft die eine Insel bilden und z.B. eine unternehmenskritische Maschine steuern. Leider hat man in den letzten 15 Jahren an den PCs oftmals einfach nichts gemacht, nicht mal ein Backup.

    Wenn dann plötzlich der PC ausfällt weil ein Mainboard defekt ist geht die Panik los. Solche Dinosaurier gibt es in nahezu jedem Unternehmen.

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