Accenture Banking Blog

Der Automotive-Bereich lässt sich eigentlich kaum mit der Finanzindustrie vergleichen. Doch manchmal hilft ein Blick auf das, was andere tun, um die eigene Welt aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Noch vor zwei Jahrzehnten war für einen Autobauer selbstverständlich, ein Fahrzeug von Grund auf selbst zu entwickeln und zu fertigen. Zulieferer spielten dabei nur eine Nebenrolle und steuerten lediglich einzelne Komponenten bei. Heute liefert zum Beispiel VDO nicht nur Tachos, sondern gleich die komplette Armaturentafel. Auch die anderen Zulieferer sind mittlerweile weit mehr als die verlängerte Werkbank des Herstellers. Sie sind zu Spezialisten auf ihrem Gebiet geworden und kein Automobilhersteller sieht einen Sinn darin, Technologien aus eigener Kraft zu entwickeln, die andere längst besser beherrschen.

Stattdessen konzentrieren sich die Automobilhersteller darauf, Autos zu bauen, die eine ganz bestimmte Philosophie widerspiegeln und sich eindeutig vom Wettbewerb abgrenzen. Dass irgendwo unter der Haube überall dieselbe Einspritzpumpe arbeitet, interessiert dabei niemanden mehr.

Warum auch Banken gemeinsam viel mehr erreichen könnten

In der Finanzindustrie stößt der Gedanke, gemeinsame Ressourcen zu nutzen, noch immer auf große Vorbehalte bis hin zu entschiedener Ablehnung. Wenn man jedoch mehrere Banken kennenlernt, wird schnell deutlich, dass es bei aller Differenzierung mehr oder weniger dieselben Prozesse sind, die ein Geldinstitut am Laufen halten. Und man erkennt, dass Banken erhebliche Ressourcen in Dinge stecken, die weder dazu beitragen, sie von anderen Banken zu unterscheiden, noch vom Kunden als ein Differenzierungsmerkmal wahrgenommen werden.

Mir fällt da spontan der Marketing-Bereich ein. Hier findet man nicht den klassischen Banker, sondern Spezialisten, die problemlos auch in jeder anderen Branche arbeiten könnten. Ihre täglichen Aufgaben drehen sich um Themen wie Content-Entwicklung, Customer Relationship Management und Monitoring des digitalen Medienumfelds. Aufgaben also, die nicht notwendigerweise bankenspezifisch sind.

Warum tun sich also Banken nicht einfach zusammen, um diesen Bereich in eine gemeinsame Gesellschaft auszulagern? Eine Frage, die auch bei zahlreichen anderen Funktionen berechtigt ist, die nicht bankenspezifisch sind und von echten Spezialisten meist effizienter und kostengünstiger erledigt werden können.

Dazu zählen auch all die internen Prozesse, die den administrativen Unterbau einer Bank bilden, aber in keiner Weise dazu beitragen das eigene Geldinstitut von anderen zu differenzieren. Nicht selten werden hier auch erhebliche Ressourcen gebunden und hoch qualifizierte Mitarbeiter von den Aufgaben abgehalten, die für die Bank wirklich entscheidend sind.

Vom digital Banking bis zur Robotik

Digitalisierung ist noch immer eines der Buzzwords der Branche. Doch Digital Banking heißt natürlich weit mehr als coole Apps am Frontend. Will sich hier eine Bank durch echten Mehrwert differenzieren, müssen sich ihre digitalen Services nahtlos in ihr Operating Model einfügen. Dass das eine echte Mammutaufgabe ist, die Jahre an Entwicklungszeit kostet, muss ich hier nicht betonen.

Was spricht also auch hier gegen ein Banken übergreifendes Betriebskonzept? Weshalb nicht auf gemeinsame IT-Ressourcen zugreifen, anstatt die gesamte Infrastruktur selbst zu betreiben? Bei der raschen technischen Entwicklung würde sich dabei nicht nur der Time-to-Market-Zyklus verkürzen. Die Bank müsste auch kein eigenes IT-Know-how vorhalten und könnte sich auf einen Experten-Pool stützen, der diese Thematik ohnehin besser beherrscht.

Dasselbe trifft auf den nächsten Megatrend in der Bankenwelt zu. Auch die Robotik verlangt nach einem immensen Know-how, um die zahlreichen Vorgänge, die heute noch manuell und über bedrucktes Papier abgewickelt werden, durch vollautomatische Prozesse ersetzen zu können. Und es muss die technische Infrastruktur aufgebaut werden, um diese Prozesse nahtlos in die IT Kernprozesse der Bank zu integrieren.

Ich bin davon überzeugt, dass auch die Finanzindustrie zu neuen Betriebskonzepten – sowohl im Business als auch ganz besonders in der IT – finden wird. Und ich gehe davon aus, dass die nächste Revolution der Branche vor allem im Back Office stattfinden wird. Am Ende wird eine Bank nur noch das leisten, was das eigentliche Banking ausmacht – und sich auf Shared Services stützen, um ihre operativen Prozesse abzubilden.

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