Accenture Banking Blog

Binnen weniger Wochen oder gar Tage zum neuen Banking-Service? Bei FinTechs ist das längst gelebte Realität. Banken tun sich mit einer solchen Schlagzahl jedoch immer noch schwer. Die Banken-IT samt ihrer Struktur steht dem Wandel im Weg.

Banken haben sich auf den Weg gemacht

Natürlich waren Banken mit Blick auf ihre Technologiestruktur in den vergangenen Jahren keinesfalls untätig. Bereits zu Beginn des Jahrtausends haben fast alle Marktteilnehmer ihre IT-Einheiten grundlegend umgebaut. Um Synergien zu heben und dem Kosten- sowie Effizienzdruck zu begegnen, wurden bisher dezentral organisierte Zuständigkeiten zusammengefasst und horizontal neu aufgestellt – insbesondere in den klassischen IT-Disziplinen Anwendungsentwicklung und Betrieb. Mit großem Erfolg! Schließlich konnten Systemressourcen und Personalaufwand dadurch signifikant reduziert werden. Doch der Erfolg von gestern tritt in Zeiten der digitalen Transformation in den Hintergrund, da es jetzt vor allem (wieder) darauf ankommt, IT-Services End-to-End verstehen und managen zu können. Bereits die Online-Kontoführung bietet dafür ein gutes Beispiel. Ein entsprechendes Produkt durchläuft hier große Teile des IT-Stacks. Bereits geringe Änderungen in den Produkten können zu Arbeiten in vielen Bereichen führen – vom Front End für das Onlinebanking, die Anwendungslogik bis hin zur IT-Infrastruktur. Das muss verstanden, geplant und koordiniert werden. Nun ist die Änderungsfrequenz bei digitalen Produkten heute aber weit höher als in der guten alten Zeit.

Zeit, die IT-Welten zu einen

Agilität ist daher die neue Währung der Bankenzukunft. Damit treffen zwangsläufig zwei Welten aufeinander: Einerseits die auf Sicherheit, Stabilität und Compliance ausgerichtete IT, andererseits die Fachabteilungen. Sie wollen immer mehr zusätzliche Services in möglichst schneller Abfolge beim Kunden ausrollen. Im Kern brauchen Banken also eine IT-Organisation, die in den bestehenden Systemen Sicherheit und Verfügbarkeit gewährleistet und zugleich die Weiterentwicklung ihres Produkt- und Serviceportfolios mit hoher Änderungsfrequenz in enger Zusammenarbeit mit dem Fachbereich unterstützt.

In Banken, die ihr Backend über Jahre nicht angefasst haben, wird das nicht einfach. Die Lösung des Problems beginnt bereits in der Architektur: Eine solide Grundstruktur entsteht durch eine zusätzliche Schicht, die digitale Services abbildet und über standardisierte Schnittstellen auf das Backend zugreift. Dabei braucht es natürlich klare Regeln für die Interaktion zwischen der alten Welt und der neuen Welt, also der Architekturebene für neue Anwendungen. So darf eine Veränderung im Backend nie dazu führen, dass vorgelagerte Anwendungen nicht mehr funktionieren. Daher bedarf es einer Architektur-Governance, also IT-Vorgaben für alle neu entwickelten Services.

Gefeierte Frontend-Agilität, abgehängtes Backend

Wenn ich von IT-Welten rede, dann hängen hier natürlich auch Menschen dran. Insofern ist es vor allem eine Frage der Organisation, wenn Banken ihre Systeme neu aufstellen möchten. Institute müssen für die Entwicklung neuer Lösungen alle Verantwortlichen für den jeweiligen Layer an einen Tisch bringen, um eine persönliche Verbindung aufzubauen und wechselseitiges Bewusstsein für die jeweiligen Herausforderungen zu schaffen.

Hier geht es auch um Motivation. Bei all der Begeisterung für agile Verfahren in der Frontend-Entwicklung wurde oft das Backend vergessen. Über Jahre wurden keine neuen Kollegen eingestellt und im Gegenteil Stellen gestrichen und Leistungen ausgelagert. Wie viel Lust haben wohl Mitarbeiter, die sich nicht wahrgenommen fühlen, sich mit neuen Entwicklungsmethoden auseinanderzusetzen? Mal davon abgesehen, dass gerade im Zusammenspiel zwischen Anwendungsentwicklung und Betrieb auch kulturelle Unterschiede eine Rolle spielen. Mitarbeiter, die für eine verlässlich funktionierende Bankinfrastruktur verantwortlich sind, wollen robuste Systeme. Eine hohe Frequenz von gar automatisiert eingesetzten Changes gehört nicht in diese Welt. Die Angst, einen fehlerhaften Code quasi durch die Hintertür „untergejubelt“ zu bekommen und diesen dann verantwortlich entstören zu müssen, ist hier groß. Und agile Entwickler? Die sehen die Kollegen aus dem IT-Betrieb in der Regel als Agilitätsbremse.

All das zeigt: Auf dem Weg zum digitalen Banking müssen Finanzinstitute ihre IT-Aufstellung neu denken. Nicht nur agile Entwickler, auch die Verantwortlichen für das Anwendungsbackend, die IT-Infrastruktur und den Betrieb sollten hier frühzeitig einbezogen werden. Nur wenn es gelingt, die Architektur und entsprechende Talente aus allen Bereichen organisatorisch zusammenzuführen, wird dies gelingen. Wie Banken hier konkret ansetzen können und welche Möglichkeiten sich am Markt bewährt haben, darauf gehe ich in meinem nächsten Blogpost detailliert ein.

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