Accenture Banking Blog

Schon im letzten Jahr war aus meiner Sicht Instant Payments DAS dominierende Thema der SIBOS – der jährlichen globalen Konferenz rund um Payments. In diesem Jahr ging es in Panels und Diskussionen, aber auch bei den Banken und Anbietern vor allem um Open Banking und Distributed Ledgers. Das heisst nicht, dass Instant Payments nicht mehr aktuell sind, sondern im Gegenteil, dass sie zur Realität für Banken werden.

Banken diskutieren nicht mehr über das Ob und Warum, sondern endlich über das Wie und Wann. Dabei können sie sich auf das neue Regelwerk des EPC für Instant Payments beziehen, was seit April als Entwurf vorliegt. Darin werden Format, Messaging Modell, Zeit-Limits und Betragsgrenzen beschrieben. Das führt zu einem Schub, denn schon im November dieses Jahres wird es für das neue Zahlungsverkehrsprodukt SCT Inst die finale Fassung geben. Verschiedene Infrastruktur-Anbieter bauen derzeit gezielt Systeme, die zum Go-Live Termin des Schemes im November 2017 in Produktion gehen werden. Für das EBA CLEARING IPS System haben sich derzeit knapp 40 europäische Banken als Projektteilnehmer gefunden. Zudem wollen lokale Systeme in Spanien, Frankreich und den Niederlanden ebenfalls innerhalb der nächsten Jahre ihre Arbeit aufnehmen.

Real-Time Processing mit einem 24/7 Betrieb ist also in Europa angekommen – eine Gegebenheit, der sich kein Marktteilnehmer verschließen kann. Die Geburtsstunde des Instant Payments ist nun da und verschiedene Banken haben diese Erkenntnis bereits in laufende Projekte umgesetzt. Andere hingegen sind noch in der Strategie- bzw. Planungsphase.

Mit großen Schritten in Richtung der ersten pan-europäischen Instant Payment-Transaktion

Neben dem Regelwerk gibt es auch für die Implementierung und Netzwerkanbindung von Banken einige Meilensteine:

  • Für das IPS von EBA Clearing kann man sich entweder über SIAnet oder über das EBICS Protokoll anschließen. Im Hinblick auf EBICS ist das ein weiterer Schritt zur Internationalisierung des von der Deutschen Kreditwirtschaft gemeinsam geschaffenen Standards.
  • SWIFT hingegen – das meistgenutzte Netzwerk für Zahlungsverkehrs-Nachrichten – wird erst Mitte 2017 eine Aussage zur Produktstrategie und zum Zeitplan machen und somit im November 2016 noch nicht zur Verfügung stehen.

Auch die Anbieter von Payments-Software haben mit der Anpassung gemäß SCT Inst-Schemes begonnen. Gute Voraussetzungen also, damit Banken ihre Infrastruktur auf SCT Inst Transaktionen vorbereiten.

Aber eine Instant-fähige Software und ein schneller Netzwerkanschluss allein reichen nicht: Banken müssen alle relevanten Systeme darauf prüfen, ob diese Instant-fähig sind. Vor allem die Ausweitung auf 24/7/365 scheint die Banken vor größere Herausforderungen zu stellen. Was wäre, wenn ein Instant Payments-System am Wochenende vor Weihnachten auch nur für 30 Minuten ausfällt? Die sozialen Netzwerke machen jede Schwäche von Service-Anbietern sofort öffentlich – da gibt es wenige zweite oder dritte Chancen für einen ersten guten Eindruck beim Kunden. Und überhaupt, wer spricht derzeit von den Kunden?

Der Kunde als König?

Bei aller geschäftigen Vorbereitung, Diskussionen zu neuen Produkten finden kaum statt. Mir scheint, als sei die Suche nach einem positiven Business Case für Instant Payments abgehakt. Banken sind inzwischen überzeugt, dass Instant Payments eine konsequente und notwendige Weiterentwicklung des heutigen SEPA Projektes ist, weil man sonst hinter FinTechs und anderen branchenfremden Firmen wie Apple, Google und Facebook zurückzufallen würde. Aber die Kundenschnittstelle überlässt man derzeit noch anderen, z.B. den IT-Riesen, mal abgesehen von Paydirect in Deutschland, das aber noch keine Aussage zu Instant Payments gemacht hat.

Es fehlt also eine Anwendung, die berühmte Killer-App, die am besten sofort die notwendigen Volumina schafft, um die Investitionen der Banken durch ein neues Zahlungsverkehrsprodukt wieder reinzuholen. Diese eine Anwendung kann aber nur mit einem überragenden Verständnis der Kundenbedürfnisse zusammen mit Innovationsfähigkeit entwickelt werden, um eine neue, andere, bessere Nutzererfahrung zu schaffen. Und genau das können die GAAFA (Google, Apple, Amazon, Facebook, Alibaba) wesentlich besser.

Was tun also? Mein Rat ist, dass Banken Instant Payments als Teil ihrer Digitalisierungsstrategie verstehen und sowohl für ihre Firmen- als auch Privatkunden neue Produkte entwickeln, anstatt nur die Infrastruktur bereit zu stellen. Wie wäre es mit der Autokauf-App für Käufer und Verkäufer, um Gebrauchtwagen endlich ohne Bargeld kaufen zu können? Oder dem Instant Cash Management für Corporates, damit der CFO auch unterwegs sekundengenau seine Liquidität kennt und seine Mittel entsprechend in Echtzeit verschieben kann – und das mit PSD2 mit allen seinen Bankverbindungen. Aber das ist ein anderes Thema. Weitre Informationen zu Accenture Payments finden Sie auf unserer Website.

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