Accenture Banking Blog

Der Margen- und Regulationsdruck zieht an, mehr Innovationsfähigkeit muss her, FinTechs werden zu Partnern, Deutschland ist overbanked – dies sind nur einige Soundbites von der diesjährigen Handelsblatt Jahrestagung „Banken im Umbruch“. Champagnerstimmung sieht sicherlich anders aus. Doch dabei übersehen wir einen wesentlichen Faktor: Die Rahmenbedingungen sehen sicherlich nicht gerade rosig aus, doch noch haben wir keine echte Disruption des Marktes durch FinTech- oder Technologieunternehmen. Und noch haben Banken alle Optionen in der Hand, ihre digitale Zukunft selbst zu gestalten.

Größe allein ist keine Antwort

Doch brauchen wir dazu Fusionen oder weniger Banken als Ausweichventil? Da bin ich skeptisch. Das eigentliche Problem liegt vielmehr in den Maschinenräumen der Finanzinstitute, in der Komplexität und geringen Flexibilität. Zusammenschlüsse werden das nicht lösen, zumal langjährige Integrationsprozesse die notwendigen strategischen Entscheidungen und operative Maßnahmen zur Reorganisation und Neupositionierung lähmen. Der bessere Weg besteht darin, die digitalen Hausaufgaben zu machen. Das Banking-Business der Zukunft ist digital, Kreditinstitute müssen sich in diesem Szenario zu agilen Technologieunternehmen wandeln. Das betrifft nicht nur den vielbeschworenen Kulturwandel. Um Skaleneffekte zu erzielen, ist es in erster Linie notwendig, die internen Strukturen und Prozesse anzupacken. Das beginnt bei den überladenen Kernbankensystemen und setzt sich fort in Parallelstrukturen, manuellen Arbeitsschritten und zahlreichen Medienbrüchen.

Zeit für ein digitalisiertes Back Office

Es reicht heute eben nicht mehr, Services und Produkte sowie die Interaktion aus der Kundenperspektive zu betrachten. Wie gut können digitale Interaktionspunkte sein, wenn alle nachgelagerten Abläufe auf veralteten Systemen laufen und den Erwartungen der Kunden in punkto Flexibilität und Geschwindigkeit gar nicht gerecht werden können? Es wird dringend Zeit für ein Back-Office 2.0, eine Generalüberholung und die digitale Anbindung des Maschinenraums, den konsequenten Einsatz neuer Technologie von künstlicher Intelligenz bis hin zu Robotik und eine prozessuale End-to-End-Digitalisierung. Das müssen Institute nicht einmal alleine tun – denn gerade hier machen Kooperationen oder gar Fusionen durchaus Sinn. Ich bin mir sicher, dass wir hier schon bald erste Initiativen sehen werden und Vehikel an den Markt kommen, die sämtliche Hintergrundfunktionen vom Wertpapier-Settlement bis hin zur Kreditbearbeitung mit moderner Technologie weit effizienter und agiler abwickeln. Eine solche Struktur im Rücken wird die digitale Reise der einzelnen Banken deutlich beschleunigen und zugleich enorme Kosteneinsparungen erlauben.

Fish where the fish is

Denn wie funktioniert das Banking der Zukunft? Einen der Schlüsselansätze zeigen FinTech-Partner wie SolarisBank oder Fidor. Sie bieten ihren Business-Kunden eine agile Plattform, die flexibel Module für sämtliche Banking-Funktionen zur Verfügung stellt. Das heißt nicht, dass sich sämtliche Kreditinstitute zu Service-Partnern für die Start-up-Welt entwickeln sollen. Interessant ist vielmehr das modulare, bedürfnisgerechte Prinzip. Auch für traditionelle Banken gilt künftig die Devise „Fish where the fish is“. Das heißt, sie müssen ihre Services in die Wertschöpfung von Unternehmen und den Lebensalltag der Privatkunden integrieren. Denn es ist nicht zwingend so, dass der Markt für Finanzdienstleistungen schrumpft, er findet nur ganz woanders statt. Banken müssen weit stärker Teil der Dialoge zwischen Marktteilnehmern werden, z.B. auch im Facebook Messenger, sie müssen Teil der Plattformen werden, auf denen ihre Kunden unterwegs sind, und auch eigene Ecosysteme rund um ihre Kunden entwickeln. Erst wenn das gelingt, werden Banken zu einem Gestalter des digitalen Marktplatzes.

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