Accenture Banking Blog

Vielfalt? Diversity? Zeichneten die Werbestrategen ein realistisches Bild der deutschen Banken, wäre Deutschland in dieser Hinsicht weltweit Spitzenreiter. Da lächeln bunt gemischte internationale Teams von den Hochglanzbroschüren und joggende Powerfrauen erklären uns die Zukunft des Bankgeschäfts. Nur: Wo ist die Vielfalt in den Frankfurter Bankentürmen? Wo sind die Frauen im Banking?

Als Frau in einer Führungsposition im Finanzsektor, speziell im Bankenumfeld, stehe ich ein Stück weit für gelebte „Diversität“ und möchte mich in meinen ersten Blogbeiträgen diesem Thema widmen. Denn in Deutschland des Jahres 2015 ist die Branche noch immer eine Männerdomäne. Trotz des vielzitierten Fachkräftemangels, der nicht aufzuhaltenden demographischen Entwicklung und der immerhin 56% Frauen, die in dem Bereich Finanz- und Versicherungsdienstleistung beschäftigt sind, ist das eigentlich unerklärlich. Insbesondere, wenn man auf die mageren 7% Frauen im Topmanagement schaut.[1]

Gegen verdeckte Vorurteile angehen

Als Women‘s Initiative Lead werde ich oft gefragt, warum Frauen gerade im Banking so rar sind. Die Antwort ist vielschichtig. Ein Aspekt sind die zum Teil fehlenden weiblichen Vorbilder, die im Finanzbereich selbstbewusst die Führung übernehmen. Dabei gibt es sie und sie heißen beispielsweise Christine Lagarde, die Frau an der Spitze des Internationalen Währungsfonds, oder Nadine Faruque und Sylvia Matherat als zwei Bereichsvorstände der Deutschen Bank. Aber es gibt sie eben noch viel zu selten. Vielleicht auch deshalb, weil die Frauen hierzulande in einem „Karriere-oder-Kind“-Dilemma stecken. Das Dienstleistungsangebot rund um die Kinderbetreuung ist auch seitens der Unternehmen nach wie vor nicht vielfältig und flexibel genug.

Der zweite Aspekt ist, dass insbesondere der Banking-Bereich als ein „Zahlen“-Umfeld gesehen wird. Frauen kokettieren häufig selbst damit, nicht mit Zahlen „zu können“ – und verfestigen damit das Bild. Im Finanzbereich rechnen – in wahrsten Sinne des Wortes – Männer daher oft gar nicht mit Frauen. Mit der Qualifikation der Frauen hat das jedoch wenig zu tun, denn sie sind topausgebildet. Dass Frauen selbst behaupten, sie könnten nicht mit Zahlen, oder ihnen dies durch das gesellschaftliche Umfeld angedichtet wird, liegt auch am dritten Aspekt: Wir alle unterliegen dem „unconscious bias“, also den „verdeckten Vorurteilen“, die unsere Erwartung und Wahrnehmung bis zu einem gewissen Grad verzerren.

Um dem auf den Grund zu gehen, haben wir von Accenture genauer untersucht, wo „verdeckte Vorurteile“ oder Stereotypen und Rollenklischees dafür verantwortlich sind, dass Frauen in ihrer Karriere nicht weiterkommen. Überraschend hierbei: Erste Hindernisse tun sich bereits vor dem Start des Bewerbungsprozesses auf – lange vor einer etwaigen Beförderung. Schon der bloße Wortlaut einer Stellenbeschreibung kann Frauen davon abhalten, eine Karrierechance zu ergreifen – wenn sie z. B. nicht auch die letzte geforderte Qualifikation aufweisen oder Stellenanzeigen als zu „machtorientiert“ wahrgenommen werden. Männer geben sich hier auch mal mit 75 % Übereinstimmung zufrieden und sehen das ganze etwas sportlicher. Für das Recruiting sind dies bereits wertvolle Hinweise auf die Stellschrauben, an denen es zu drehen gilt.

Diversität darf kein Werbegag bleiben

Die Einschätzung, dass Frauen oft nicht fordernd genug seien, ist weit verbreitet. Und ja: Manche Frauen planen ihre Karriere nicht aktiv, sondern lassen vieles auf sich zukommen. Aber diese Beobachtung mit einem Schulterzucken anzunehmen, ist die falsche Strategie. Es gilt den Talentpool der durchaus hochqualifizierten weiblichen Berufsanfänger im Bankensektor voll auszuschöpfen. Das wäre ein Anfang. Und mehr noch: Diversität muss dringend auf die strategische Agenda der Bankhäuser. Damit die schönen Bilder und Videos Realität werden – und keine Dichtung der Werbeindustrie bleiben. Wie eine solche Agenda aussehen kann und welche Stellschrauben es gibt, um mehr Frauen in Führungspositionen zu heben, darauf möchte ich auch in Zukunft in meinem Blog eingehen und lade Sie auf dieser Plattform zum Dialog mit mir ein.

[1] Vgl. Bisnode Studie „Frauen im Management 2015“: http://www.bisnode.de/wp-content/uploads/2015/04/Bisnode_Studie_Frauen_im_Management_2015.pdf

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