Accenture Banking Blog

Data Governance ist kein leichtes, aber ein äußerst wichtiges Thema. Wie ich in meinen vergangenen Blogbeiträgen dargestellt habe, ist dabei zum einen auf die simultane Betrachtung von Metadaten- und Datenqualitätsmanagement zu achten. Zum anderen sollten Banken klare Ziele definieren und kommunizieren, nicht zu stark zentralisieren und möglichst schrittweise vorgehen. Doch wer sollte Data Governance intern verantworten? Wer meldet sich freiwillig? Und wie sichert sich der Verantwortliche die Kooperation im Unternehmen?

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Der CDO – die eierlegende Wollmilchsau?

In diesem Kontext wird häufig empfohlen, eine neue Rolle zu schaffen: den Chief Data Officer, kurz CDO. Er soll zentral für die Etablierung und Funktionsweise der Data Governance verantwortlich sein, die Qualität aller Daten und Informationen sicherstellen und für ein angemessenes und aussagekräftiges Reporting sorgen. Dabei muss er komplexe datenbasierte Probleme lösen, die sich quer durch die gesamte Organisation ziehen und Datenverantwortliche aus vielen Bereichen der Bank mit einschließen.

Klingt nach eierlegender Wollmilchsau? Ist auch fast so. Ein CDO benötigt ausgezeichnete Management- und Durchsetzungsfähigkeiten, muss innerhalb und zwischen den einzelnen Themenbereichen der Datenlieferanten und –abnehmer durch fachliche Expertise überzeugen, und sollte auch im Detail über die notwendige technische Kompetenz verfügen, um die vielfältigen Extraktions- und Transformationsschritte nachvollziehen und bewerten zu können.

Gefahr, dass die eierlegende Wollmilchsau zum zahnlosen Tiger wird!

Doch selbst ein CDO, der dieses Profil erfüllt, sieht sich mit kaum durchsetzbaren Anforderungen an die dezentralen Einheiten der Bank konfrontiert. Er muss ein enormes Maß an inhaltlicher wie auch politischer Überzeugungsarbeit leisten, um alle Beteiligten mitzunehmen und Aktivitäten durchzusetzen, die andere für ihn ausführen müssen. So qualifiziert ein CDO auch sein mag – er ist von anderen und deren Unterstützung abhängig; nimmt er diese nicht mit, so wird er schnell zum zahnlosen Tiger.

Verbindliche Regelwerke schaffen, Anreize setzen

Wie können sich CDOs in einer solchen Situation selbst das Leben erleichtern? Aus meiner Sicht sind hier zwei Richtungen erwägenswert: Zum einen sollten die zu ergreifenden Maßnahmen in Regelwerken, Richtlinien und Prozessen für alle verbindlich festgehalten werden. Zum anderen sind aber auch entsprechende Anreizsysteme sinnvoll. Etwa klassische Ansätze, bei denen Nichtkooperation „bestraft“ wird oder ganz konkrete Vereinbarungen mit Blick auf Data Governance-relevante Ziele im Rahmen des Performance Managements fixiert werden. Oder aber der neue Ansatz der „Gamification“ – analog zum Smartwatch-Trend: Hier könnten für neu erfasste, korrigierte Metadaten Punkte vergeben werden, oder es wird ein digitaler Badge eingeführt, der die Beseitigung von Datenqualität für alle im Intranet oder Data Governance-Tool sichtbar macht.

Vorhandene Ressourcen nutzen

Doch darüber hinaus muss klar sein: Auch der CDO kann nicht das „Rundum-Sorglos“-Paket schnüren. Ein Standard-Rahmenwerk gibt es nicht – zu unterschiedlich sind die Gegebenheiten in den einzelnen Banken. Jede Bank ist daher gefragt, ihr ganz eigenes Data Governance Operating Model zu entwickeln. Und dabei sollte der CDO zuerst auf die Menschen im Unternehmen schauen, die bereits Data Governance leben. Sie können bei der Operationalisierung des neuen Regimes eine zentrale Rolle spielen.

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