Accenture Banking Blog

Cash is king – diese Devise gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz seit jeher. Mehr als 50 Prozent der Zahlungen im Einzelhandel werden auch heute noch mit Scheinen und Münzen beglichen. Daran konnten bislang Kreditkarte oder auch Mobile Payments wenig ändern. Mit Instant Payments steht aber nun eine technologische Revolution in den Startlöchern, die das Potenzial hat, den gesamten Zahlungsverkehr im Handstreich zu erobern.

Unmittelbar, sicher, transparent und kostengünstig

Die Magie des neuen Systems liegt in seiner Unmittelbarkeit. Geldtransaktionen finden nahezu in Echtzeit statt. Ob die geteilte Rechnung beim gemeinsamen Abendessen, bei der jeder seinen Anteil direkt an den Zahlenden überweist, der kleinteilige Einkauf im Supermarkt oder auch sensible Transaktionen wie der Kauf oder Verkauf eines Fahrzeugs auf dem Gebrauchtmarkt, bei dem große Mengen Bargeld oft ein mulmiges Gefühl hinterlassen: Sicherheit, Transparenz und Einfachheit sind einfach bestechend. Aber auch der Kostenaspekt ist hochinteressant. Schließlich lassen sich hier einerseits teure Kreditkartennetzwerke zu Gunsten aller Beteiligter ausschließen. Andererseits können Banken und Einzelhändler durch den sinkenden Bargeldanteil insbesondere auch Ausgaben für die Automateninfrastruktur, Geldtransporte und andere mit Bargeld verknüpfte Kosten deutlich reduzieren. Neue Möglichkeiten mit Instant Payments werden wir jedoch auch sehr stark im Firmenkundengeschäft sehen. Wenn Unternehmen nämlich Transaktionen in Echtzeit und punktgenau europaweit ausführen können, dann schlägt dies auch für das Cash Management ein ganz neues Kapitel auf. Nie zuvor konnte die Liquidität einer Organisation derart feinjustiert gesteuert werden. Auch sind Instant Payments für viele Geschäftsmodelle der sogenannten Industrie 4.0 Voraussetzung, in der Marktteilnehmer nicht länger nur Güter kaufen, sondern für Ihre Nutzung und zusätzliche Services bezahlen.

Ganz neue Ertragsfelder für Banken

Gerade Banken sehe ich in einer hervorragenden Ausgangsposition. Denn unabhängig davon, wie wir künftig Geld transferieren: Solange es sich um klassisches Zentralbankgeld handelt, werden stets Kreditinstitute gebraucht – zumindest was die Abwicklung der Transaktionen im Hintergrund anbetrifft. Und damit ergeben sich fast schon ganz automatisch zwei strategische Optionen, wie Banken und Sparkassen mit der Zahlungsverkehrsrevolution umgehen können. Ein erster Ansatz besteht in der Positionierung eigener zahlungsauslösender Dienste und Services rundherum. Banken können dann an der einzelnen Transaktion verdienen, statt der Kreditkarten-Netzwerk- oder Acquiring-Diensteister heute. Sie erschließen sich damit aber nicht nur neue Ertragsquellen, sondern sichern sich zugleich die Präsenz als Marke und Dienstleister direkt – sowohl bei Privat- als auch Firmenkunden, statt dieses Geschäft den bestehenden oder neuen Wettbewerbern wie Google, Apple oder Paypal zu überlassen. Denn bislang bestand das Problem der alternativen Zahlungsverkehrslösungen insbesondere darin, dass damit stets auch Informationen über den Kunden und sein Kauf- und Zahlungsverhalten abgeflossen sind. Eigene Instant Payment-Angebote lassen Kreditinstitute insofern wieder weit näher an ihre Kunden rücken. Es muss jedoch nicht zwingend die Frontlinie am Point of Sale sein. Ein zweites Geschäftsmodell kann in der Positionierung als Abwicklungsdienstleister für andere zahlungsauslösende Dienste liegen – ganz ähnlich zur Rolle der Acquirer im Kreditkartenbereich, nur ohne die Belastung der existierenden Infrastruktur, sondern als „Digital Acquirer“. Hier wird sowohl die weite Verbreitung einer digitalen Instant Payment-Zahlungsmöglichkeit bei möglichst vielen Konsumenten, als auch eine breite Akzeptanz bei Unternehmen die Musik machen. Und dafür könnte z.B. das derzeit im Aufbau befindliche Paydirect-Netzwerk der deutschen Banken für Deutschland eine wichtige Rolle spielen.

Ganz gleich wie sich die Bank bei Instant Payments strategisch ausrichten will: Die Uhr tickt. Schon 2017 werden die neuen Clearingmechanismen für Instant Payments zur Verfügung stehen. Bis dahin müssen Banken ihre Hausaufgaben gemacht und ihre Systeme aufgebaut haben. Eine Hängepartie wie bei SEPA kann und wird sich hier niemand leisten wollen und können. Doch wo konkret anzusetzen ist, dies werde ich in einem meiner nächsten Beiträge intensiver beleuchten.

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