Accenture Banking Blog

Sie kennen das: Einkauf im vollen Supermarkt, jeder zweite zahlt mit Karte am Kassenterminal, Pin-Eingabe, Warteschlangen. Wäre es nicht viel einfacher und schneller, wenn wir unsere Zahlung per Fingerabdruck autorisieren könnten? Dieses Szenario mag für manche nach Science-Fiction klingen, doch mit der biometrischen Karte ist das für etliche Mastercard-Kunden bereits heute Realität. Bis Biometrie im Massenmarkt ankommt, dürfte es allenfalls eine Frage der Zeit sein. Und dabei geht es nicht nur um Bequemlichkeit. Die neuen Möglichkeiten schaffen auch ein ganz neues Sicherheitsniveau.

Doch gehen wir zunächst einen Schritt zurück. Finanzinstitutionen im europäischen Raum konzentrieren sich heute stark auf die Bewältigung der zusätzlichen Herausforderungen durch PSD2 und andere regulatorische Bestimmungen. Das bedeutet ohne Zweifel einen enormen Aufwand für die Institute – ganz zu schweigen von der neuen Konkurrenzsituation. Bei aller Compliance entgeht vielen Banken im deutschsprachigen Markt aber das große Potenzial der zweiten Zahlungsdiensterichtlinie. Schließlich legen die rechtlichen Rahmenbedingungen auch den Grundstein für neue, unkomplizierte Authentifizierungsmethoden und innovative Kundenerlebnisse. Gerade Biometrie hat das Potenzial, die Zufriedenheit der Nutzer deutlich zu steigern und gleichzeitig die Sicherheit bei Authentifizierungs- und Transaktionsvorgängen zu erhöhen.

Etablierte Finanzinstitute als Innovator

Im zunehmenden Wettbewerb mit neuen Spielern im Zahlungsverkehr dürfen sich Banken diese Chance nicht entgehen lassen, denn genau hier liegt eines der zentralen Einfallstore für FinTechs. Diese versuchen ja letztlich, durch eine optimale Customer Experience Marktanteile von etablierten Finanzinstitutionen zu gewinnen. Die Ausgangslage der Banken ist dabei sogar richtig gut, denn gerade bei Biometrie kommt ein klarer Vorteil zum Tragen: «Das bestehende Vertrauen der Kunden». Oder kämen Sie auf die Idee, einem unbekannten Marktteilnehmer sensible Informationen wie Fingerabdrücke oder ein Abbild Ihrer Iris bereitzustellen? Ich selbst würde mich deutlich wohler fühlen, wenn meine biometrischen Daten gut gesichert bei etablierten Institutionen abgelegt sind und nicht bei Start-Ups mit wenig Erfahrung im Bereich Datensicherheit.

Customer Experience als Schlüssel zum Erfolg

Banken sollten diesen Vertrauensvorsprung nutzen und ihre Umsetzung der PSD2 zum Anlass nehmen, die Customer Experience im Zahlungsverkehr neu zu denken. Das eingangs erwähnte Beispiel zeigt nur eine von vielen Möglichkeiten, wie man sich durch die Implementierung von Biometrie von seinen Mitbewerbern differenzieren kann. Grundsätzlich löst der Einsatz biometrischer Methoden bei Finanzinstituten nicht nur Probleme aus der 2-Faktor-Authentifizierung. Er senkt darüber hinaus die Kosten und steigert die Kundenzufriedenheit in unterschiedlichsten Anwendungsbereichen:

  • Authentifizierung im Callcenter via Stimmerkennung anstatt der mühsamen Abarbeitung von Sicherheitsfragen: Das spart Bankmitarbeitern Zeit und schont die Nerven der Kunden.
  • Bargeldbezug am Bankomaten via Gesichtserkennung anstatt oder zusätzlich zur Pin-Eingabe am Gerät: Das beugt Betrugsfällen vor und steigert das Sicherheitsempfinden der Kunden.
  • Bezahlung am Point of Sale via Fingerprint anstatt oder zusätzlich zur Pin-Eingabe am Gerät: Das befeuert die Kundenzufriedenheit durch schnellere sowie bequemere Zahlungsabwicklung und erfüllt die in der PSD2-Richtlinie geforderte 2-Faktor-Authentifizierung.

 

Die bekannten biometrischen Verfahren wie Gesichts-, Augen-, oder Fingerabdruckerkennung sind dabei ein erster Schritt auf dem Weg zu sichereren und bequemeren Authentifizierungsverfahren. Sie lassen sich durch bislang weniger geläufige Methoden wie «Behavioural Biometrics» (z.B. Analyse von Bedienungsmustern) oder Geo-Daten ergänzen. Diese Ansätze können bei jedem Authentifizierungsprozess oder jeder Transaktion im Hintergrund laufen und auffällige Muster aufdecken, ohne Aufwand beim Kunden hervorzurufen.

Differenzierung durch Biometrics

Die Nutzung von Biometrie zur Authentifizierung im Zahlungsverkehr adressiert neben der Umsetzung der gesetzlichen Rahmenbedingungen die Stärkung der Sicherheit für Kunden und die Verbesserung der Nutzererfahrung gleichermaßen. Die biometrische Technologie befindet sich jedoch auch in einem Reifegrad, der den hohen Ansprüchen der Finanzindustrie längst gerecht wird. Banken müssen sich daher nicht die Frage stellen, ob Biometrie bei Transaktionen eingesetzt wird, sondern wann. Das Rennen läuft. Wer diese Technologie im deutschsprachigen Raum als Innovator früh genug implementiert, wird sich dadurch im Markt deutlich differenzieren können.

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