Accenture Banking Blog

Umfangreiche Dokumentationspflichten für Risikoträger, Bonusrückzahlungen für bis zu sieben Jahre – das sind nur zwei der Hiobsbotschaften der jüngeren Zeit für die Bankenwelt. Aber wo führt die Entwicklung für die Branche eigentlich hin, gerade im Kampf um die besten Talente? Vom einstigen Glanz scheint jedenfalls nicht mehr viel übrig.

Doch lassen Sie uns kurz zurückblicken: Vor 15 oder 20 Jahren sah der Job in der Bankindustrie noch völlig anders aus. Die Ertragsmodelle der Marktteilnehmer waren weitgehend stabil, regulatorische Eingriffe weniger einschneidend, Karrieren planbar und der Ruf der Branche hochattraktiv. Über viele Jahrzehnte hinweg mussten sich Banken keinerlei Sorgen um ihren Nachwuchs machen. Talente, frisch von der Uni oder über die klassische Bankausbildung, strömten ihnen von ganz alleine zu. Der Bank galt als Hort der Stabilität und Solidität.

Negative Attraktivitätsspirale

Doch in den vergangenen Jahren hat sich das Blatt radikal gewandelt. Spätestens seit Ausbruch der Finanzkrise ist das Image der Finanzbranche ruiniert. Banken gelten in der öffentlichen Wahrnehmung schlichtweg nicht mehr als attraktive Arbeitgeber – ganz gleich ob in den Frankfurter Zentralen, an den internationalen Standorten im Investmentbanking und Asset Management oder in der Filiale. So schnell lässt sich dieser gute alte Ruf auch nicht wieder zurückholen. Neue Regulierungsschritte von EZB und BaFin, etwa die umfangreichen Regelungen zu Institutsvergütung und Bonus-Claw-Backs machen den Job noch einmal unattraktiver, gerade wenn es um Führungspositionen geht.

Nur noch B-Talente für Banken?

Mehr Verantwortung, weniger Lohn, gekappte Boni: Das Gesamtpaket passt einfach nicht mehr. Zugleich wird das Umfeld immer komplexer. Das gilt mit Mifid 2, PSD 2 & Co. selbst für das vergleichsweise einfach strukturierte Retail-Banking. Und nicht zuletzt sind in der Finanzarena inzwischen auch ganz neue Player aus dem Technologie-und Digitalumfeld unterwegs, die eine ungeheure Anziehungskraft ausüben. Es ist zu bezweifeln, dass Banken im Kampf um die besten Mitarbeiter gegenüber Google, Paypal oder den aufkeimenden lokalenden FinTech Startups noch mithalten können – zumindest nicht in ihrer aktuellen Verfassung. Wenn die Banken nichts ändern, werden sie mittel- bis langfristig nur noch die B-Riege des Talentpools für sich gewinnen können.

Starke Banken nützen allen

Doch genau das kann volkswirtschaftlich nicht in unserem Interesse sein. Denn unter diesem Brain Drain leiden in erster Linie nicht die Banken, sondern die Allgemeinheit. Hier sind insofern alle Seiten gefragt:

  1. Wir brauchen eine intensive Diskussion mit der Politik, um wirkliche Perspektiven für die Branche zu entwickeln. Es ist wenig sinnvoll, Banken einerseits als systemrelevant zu definieren und andererseits immer unattraktiver werden zu lassen. Natürlich war und ist die Regulierung im Kontext der Krise richtig, sie muss aber eben auch Möglichkeiten für die Weiterentwicklung bieten.
  2. Banken müssen auch selbst aktiv werden und stärker für ihren Berufsstand werben. Dazu gehört auch, nicht nur die Gehalts- und Bonusstruktur oder attraktive Karrierechancen in den Mittelpunkt zu rücken. Gerade die Generation junger Talente sucht nach Sinn im Job, einer guten Work-Life-Balance, Empowerment, Flexibilität und einem Arbeitgeber, der seiner sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung gerecht wird. Banken müssen darauf Antworten finden.

Wir brauchen hier eine gemeinsame Anstrengung – von Staat sowie Gesellschaft mit den richtigen Leitlinien und von Banken mit einer Neuausrichtung des eigenen Rollenverständnisses sowie neuen Berufsbildern. Das muss uns dringend gelingen. Von starken Banken profitieren wir schließlich alle.

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