Accenture Banking Blog

Überraschend sind die Zahlen nicht, welche ich kürzlich in einer aktuellen Studie unseres Hauses gelesen habe. In ihrer Deutlichkeit alarmieren sie dennoch: Der Anteil der Bankvorstände, die sich beruflich schon einmal umfassend mit Technologie befasst haben, liegt weltweit im mittleren einstelligen Prozentbereich. Ich frage mich allerdings – ist die digitale Herausforderung damit zu bewältigen?

Auch deutsche Banken müssen aufholen

In der Studie „Bridging the Technology Gap in Financial Services Boardrooms“ wurden rund 2.000 Vorstandsmitglieder in mehr als 100 der weltgrößten Finanzinstitute befragt. Ergebnis: In fast der Hälfte der Gesamtvorstände fehlt die Technologieexpertise ganz. Auch deutsche Banker können mit Technologie offenbar herzlich wenig anfangen: Mit 7,4 Prozent liegt der Anteil technologisch bewanderter Vorstandsmitglieder auch hierzulande nur hauchdünn über dem internationalen Durchschnitt. In den USA kann jeder sechste Vorstand auf technologische Erfahrung zurückgreifen, in Großbritannien immerhin jeder siebte.

Goliath muss von David lernen, um zu gewinnen

Für mich kommt das einem Offenbarungseid gleich, schreitet die Digitalisierung doch gerade im Bankensektor unaufhaltsam voran. Digital Banking ist mehr als ein Schlagwort, neue und ernstzunehmende Spieler treten zusehends in den Markt, besetzen lukrative Nischen und knöpfen den Platzhirschen der Finanzbranche nach und nach wechselbereite Kunden ab. In der aktuellen Debatte mag der Erfolg neuer Start-up-Spieler womöglich zum Teil wie ein Hype erscheinen. Nicht jeder von ihnen wird überleben, nicht jede neue App den Markt revolutionieren.

Aber die Gefahr ist greifbar: Wenn es den Banken nicht gelingt, Technologie als strategischen Wettbewerbsvorteil zu begreifen und zu nutzen, verlieren sie den Kontakt zum Kunden. Kein Kunde wartet, bis seine Bank die beste Lösung für ihn gefunden hat. Er vergleicht. Und er wechselt, wenn ihm jemand eine schnellere und bequemere Lösung für seine Fragen rund ums Banking anbietet. Technologie ist zum strategischen Erfolgsfaktor geworden – höchste Zeit, dass Banken dies erkennen und die IT Transformation zur Chefsache machen.

Bankvorstände auf die Schulbank!

Was können Banken tun, um gegenüber neuen Geschäftsmodellen und Anbietern wieder aufzuholen? Radikal muss die Lösung meiner Meinung nach gar nicht aussehen. Erste Abhilfe kann bereits die Einrichtung spezieller Technologieausschüsse auf Vorstandsebene schaffen. Ähnlich wie ein Risiko- oder Prüfungsausschuss könnte ein solches Gremium den Vorstand bei technologischen Richtungsentscheidungen beraten. Und hin und wieder sollten auch die Vorstände noch einmal die Schulbank drücken und sich mithilfe von Experten ein besseres Gespür für technologische Fragen erarbeiten.

Zugleich ist ein Kulturwandel notwendig: IT, Technologie und IT-Transformation sind eben nicht mehr nur ein lästiges Übel. Diese Erkenntnis muss beizeiten auch in den Vorständen ankommen. Sie sollten eine Innovationsagenda verabschieden und deren Umsetzung überwachen. Und auch der bankinterne Know-how-Austausch bedarf Wertschätzung und Förderung. Nur so kann die traditionelle Bank auch morgen noch die erste Adresse für ihren Kunden bleiben und eine tragende Rolle in der Zukunft der Banken spielen.

Überraschend sind die Zahlen nicht, welche  ich kürzlich in einer aktuellen Studie unseres Hauses gelesen habe. In ihrer Deutlichkeit alarmieren sie dennoch: Der Anteil der Bankvorstände, die sich beruflich schon einmal umfassend mit Technologie befasst haben, liegt weltweit im mittleren einstelligen Prozentbereich. Ich frage mich allerdings – ist die digitale Herausforderung damit zu bewältigen?

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