Accenture Banking Blog

Seit mehr als zehn Jahren nutzen fast alle Industrien weltweit Cloud-Technologie als Agilitäts- und Effizienzturbo. Globale Weltmarktführer wie Rio Tinto verlagern inzwischen fast ihre komplette IT in die Cloud. An Finanzdienstleistern und speziell Banken ist diese Entwicklung bisher jedoch weitgehend vorbeigegangen.

Brachliegende Cloud-Möglichkeiten

Sicher, auch in der Finanzbranche werden Technologieverantwortliche nicht müde hervorzuheben, dass sie ja bereits mit Cloud-Lösungen arbeiten. Doch meinen sie hierbei überwiegend die Nutzung von Cloud-Technologien in ihren eigenen Rechenzentren, und dies auch nahezu ausschließlich für die Optimierung ihrer eigenen Infrastrukturplattformen. Da wundert es nicht, dass der Fixkostenanteil der IT seit Jahren auf hohem Niveau stagniert und die meisten Finanzdienstleister von einem echten „Pay-by-the-drink“-Modell für ihre IT weit entfernt sind. Für die echte Kostenvariabilität macht es nämlich einen Unterschied, ob wie bei unseren größten Kunden hunderttausend oder mit Cloud-basierten Lösungen hundert Millionen Nutzer bedient werden, von den daraus resultierenden Effizienzsprüngen ganz zu schweigen. Die Folge: Die eigentlichen Potenziale der Datenwolke – von der Kostenseite bis hin zur Agilität im Umfeld der Digitalisierung – sind in der Finanzindustrie noch überwiegend unerschlossen.

Bremsklötze intern wie extern

Doch warum tun sich Banken so schwer mit der Cloud? Zum Teil mag dies an der besonderen Regulierung des Sektors liegen. Dies reicht von den umfangreichen Datenschutzbestimmungen bis hin zu Anforderungen an das Risikomanagement, die u. a. die Möglichkeit einer Vor-Ort-Überprüfung der ordnungsgemäßen Datenverarbeitung vorsehen. Im Zweifelsfall muss also ein Zutritt zum Rechenzentrum des Cloud-Providers möglich sein. Hinzu kommt, dass Finanzdienstleister gegenüber der Aufsicht die Fähigkeit zur Re-Migration der Services von externen Providern zurück ins eigene Haus nachweisen müssen. Auch Fragen der Service Level standen hier bislang im Weg. So erwarten Finanzdienstleister einen 24/7-Zugriff mit höchster Verfügbarkeit und ausgefeiltem Reporting von Kennzahlen zur Providersteuerung. Cloud-Anbieter bieten häufig jedoch nur Standard-SLAs weit unterhalb der Erwartung an, obwohl die tatsächliche Leistungsqualität der Erfahrung nach weit darüber und damit klar im Bereich der Anforderungen von Finanzdienstleistern liegt. Nicht zuletzt waren aber auch die Cloud-Anbieter in der Vergangenheit in etlichen Punkten nur wenig kompromissbereit – gerade was die physische Speicherung von Daten innerhalb Deutschlands oder der EU betrifft. All dies bot bislang ausreichend Munition für Cloud-Gegner, um sich gegen die Entwicklung zu stellen.

2017 wird zum Boomjahr

Es wird Zeit für eine Demystifizierung der Cloud und eine echte gemeinsame Vorwärtsstrategie von Finanzdienstleistern und Cloud-Anbietern. Genau das scheint im Moment auch zu passieren. Hier mag sicherlich der zunehmende Druck auf die Finanzbranche im Niedrigzinsumfeld eine Rolle spielen. Darüber hinaus sehe ich aber auch, dass sich Finanzdienstleister und Cloud-Anbieter immer weiter annähern, was die Anforderungen und Angebote anbetrifft. So haben einige Cloud-Anbieter inzwischen Rechenzentren in Deutschland aufgebaut und sagen den Kunden das Recht auf Prüfung vor Ort zu. Und auf Finanzseite reifen Überlegungen heran, wie man regulatorisch anspruchsvolle Auslagerungen zunächst mit einer Cloudifizierung der eigenen IT-Landschaft entschärft. Durch Verlagerung auf zunächst hausinterne Cloud-Stacks sind Anwendungen jederzeit in die Cloud verschiebbar und Spitzen könnten beispielsweise durch externe Provider aufgefangen werden, ohne die regulatorisch geforderte Möglichkeit zur Re-Migration der Services weg vom Cloud-Anbieter zu verlieren. Damit können Banken dem Regulator beweisen, dass sie die Technologie beherrschen und diese kein Risiko für ihre Stabilität darstellt.

Ich glaube vor diesem Hintergrund fest daran, dass 2017 zu einem wirklichen Boomjahr für die Technologie werden kann und die Cloud nun auch in der Bank- und Finanzindustrie ihren Siegeszug antritt. In meinem nächsten Blogpost möchte ich daher noch einmal näher auf die konkreten Vorteile der Cloud eingehen, auch und gerade jenseits der Kosten.

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